30 August 2006

Multidesert: Rumschmuddeln mit dem Edelhobel

Fahrer der klassischen Ducatis sind in der überwiegenden Mehrzahl ja dafür bekannt, dass sie ihre Edelhobel bei drohendem Regen oder der Gefahr, dass ein aufgewirbeltes Stäubchen den Glanz des Signalrots trüben könnte, gerne in der temperierten Garage lassen und ersatzweise zum Zweitfahrzeug greifen.

Doch was für die Königswellen-Fans und die Supersportler-Piloten der 999er Klasse gilt, kann man über die Besitzer eines Produkts aus der Multistrada-Familie - sei es die 620er oder die 1000er - nur bedingt behaupten: Es sollen schon Fälle von Fernfahrten bei Wind und Wetter ohne anschließendes Zerlegen, Waschen, Putzen, Zerstäuben und Polieren vorgekommen sein. Sagten jedenfalls ernstzunehmende Quellen....

Nun liegen die unumstößlichen Beweise vor: Bild 1 bis Bild 3.

Zu Dokument 1 zitieren wir: "Took off on Thursday from San Francisco for a 4 day tour (1000 miles) to the Lost Coast. Having just sold my GS and now a Duc owner I was a bit nervous about the relability and the offroad worthiness of the new machine. I am happy to report that the s1000 Duc blew away the over weighted larger GS's. Very quick and great in the twisties of the northern redwoods. I was sure that I would be happy with the pavement but my real surprise was when we hit the dirt. We traveled around 400 miles of dirt fireroads and various single tracks along the coast. Many creek crossings and long sand rides." Hört sich an, als ob man in Californien noch relativ ungestört Moppet fahren könnte.

Die nötige Gerätschaft, wenn man es richtig angehen will (Siehe Bild 2), gibt es im Angebot auf der Website von Ducati Parma. Die Schrauber dort haben 2004 eine erste 1000er Multi in eine so genannte "Multidesert" umgebaut: hochgelegter Kotflügel vorne, Tripmaster im Cockpit, Schlagschutz für die Lenkerenden, Alu-Schlagschutz für den Motorblock, veränderter Öl-Kühler, neue Auspuff-Anlage, Zusatzbehälter für Werkzeug und Kleinteile und vor allem ein Conti-Reifensatz für den Geländeeinsatz.

Die Ducatisti aus Parma bauen Serienmaschinen auf Anfrage "für den Einsatz in der Sahara" um, aber haben derzeit auch eine modifizierte Maschine gebraucht im Angebot. Über die Straßenzulassung schweigt man sich aus. Wer 12.000 Euro übrig hat zum Motocrossen, kann sich hier jedenfalls in eine eigene, exklusive Klasse einkaufen (siehe Bild 3) ...

© Jochen Vorfelder

28 August 2006

XT500: Die Mutter aller Enduros wird 30 Jahre alt

Im Mai waren wir mal wieder in den Alpen unterwegs; meine alte Liebe und ich. Dort trafen wir am Stilfser Joch auf einen Schnösel mit einer R 1200 GS Adventure, der hochnäsige Blicke rüberwarf: "Wie, das Ding hat nicht mal einen Elektrostarter?" Nein, hat sie nicht, die gute XT 500. Hatte sie nie in den letzten 30 Jahren, aber auch das hat sie nicht daran gehindert, die Ur-Ahnin der GS und Mutter aller Reiseenduros zu werden.

Die ersten Exemplare - zum Stückpreis von 4995 Mark - waren im Juli 1976 noch Re-Importe der 1E6-Serie aus den USA mit untenliegendem Auspuff-Krümmer und 33 PS; die offizielle Markteinführung mit der auf die deutsche Versicherungs-Einstufung zugeschnittene 27 PS-Drosselung wurde erst im September 1976 auf der IFMA in Köln gefeiert. Das Debut für eine lange Karriere - zwischen 1976 und 1991 thronte sie in den Schauräumen der Händler.

Was dort von Yamaha ausgestellt wurde, war nicht nur atemberaubend schön und stark, sondern revolutionär: der klassische Dampfhammer mit der satten Kraft aus dem halben Liter, den die Engländer Jahrzehnte lang gebaut, aber nie weiterentwickelt hatten. Hier stand er plötzlich von einem japanischen Hersteller, der bisher fast nur Zweitakter entwickelt hatte, und war rundum erneuert: mit Fünfgang-Getriebe, obenliegender Nockenwelle und kurzem Hub.

Im Grunde technisch nichts Neues, aber der bollernde Eintopf begründete eine völlig neue Zweirad-Philosophie und wirbelte den Muff im Motorrad-Establishment gehörig auf. Schluss mit dem Schaukeln auf Boxer-Dickschiffen, kein Heizen mehr auf nervös kreischenden Zweitakthobeln. Rein in die Kiesgrube, auf in die Freiheit! Wer es schaffte, den Mörderkolben der XT per Kick zur Arbeit zu bewegen, galt als harter Hund und war ultracool. Janis Joplin sang zur gleichen Zeit: "Freedom 's just another word for nothing left to loose". Rucksack und Zelt aufgeschnallt! Abseits der Autobahn und unter dem Pflaster lag der Strand. Mit XT und schwarzer Barbour-Jacke machte man neben den großen Hondas eine gute Figur und selbst in Frankfurter Sponti-Kreisen konnte man sich sehen lassen.

Die XT definierte innerhalb kürzester Zeit eine komplette neue Motorrad-Klasse. Sie war mit ihren vollgetankten 155 Kilo wendig und agil - ein echtes Stadt- und Kurvenschwein auch auf den groben Bridgestone-Stollenreifen, die bei Schräglage des Piloten gutmütig rubbelnd den kritischen Bereich ankündigten. Sicher nicht gebaut für den extremen Gelände-Einsatz, aber beweglich genug für unbefestigte Feldwege und die langen Schottergeraden auf dem Weg zum Nordkap. Die XT mauserte sich - kaum auf dem Markt - zur Fährtensucherin für alle kommenden R 80 G/S, Africa Twins und Varaderos dieser Erde. Die XT bewies, dass die lang gehegten Träume machbar waren - Legionen von Motorradfahrern begaben sich, ausgerüstet mit Zusatztanks und großen Alu-Koffern von Spezialhändlern wie Wunderlich oder Kedo, auf den Weg durch die algerische Wüste nach Tamanrasset und zum sagenumwobenen Timbuktu. Selbst in Djanet - definitv das Ende der Welt für den durchschnittlichen Zweiradfahrer - gab es Mitte der Achtziger einen schwunghaften Handel mit XT-Ersatzteilen.

Überhaupt, die XT und die Sahara, das war eine eigene symbiotische Geschichte. Schon während der ersten Rallye Paris - Dakar zur Jahreswende 78/79 bewies der 21jährige Franzose Cyril Neveu mit dem ungefährdeten Gesamtsieg auf einer erstaunlich seriennahen Maschine, wer die Königin der Wüste war.

Das Flair der Offroad-Queen und ihrer harten Kerle machte sich zügig auch die damals noch hemmungslos werbende Zigaretten-Industrie zu Nutze. Im Jahr 1985 etwa setze Reemtsma in Anzeigenkampagnen für die filterlose Marke "Reval" auf "Starke Typen auf der Suche nach dem Ausbruch aus dem Alltag": dreckverspritzte Models lehnten lässig an ihren XT - mit einer brennenden Reval im Mundwinkel. Die Werbeagentur, die Reval zu dieser Zeit betreute, hatte noch andere abstruse Ideen. So gab es etwa die Anfrage bei Greenpeace in Hamburg, ob man attraktive Aktivisten nach Blockade eines Verklappungsschiffes auf der Nordsee mit einer einer Reval ablichten könne - gegen ein angemessene, sechsstellige Spende selbstverständlich. Greenpeace lehnte dankend ab - obwohl einige der Umweltschützer XT fuhren.

Rund 25.000 XT500 wurden in 15 Jahren in Deutschland verkauft; das Ur-Modell wurde bis 1991 zwar im Detail regelmäßig weiter entwickelt, aber nie grundsätzlich modifiziert. Warum auch? Die XT war ein genialer Wurf; von den verkauften Maschinen sind heute noch 9.500 angemeldet;nach 30 Jahren eine erstaunliche Bilanz. Grund genug also für den Kult-Status. Auch ohne Kickstarter. Oder gerade deswegen.

© Jochen Vorfelder

Bild Reval-Werbung: © Museum der Arbeit/Werbemittelarchiv Reemtsma

23 August 2006

"Steilpässe": VII. Loiblpass - Fronarbeit vor der Vernichtung

Von aus Österreich führen viele Wege über die Karawanken nach Slowenien; einer der ältesten Nord-Süd-Verbindungen ist der Loibl-Pass über 1367 Meter zwischen Ferlach in Kärnten und dem slowenischen Trzic.

Die heutige Passstrasse mit zwei Dutzend Serpentinen auf österreichischer Seite folgt einer Trasse aus dem 15. Jahrhundert - von Ferlach aus windet sich der Asphalt durch einige kleinere Dörfer und ein enges Tal mit wenig Verkehr, denn der Transit wird heute durch den fast parallel verlaufenden Loibltunnel der Autobahn E 652 abgewickelt.

Seit die Strecke durch den Berg - die vor dem Zerfall Jugoslawien neben dem Wurzenpass eine der wichtigsten Verbindungen zum Autoput und den Süd-Osten Europas war - freigegeben wurde, ist die alte Passstraße verkehrtstechnisch obsolet - und dadurch die richtige Strecke für die Multistrada, die sich vor allem auf den kurzen Beschleunigungsstrecken zwischen den Kehren vor keinem Supersportler verstecken muß.

Wer der alten Trassenführung folgt, passiert kurz nach der Grenzstation zwischen Österrreich und Slowenien eine Gedenkstätte, die an die KZ-Insassen erinnert, die zwischen März 1943 und Mai 1945 während des Baus des 1570 Meter langen Tunnels dort im Außenlager Ljubelj-Süd des KZs Mauthausen interniert waren. (Auf österreichischer Seite gab es ein zweites Außenlager.)

Von den Anlagen auf der heute slowenischen Seite, in denen die bis zu 1600 Gefangenen aus ganz Europa als Arbeitssklaven gehalten wurden, sind heute nur noch einige wenige Grundmauern, Reste der Wäscherei und der Latrinen, die Umrisse einiger Baracken sowie einige Mauern des räumlich ausgegliederten Krematoriums erhalten.

Nachdem den Fronarbeitern unter unmenschlichen Bedingungen - im Winter fiel die Temperatur regelmäßig auf minus 20 Grad - der provisorische Durchstich durch den Berg im Dezember 1943 gelungen war, wurde die Zahl der Insassen reduziert: durch Rückverlagerung nach Mauthausen und durch Fälle von Euthanasie.

Die Überlebenden mußten das schmale Tunnel-Profil, das zunächst nur eine maximale Fahrzeuggröße von unter 2 x 3 Metern zuließ, im folgenden Jahr erweitern. Am 7. Mai 1945 schließlich befreiten sich die letzten 950 Gefangen selbst und stießen in dem Tal, das sich gen Süden nach Slowenien öffnet, zu jugoslawischen Partisanen.

Offen: Ganzjährig
Wertungspunkte : *** (3 von 6)

© Jochen Vorfelder

15 August 2006

Stunts: Double Backflip - Nix für die Straße

Der gemeine Zweiradpiloteur ist im Allgemeinen ja froh, wenn er sich im hektischen Stadtverkehr auf der Maschine halten kann. Der Amerikaner Travis Pastrana dagegen - der zugegebenermaßen sein Geld damit verdient - fällt gerne und oft auf die Schnauze. Jedenfalls im Übungsstadium.

Später allerdings versucht er, selbst selbstmörderische Sprünge wie den Double Backflip - die zweifache Rolle rückwärts - auf der Maschine zu (über)stehen. Manchmal gelingts sogar. Aber Achtung: Nix für die Straße, nix für zarte Nerven, selbst bei der grobpixeligen Auflösung zieht einem doch hart und kalt den Rücken runter...



Der Platzwart

14 August 2006

Tibet: Viertakt-Nomaden

Heute vor einer Woche hat die gute Süddeutsche in ihrer englischen Montagsbeilage einen interessanten Blick auf die Verkehrslage bei den Nomaden in der Weite der tibetanischen Steppe eröffnet.

Da wird detailliert und liebevoll beschrieben, wie der chinesische Viertakter dem Pony den Spitzenplatz oben auf der Wunschliste des Hirten streitig macht - so abseitige Geschichten liebe ich.

Nachteil wie üblich: Online ist das Stück von Jim Yardley nur für die Abonnenten der New York Times oder gegen Bares in Form von Micro Payment ohne Layout und Bildmaterial zugänglich.

Doch manchmal weiß die Linke nicht, was die Rechte tut: Die International Herald Tribune IHT hat den Text bereits am 25. Juli in voller Länge veröffentlicht...

Viel Spaß beim Lesen.

Und hier noch das Original-Bild dazu, welches inzwischen auf einem chinesischen Server liegt....

Der Platzwart

Mysterien: Warum gibt es noch Antriebsketten?

Die Motorradtechnik als solch ist nun wirklich kein Hexenwerk. Denn grundsätzlich hat sich seit der Erfindung des motorisierten Zweirads nichts daran geändert, dass der Motor über eine feste Verbindung das Hinterrad antreibt.

Ok, der Kardan macht sich neben der traditionellen Kette immer breiter; der Zahnriemen gewinnt ebenfalls Freunde. Die Frage ist allerdings: Warum gibt es überhaupt noch Ketten? Ketten, die ölen, mit Fett schmeissen, nach 1000 Kilometern schlabbern und nachgestellt werden müssen? Ketten, die entweder von unten auf die Schwinge schlagen, bei jeder Gasveränderung ruckeln und die Antriebswelle sinnlos belasten?

Keiner hat mir bisher eine vernünftige Antwort darauf gegeben; weder die Pressesprecher diverser Hersteller, noch die PR-Leute, noch gewiefte Werkstechniker bei Ducati.

Warum haben die einen Hersteller noch die Gliederketten, warum sind die anderen in der Evolution schon eine Stufe höher geklettert? Am Ost-West-Gefälle kann es nicht liegen - die guten alten Moto Guzzis etwa liegen schon lange mit dem eigenen Kardan im Rennen, während es bei den Japanern quer durch den Garten geht und bei Ducati und HD noch eifrig gekettelt wird. Bei den Amis ist es ohnehin unübersichtlich - HD hat noch Ketten, während die Tochter Buell schon länger mit dem genialen Zahnriemen mit Gegenrad arbeitet.

Übrigens hat sich das MTB-Team von Honda USA diesen überaus spannenden Antrieb einfallen lassen, der offensichtlich zwar noch eine Kette nutzt, aber ein Beispiel für die Innovationsfreude des japanischen Unternehmens ist.

Also: Warum muß ich an meiner Multistrada noch die Kette nachspannen, während moderne Moutainbikes bereits ohne das Verschleißteil auskommen?

Bitte um Antwort und einen Zahnriemen für meine Multistrada.

© Jochen Vorfelder

Bloggen II: Peter (geriatric1927) macht weiter

Am Freitag gab's hier den ersten Hinweis auf die erfrischenden Beiträge des 78jährigen englischen Rentners Peter bei YouTube. Er erzählt mit leiser Stimme - still vor der Kamera sitzend, die Augen meist geschlossen - Geschichten aus seinem Leben; aus seiner Kindheit im England der Dreissiger Jahre, vom Zweiten Weltkrieg, und den Jahren danach. Eine willkommene Abwechslung zu dem enervierenden Geblubbel, das die Blog-Szene durchzieht.

Inzwischen haben sich die Clips, die Peter unter dem Namen geriatric1927 hochlädt, mit 79.000 Sichtungen zu einem Renner bei YouTube entwickelt - und die Plattform wird zu einem Instrument mit Zweiweg-Charakter: Viele User posten Kommentare - inzwischen über 1400 - und uploaden Antwort- und Kommentarclips. Das bleibt natürlich auch den konventionellen Medien nicht verborgen - Peter macht inzwischen Schlagzeilen in Hongkong und Neuseeland.

Have a look.

Der Platzwart

11 August 2006

Bloggen: modischer Kram für die ganz jungen Hunde

Ja, Ja, ich hör schon die Kommentare - das ganze Geblogge und Video-Hochgelade ist doch eine kurzfristige, bei weitem überschätzte Modeerscheinung, eine kleine Schneelawine in der heissen Sonne, losgetreten von hippen Mediengestaltern und pathologisch Geltungssüchtigen. Technikkram halt von pickligen Anfangszwanzigern und so weiter und so fort.

Stimmt ja alles, aber auch wieder nicht. Beim Aufräumen der Mailbox nach dem Dolomiten-Österrreich-Slowenien-Trip mit der Multistrada (lief bis auf einen Unfall - nicht meinerseits - und mehrere Regentagen Spitze, aber dazu später mehr...) fiel mir doch der Link zu folgendem Video bei Youtube entgegen. Soviel zum Thema Jugendding im Allgemeinen und zum Thema Liebe zu Motorräder im Speziellen.



Peter hat versprochen mehr über sein Leben und englische Motorräder zu erzählen - ich halte euch auf dem Laufenden.

© Jochen Vorfelder

24 Juli 2006

Und Tschüs: auf Goethes Spuren durch die Alpen

Und Tschüs: moto1203 macht zwei Wochen Sendepause und vertreibt sich die Zeit auf der Multistrada in den Dolomiten und Slovenien...

Für alle, die daheim bleiben müssen, hier ein kleiner Eindruck von der letzten Tour durch die Alpen - noch auf der guten alten XT ...

Ich will beichten: Ich habe das, was man landläufig ein Verhältnis nennt. Nein, kein One-Night-Stand, kein schnelle Affäre, sondern ein richtiges Verhältnis. Ich bin glücklich verheiratet und liebe meine Frau. Doch wenn ich abends im Ehebett liege, träume ich heimlich von der anderen. Oft und seit langem schon.

Kennengelernt haben wir uns im Jahr 1976 und wir waren für einander geschaffen. Sie war atemberaubend schön, stark und wie ich eine Revoluzzerin: Als die Yamaha XT 500 damals auf den Markt kam, war sie das Motorrad, das alles anders machen wollte. Enduro hieß das neue Konzept, die revolutionäre Vision. Die XT war ein einfacher 500 ccm-Viertakter, im Grunde technisch nichts Neues, aber der bollernde Eintopf brach mit allem Muff im Motorrad-Establishment: Schluss mit dem Heizen auf nervös kreischenden Zweitakthobeln, rein ins Gelände, auf in die Freiheit! Wer es schaffte, den Mörderkolben der XT per Kickstarter zur Arbeit zu bewegen, galt als harter Hund und war ultracool. Freedom 's just another word for nothing left to loose. Rucksack und Zelt aufgeschnallt; abseits der Autobahn und unter dem Pflaster lag der Strand.

Damit hätten wir schon einmal die Frage beantwortet, warum ich auch 30 Jahre nach unserem ersten Tete-à-Tete immer wieder mit ihr, mit meiner steinalten XT, auf Pässen und Hochgebirgsstraßen zwischen Lörrach und Verona, zwischen Comer See und Dolomiten unterwegs bin: Technik veraltert und korrodiert, aber alte Liebe rostet nicht.

Warum allerdings gestandene Männer überhaupt Alpen-Touren per Motorrad unternehmen und bei Wind und Wetter eine geschlagene Woche für eine Strecke vertändeln, die man auf direktem Wege per Autobahn E35 und St. Gotthard-Tunnel bequem in acht Stunden abreiten könnte - das gilt es noch zu klären. Wer einst über die Alpen ritt - entweder auf dem Rücken von Elefanten oder auf dem Büßgang nach Canossa - hatte gewichtige Gründe. Heute irren jedes Jahr Rudel von Motorradtouristen anscheinend ziellos durch die Täler zwischen dem Allgäu und der Po-Ebene. Warum?

Soweit zunächst: "Ich warf mich ganz allein, nur einen Mantelsack und Dachsranzen aufpackend, in eine Postchaise", schrieb Goethe im September 1786 über seine Reise nach Italien: "Früh drei Uhr stahl ich mich aus Karlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte." Heute, 220 Jahre später, hätte der reiselustige Dichter statt der Chaise sicher eine Harley oder BMW bestiegen; sie sind die zeitgenössischen Vehikel für kleine Fluchten romantischer Art aus Alltag und Verbindlichkeit und daher mit der schnöden Bewegung von Punkt A nach Punkt B nicht zu erklären. Natürlich ist ein PKW bequemer. Natürlich hilft es ungemein, wenn bei einem Platzregen auf 2500 Metern Höhe das Schiebedach zufährt und die Autoheizung anspringt. Vier Räder sind ungemein praktisch; auf Zweirädern hingegen ist der Weg das Ziel und Lust, Spaß und Wahnsinn tummeln sich in Sichtweite.

Am dritten Tag unserer Tour sind wir längst durch die Schweiz und kurz vor Gletsch im Berner Oberland. Ich bin mit Gerd unterwegs, einem alten Vertrauten, mit dem ich schon Mofas und Mopeds frisiert habe. Wenn wir unterwegs sind, verstehen wir uns ohne Sprechanlage und Bluetooth. Modischer Schnickschnack. Er fährt eine betagte 1000er BMW; mit ihr und meiner XT dürfen wir das älteste Gespann in diesem Sommer sein. Ich bin ohnehin der einzige im Alpenraum, der keinen Elektrostarter an seiner Maschine hat, sondern noch ankickt.

Der Grimselpass mit dem Hotel Alpenrösli und leichtem Frühnebel liegen hinter uns. Die Fahrt im Sonnenschein runter ins Tal nach Gletsch wird zur Meditation pur: Die Eindrücke durchs Visier pulsieren zwischen Nahaufnahme - Achtung, Kurve! - und Panoramablick auf die umliegenden Gipfel. Während sich das Asphaltband den Berg hinab windet, meandern die Gedanken frei dahin und lösen sich in wohlfällige Leere auf. Das ewige Gedenke setzt endlich aus, doch die Konzentration wird scharf wie ein Messer. Ohren auf: Motor läuft rund, Getriebe schaltet ohne Klonk und Klack. Aus Fahrt wird Tanz; wir sind ein Paar. Wir schwingen von Kurve zu Kurve, die Serpentinenfolge wird zelebriert wie ein klassischer Tango. Der Rhythmus stimmt, die Geschwindigkeit passt, das Gewicht optimal verlagert, der Kopf locker, die Arme entspannt im richtigen Winkel, ein Spiel mit Fliehkraft und Zuneigung - ein formalisierter, aber zugleich höchst individueller Austausch von Signalen zwischen mir und ihr.

Da blitzt es kurz giftgrün im Rückspiegel. Und bevor ich erkenne, was da anrauscht, ist ein rollendes Heizkraftwerk vorbeigefegt. Ein massiver Vierzylinder, schätzungsweise 130 PS, stöhnt mit 9000 Umdrehungen pro Minute auf. Von hinten ist das mit extremen Breitreifen aufgemotzte Gerät nur noch Gewalt; nur noch Abrieb, Auspuff und Arsch in einem Kawasaki-Overall. Jetzt endlich geht er in die Eisen. Das Recklinghausener Kennzeichen schlingert wild auf die Spitzkehre vorab zu, denn der Hinterbau der Karre hat beim vollen Biss der zwei vorderen Bremsscheiben kaum noch Kontakt zum Asphalt. Da will es einer wirklich wissen; hoffentlich überlebt der Mann den Urlaub und pilotiert den Rest des Jahres einen Betonmischer.

Sind es allesamt jugendliche Selbstmord-Kandidaten, die außer uns hier unterwegs sind? Keineswegs. Als wir in der fünften Nacht in St. Vigil Quartier machen, fällt mir die Lokalzeitung in die Hände. Die Südtirol Aktuell-Seiten machen mit "Gampenpass-Strasse / Mit voller Wucht in die Leitplanken: Tot" und "Vinschau: zwei verunglückte Lenker schwer verletzt" auf. Keine sehr ermutigende Bilanz für ein Wochenende. Doch bei der enormen Masse der Motorradtouristen - 2005 etwa fuhren 87.000 Motorradfahrer hoch zur Bielerhöhe an der Silvretta-Hochalpen-Strasse; am Timmelsjoch wurden im gleichen Jahr 79.158 Durchfahrten registriert - sind das Ausnahmen. Die Zweirad-Szene wird schnell älter; der deutsche Biker ist laut einer ADAC-Studie im Durchschnitt schon Mitte Vierzig, sich des Unfallrisikos durchaus bewusst, und entsprechend defensiv unterwegs.

Tage später auf dem Timmelsjoch, einem der Wallfahrtsorte für Alpentourer, hängen wir auf einem kleinen Bänkchen ab, das optimalen Blick auf die letzten Kurven vor dem Biker-Parkplatz bietet. Kamikaze-Fahrer sind auch hier völlig out, gemächliches Schaulaufen ist angesagt. Fette Harley-Davidsons, die aussehen wie nach einem Sturz ins Chrombad, werden von Kapitänen der Landstraße in Bomberjacken hart am Wind gesegelt. Ihre Beifahrerinnen sind durchweg jünger. Die Piloten der schnellen japanischen Konfektionsware - den Begriff Reiskocher hören sie gar nicht gerne - gleichen aus der Distanz wie ein Ei dem andern: verspiegelte Visiere und Leder-Overalls, passend zur Marke in Farbe und Aufschrift. Auch ihre Maschinen sind irgendwie austauschbar.

Die graumelierten Herrenfahrer auf den fetten BMW-Reiseenduros mit GPS und riesigen Tourenkoffern dagegen stehen als eigener Tribe etwas abseits in ihrer Wagenburg und lauschen misstrauisch rüber zur vollverkleideten Italo-Fraktion, wo die Ducatis im Leerlauf schrabbeln wie ein geprügelter Sack Schrauben. Wenn ich nicht wüsste, dass das Klagelied der offenen Kupplung zum Ducati-Mythos gehört, käme fast Mitleid auf - nein, nicht mit den Fahrern, sondern mit ihren Fahrzeugen. Ich leide eigentlich jedesmal mit, wenn ich störende mechanische Signale einer Maschine empfange.

Am Stilfserjoch etwa, mit 2758 Metern Passhöhe dem höchsten Punkt unserer diesjährigen Tour, sind die Gebrechen der XT nicht zu überhören. Die Zicke blökt aus dem Auspuff und bockt wie ein unwilliger Maulesel. Wie peinlich: Wir werden selbst von PKWs überholt und nach hinten durchgereicht. Das will sich selbst Gerd nicht antun. Er gibt Zeichen und verschwindet rasant hinter der nächsten Biegung: Er wartet lieber oben.

Wir hingegen kämpfen auf den 48 Spitzkehren mit der Steigung, mit Fehlzündungen und der schwindenden Power. Der Motor wird mit zunehmender Höhe schwach, schwächer und kurzatmig wie eine alte Dame. Jetzt fängt es auch noch an zu nieseln; die ersten Tropfen fallen. Binnen kurzer Zeit legen sich Schlieren aufs Visier; die gefühlte Temperatur fällt in den Keller. Zweifel kommen auf. Mussten die 2758 Meter dieses Jahr wirklich sein, hätte es die alternative Route über den Ofenpass mit gerade mal 2149 Meter nicht auch getan? Geht da was in die Grütze, weil ich so hoch hinaus wollte? Abbrechen, zurückfahren? Egal, jetzt müssen wir durch; das Wasser zieht ohnehin schon kalt in den Kragen. Doch jeder Dreh am Gasgriff verschlimmert die Lage, man will es der Maschine gar nicht antun: Der Vergaser produziert zwar weiterhin brav die gleiche Menge explosives Gemisch, doch in der angesaugten Luft ist zunehmend weniger Sauerstoff. Wenn diese magere Mischung über zweieinhalbtausend Meter verfeuert wird, liefert der Motor von 33 PS auf Meereshöhe schätzungsweise noch die traurige Hälfte ab und verrußt die Zündkerze innerhalb kurzer Zeit.

Doch auch diesen Pass schaffen wir; wir sind ein gutes Team. Trotz Wolken und Kälte. Im zweiten Gang quält sich die XT hoch aufs Stilferjoch, wo Gerd wartet. Er weiß, dass er jetzt besser nichts sagt. Gar nichts. Wir fahren sofort weiter, runter ins Tal, vor St. Moritz schießen Sturzbäche über die Straße, durch Maloja, es reißt wieder auf und die Sonne bricht durch, und schon ist der Comer See in Sicht. Kaiserwetter - und so bleibt es. Die letzten Tage rüber zum Gardasee und Verona kommt die Sonnenbrille in Einsatz; kein Wölkchen trübt das Blau.

Stilfserjoch, war da was? Ach nee, längst vergessen. Auf der Rückfahrt im Reisezug blättere ich noch einmal in Goethes Italienischen Reise: "Hierher gekommen, gleichsam gezwungen, endlich an einen Ruhepunkt, an einen stillen Ort, wie ich ihn mir nur hätte wünschen können. Es war ein Tag, den man jahrelang in der Erinnerung geniessen kann." Grund genug also, im nächsten Jahr wieder loszufahren.

© Jochen Vorfelder

12 Juli 2006

"Steilpässe": VI. Goletto delle Crocette - Geheimnisse der Hochebene

Die Strecke zwischen Breno im Val Camonica und dem Garda-See führt zwischen Campoloro und Giogo del Maniva über Pässe mit enormen Weitblicken.

Die Ausblicke sind die nötige Entschädigung. Denn die Straße ist gelinde gesagt wenig motorradgerecht und schreit nach einer großen Reiseenduro mit grobem Gestoll: Zwischen dem Passo di Croce Domini und Goletto delle Crocette (2070 Meter) folgt ein Schlagloch dem anderen; auf langen Strecken gibt es nur Schotter.

Durch eine Straße erschlossen ist die kahle Hochebene nur wegen einer Lausch-Station der NATO, die beim Goletto delle Crocette auf einem Hügel thront. Während des Kalten Krieges wurde von hier aus rund ums Jahr versucht, den Funkverkehr der Warschauer-Pakt-Flotte im Mittelmeer abzuhören. Inzwischen funktioniert das vollkommen digital mit direktem Zugriff auf Satelliten-Relais und vom Schreibtisch in Brüssel aus.

Die Anlage ist komplett aufgegeben und liegt mit den verbogenen Alu-Spiegeln und demolierten Innereien wie ein havariertes UFO in der Landschaft.

Keiner hat sich die Mühe gemacht, den Betonklotz mit dem Tunnelsystem rückzubauen, oder wenigstens nach dem Auszug mal durchzufeudeln.

Die Zufahrt ist optisch nicht zu verfehlen; am Tor haben Unbekannte Löcher in den Zaun geschnitten und die Ruine damit dem langjährigen Wirken versprengter Autonomer, marodisierender Vandalisten und Friedensfreunden mit Farbeimern übereignet. Unbedingt anschauen und sich wundern.

Offen: Ganzjährig
Wertungspunkte : **** (4 von 6)

© Jochen Vorfelder

11 Juli 2006

Goal Feva 2006: Sie machten die Fans glücklich

Von stillgelegten Reisebussen und deutschen Schäferhunden: Die kuriosesten Anfragen an die Berliner Fan-Botschaft.

In den vier WM-Wochen befand sich die offizielle Fan-Botschaft in Berlin-Charlottenburg in einem schmucklosen Gewerbekomplex an der Budapester Straße gegenüber der Gedächtniskirche. Hier versuchten die freiwilligen Helfer täglich von elf bis 24 Uhr in- und ausländischen Fans in allen Fragen rund um die WM und Berlin zu helfen. Ralf Busch (44), der oberste Fan-Betreuer Berlin, sitzt an einem Schreibtisch in einer Ecke des siebziger Jahre Großraumbüros und beantwortet eMails. Die Anstrengungen der letzten Wochen sind ihm ins Gesicht geschrieben, er sieht müde aus....

Mehr dazu von Sportfreund Lohmann hier.

Dazu noch sportliche Grüße und Dank für die wunderbaren Depeschen in dieser so glücklichen WM-Zeit. Begeben wir uns nun wieder in den Zustand des bangen Hoffens und Wartens auf das nächste Großereignis - die EM 2008 rückt näher.

Der Platzwart

07 Juli 2006

Goal Feva 2006: Laufen im Hinterland des Jubels

Die Berliner Trimm-Dich-Freunde haben für ihre Lauf-Liebe das Grün des Tiergartens. Doch derzeit fegt dort der WM-Fanmeilen-Wüstensturm - könnte man denken, wenn man die Bilder der Hunderttausenden Jubelnden sieht.

Doch Sportfreund Lohmann läßt sich davon nicht abschrecken und hat sich leicht geschürzt auf die Socken gemacht.

Der Rapport vom Lauftag findet sich hier.

Der Platzwart

06 Juli 2006

Goal Feva 2006: Fefczak und andere Masochisten

Die WM hat nicht nur patriotische Unterströmungen in Deutschland im (inzwischen) Meer der Tränen zwischen Flensburg und Basel an die Oberfläche gespült.

Wer konnte, hat auch seinen dunkeln masochistischen Gelüsten freien Lauf gelassen: public viewing, gemeinsames Aburteilen der Gegner ("Die Italiener sind doch alle Betrüger!") und die mit zunehmender Turnierdauer spiralisierende Fanleidenschaft bis zur Autosuggestion ("Wir fahren nach Berlin!") hatten ein Klima geschaffen, das nur in der Selbstgeißelung enden konnte:

Ich bin selbst schuld am Katzenjammer, ich bin ein Fan.

Ein besonders eklatanter Fall von Selbstbestrafung lebt uns Freund Fefczak aus Berlin vor: Im richtigen Leben ein bekennender Freund des runden Leders, jahrelang sogar mit einer Saisonkarte vom FC St. Pauli ausgestattet, hat er sich zur Kasteiung - ist als Kunstprojekt deklariert - für die Zeit der WM auf eine Insel zurückgezogen, um den Stadien und selbst der Übertragung zu entsagen.

Doch so ganz kommt er nicht ohne Fußball aus: Wenn man keinen hat oder sehen darf, hilf das Reden über und das Formulieren wohl bahnbrechender, aber zugleich schwer verständlicher Weisheiten wie:

Klaus Theweleit steht anderen Männern in nichts nach, wenn es um Fußball geht: in seinem Buch „Tor zur Welt“ wird er sentimental und lässt seine „denkenden Knie“ „Aufgaben des Gehirns“ übernehmen.

Und wenn etwas scheinbar Unerklärliches geschieht, phantasiert er den „Fußballgott“ herbei. Ähnlich esoterisch kommt er drauf, wenn vom „energetischen Fluss des Balles“ die Rede ist und Gerd Müller als „seiner Zeit im Erspüren von Energielinien und Kraftfeldern weit voraus“ beschrieben wird. Auch Zidane sei so eine Spürnase, “der diese Kraftfelder so verschiebt und nutzt, dass sie für das eigene Team zu Vorteilen ausschlagen.”

Lesen Sie auch sein Stammtischstammeln zu Nationalgefühl, Frauen und Fußball, zum Schiri als Sündenbock, zur „holländische Psyche“ oder zum homofreundlichen Fußball. Und Ihre Ferndiagnose wird Züge von Demenz bei ihm nicht leugnen können. Uiuiui, ich geh jetzt tauchen.

Oder auf den Lattenfriedhof. Haben Sie sich schon mal gefragt, was mit all den alten, verdienten Latten passiert? Hier die Antwort:




Mehr von Fefczak - z.B. düstere Lieder, die er gegen die Einsamkeit singt - gibt es hier.

Der Platzwart

05 Juli 2006

"Steilpässe": V. Passo di Giau - Abenteuerspielplatz Dolomiten

Die 35 Kilometer von Cortina d'Ampezzo bis Caprile gehören zu den schönsten Strecken in der Alpen.

Drei Dutzend Kehren führen von Ost nach West über insgesamt 780 Höhenmeter hoch zum Giaupass (2233 Meter), bevor die Strecke in Richtung Süden nach Selva hin abfällt.

Bei schönem Wetter - im Regen muß die Strecke eine Plage sein - ist der Moment, wenn die Baumgrenze den Blick auf das d'Ampezzo-Tal, den Monte Cristallo mit seinen 3216 Meter und die Sella-Gruppe freigibt, atemberaubend.

Der Parkplatz an der Passhöhe ist ein Wallfahrtsort sowohl für entspannte Tourenfahrer als auch für gaskranke Supersportler-Piloten.

Definitiv ein Ort für Benzingespräche. Wer es etwas meditativer haben will, steigt die hundert Meter bis zur kleinen Kapelle hoch und läßt Ruhe und Aussicht auf sich wirken.



Offen: Mai bis Oktober
Wertungspunkte : ***** (5 von 6)

© Jochen Vorfelder

04 Juli 2006

Goal Feva 1970: Das (vorherige?) Jahrhundertspiel

Für alle zur Erinnerung und aus gegebenem Anlass: Das Jahrhundertspiel. Selbst im Englischen ein stehender Begriff, der mit dem Fußballspiel Italien gegen Deutschland aus dem Jahr 1970 in Verbindung gebracht wird.

Wer heute Abend mit Fachwissen glänzen will, hier die wichtigsten Fakten:
1:0 Boninsegna (7.), 1:1 Schnellinger (90.), 1:2 Müller (95.), 2:2 Burgnich (99.), 3:2 Riva (104.), 3:3 Müller (109.), 4:3 Rivera (111.)

Alle Details des 1970er Dramas siehe hier.

Sportfreund Lohmann