26. April 1986, 1: 23 : 44 Uhr: Block IV des Kernkraftwerks von Tschernobyl explodiert. Die über Hunderfache Menge an Radioaktivität als bei den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki wird freigesetzt - und auch zwanzig Jahre nach der Katastrophe gibt es noch keine Entwarnung.
Der so genannt Sarkophag - ein im November 1986 über dem havarierten Reaktorkern fertiggestellter Betonmantel - ist akut einsturzgefährdet. Darin vermuten Fachleute 5 bis 40 Tonnen strahlenden Feinstaub. Durch seine Risse entweicht täglich Radioaktivität; doch wer den neuen Überbau zahlen und bauen soll, ist ungeklärt.
Gestritten wird auch über die Zahl der Todesopfer. 50 an den Aufräumarbeiten in Tschernobyl beteiligte Arbeiter seien bis heute gestorben, sagt ein UNO-Bericht, der von 4000 weiteren Personen ausgeht, die an den Folgen des GAUs noch sterben werden. Greenpeace sieht das anders und spricht in einem ausführlichen Report von 270 000 zusätzlichen Krebserkrankungen in Weissrussland, der Ukraine und Russland, von denen «voraussichtlich 93 000 tödlich enden werden».
Morgen jährt sich das Desaster; Anlaß genug, noch einmal in den Netzarchiven zu kramen. Hier die Geschichte von Elena Filatova, die ihre Motorradausflüge auf einer alten Kawasaki Ninja ZX-11 wie viel andere in Bild und Text im Netz dokumentiert. Das Besondere: Filatowa wohnt in der Ukraine und eines ihrer Reviere für ausführliche Touren ist die gottverlassene Todeszone um den havarierten Reaktor.
Die Bilder und Notizen von Filatowas Motorradtrips nach Chernobyl sind so ziemlich das Bedrückenste, was ich in der letzten Zeit ergooglet habe.
Nun gibt es ausführliche Debatten darüber, ob ihre Trips ein Hoax waren oder echt, weil Filatowa offensichtlich nicht allein unterwegs war. Mich interessiert das weniger. Fakt ist: Sie war in einem toten Land.
© Jochen Vorfelder
Gut, dass wenigstens bei dir noch Fotos aus der Todeszone zu sehen sind, denn die Website ist offline. Kommentar von Elena Filatova: I had to close my entire Chernobyl website to bring attention on my latest project. http://www.elenafilatova.com/
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