Wir waren nach Afrika gekommen, um die "Big Five" auf einen Schlag zu sehen: Löwe, Elefant, Leopard, Nashorn und Wasserbüffel. Die besten Chancen, so hatten uns die Sachverständigen und diejenigen, die sich dafür hielten, gesagt, hätten wir im Etosha-Park (Google Earth - 18 48 S, 16 22 E): endlose Steppe, knochentrocken, und eine überschaubare Zahl an Wasserstellen, an denen sich die Biester zur fotografischen Erfassung tummelten.
Es sollte anders kommen. Es regnete - nicht nur einmal oder zweimal, nein, ununterbrochen. Als wir im Februar in Windhoek einflogen, wandten sich die Meteorologen in Erklärungsnöten: Warum waren 2006 in gerade zwei Monaten 260 Liter pro Quadratmeter gefallen, wo doch im Schnitt 40 zu erwarten gewesen waren?
Wir fuhren nach Norden, rein in den Etosha-Park, und als wir unter stahlgrauem Himmel langsam die schlammigen Schottersträßlein entlang schlichen, dämmerte es uns: Wir waren im falschen Film. Das hier war eine grüne, undurchsichtige Hölle; flächendeckend so zugewachsen, dass man den Klassiker "Im Herz der Finsternis" durchaus hier hätte drehen können. Nix mit offener Steppe, nix mit rotem Staub.
Nirgendwo in der endlosen Fläche hatte man seit den Tagen 1851, als mit Francis Galton und Johan Andersson die ersten beiden Weißen ihren Fuß in die Gegend gesetzt hatten, so grünes Grün gesehen. Wahrscheinlich war die eigentliche Salzpfanne seit ihrem Verdorren vor mehr oder weniger hunderttausend Jahren nie mehr so ausufernd überschwemmt gewesen. Können Leoparden eigentlich schwimmen?
Nach zwei Tagen, an denen wir zickzack durch den Park cruisten und immer noch kein Nashorn oder Wasserbüffel geortet hatten, steckten wir deprimiert zurück. Ok, nomadisierende Antilopen zu Hunderten haben wie patschnasse Giraffen auch ihren Reiz.
Aber zumindest einen Elefanten, zum Sonnenuntergang. Wir fuhren zum Kalkheuwel - eine sichere Bank, einer Tränke mit quasi "Elefantengarantie" - und parkten unter einem Kameldornbaum mit Blick auf die Wasserstelle. Das Loch war ein kleiner See und im wogenden Gras kaum zu sehen. Es gab viele Vögel.
Wir fuhren weiter. Wir fuhren sogar viel weiter. Bis in den Süden Namibias, wo die Wüste so trocken ist, daß sich von den beknackten "Big Five" keiner hinverirrt. Hier hat es uns gefallen, auch ohne große Tiere. Die schauen wir uns demnächst bei Hagenbeck an.
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© Jochen Vorfelder
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