15 September 2009

MZ: Wimmer und Waldmann stellen Bürgschaftsantrag beim Land Sachsen

Es geht voran bei den Motorenwerken Zschopau - zumindest schrittweise: Martin Wimmer, seit Anbeginn des Jahres zusammen mit seiner Frau Dr. Martina Häger und Ex-Rennfahrer-Kollege Ralf Waldmann Eigner der ehemaligen sächsischen Motorrad-Schmiede, hat beim Finanzministerium Sachsen einen Antrag auf Landesbürgschaft in nicht genannter Höhe gestellt. Eine Summe zwischen 3,5 und 5 Mio. Euro ist wahrscheinlich.

Wie das Finanzministerium bestätigte, sind dort inzwischen die Unterlagen eingegangen, um eine formelle Prüfung einer Landesbürgschaft über 90 % der Kreditsumme der MZ-Hausbank einzuleiten, mit der Wimmer die Produktion von neuen Produkten wie den Elektro-Roller Emmely am Standort Zschopau sicher stellen will.

Die wohlwollende Prüfung einer möglichen Bürgschaft durch das Land hatte am 19. September der amtierende sächsische Finanzminister Prof. Georg Unland bei einem Ortstermin in Zschopau zugesagt, gleichzeitig aber betont, dass es sich dabei um "eine Sachentscheidung entlang den Regularien, keinesfalls um eine politische Entscheidung" handle.

Nach Angaben des Finanzministeriums sind die Unterlagen zur Prüfung - mit ungewissem Ausgang - inzwischen an die Consulting-Firma PriceWaterhouseCooper weiter gereicht worden, die die Prüfung des Antrags übernimmt. Um einen Antrag über Landesbürgschaft in Höhe von mehreren Millionen Euro entscheiden zu können, ist in der Regel ein mehrwöchiges Verfahren inklusive Besuchen vor Ort, Buchprüfung und Einsicht in den Business-Plan des Unternehmens erforderlich.

Damit zeichnet sich ab, dass mit einer Entscheidung über die Landesbürgschaft - und die davon abhängige Kreditvergabe durch die Hausbank - nicht vor Ende Oktober zu rechnen ist. MZs Schicksal hängt damit weiter am seidenen Faden.

Um Not leidende Unternehmen zu stützen, hat Sachsen in den den ersten fünf Monaten dieses Jahres 196 Bürgschaftsanträge bewilligt und Kredite in Höhe von rund 71 Millionen Euro ermöglicht.

Ergänzend zu diesem Bürgschaftssystem hat Sachsen Anfang 2009 ein Mittelstands-Stabilisierungsprogramm aufgelegt. Bis Ende Mai wurden damit Kredite von rund 9 Millionen Euro ermöglicht, um Firmen zu stützen, die durch die Finanz- und Absatzkrise in Schräglage geraten waren. Insgesamt wurden durch Landesbürgschaften in diesem Jahr rund 6.300 Arbeits- und Ausbildungsplätze in Sachsen gesichert oder neu geschaffen.

Ob MZ in dieses Muster passt, wird von Branchenkennern allerdings bezweifelt. Der aktuelle Plan der MZ-Eigner sieht vor, mittelfristig 50 bis 60 Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen - eine marginale Summe zu Zeiten, in denen die Lex Opel zunehmend kritischer beäugt wird, und auch bei MZ vermehrt quälende Fragen gestellt werden:
- War es in Wahrheit nicht so, dass MZ schon lange vor der Finanzkrise ohne Zukunft dahin dümpelte?
- Ist ein marginaler Motorradhersteller mit 50 Mann und der Endfertigung von chinesischen Komponenten so systemimmanent wie eine Landesbank?

Wir harren der Prüfung und Entscheidung.

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