26 September 2005

Lido: genug der Kunst, auf nach Italien

Nach zwei Tagen Biennale tritt bei mir doch eine gewisse Kunst-Müdigkeit zu Tage - und oft ist ja ohnehin diejenige Kunst die beste, die man nicht sieht oder die gar nicht statt findet: Aktuelles Beispiel ist Gregor Schneiders Projekt "Cube, Venice 2005". Der Deutsche, der noch 2001 mit einem gewagten Gesamtumbau des deutschen Pavillons einen Goldenen Löwen gewonnen hatte, plante mit Kuratorin Rosa Martinez einen Riesenquader auf dem Markusplatz - ein schwarz verhangenes 15 Meter hohes und breites Metallgerüst.

Also den symbolischen Nachbau der Kaaba in Mekka - darf man so provozieren? Den Moslems in Zeiten der Unruhe ihr Allerheiligstes entreißen und den amerikanischen Touristen zum Fraß vorwerfen? Wer hielte es für eine Kunstaktion, wenn in Islamabad oder Bagdad tote Schweine ans Kreuz genagelt würden? Die Stadtverwaltung von Venedig ging der öffentlichen Diskussion aus dem Wege; das Projekt wurde wegen formaler bautechnischer Gründe gestoppt.

Doch wie gesagt: Kunst macht müde, und für den müden Geist hat Venedig seinen Lido. Rasch mit der Fähre rüber, die Hauptstraße mit den Eiscafes liegt einladend unter den Koniferen, und schon ist man eingetaucht in eine Welt aus Müsiggang und Jugendstil, in ein Ambiente aus verblasster Eleganz und Dolce Vita am Strand.

Überhaupt der Strand - nirgendwo an der Adria schlägt die Dekadenz solche Kapriolen wie im alterwürdigen Strand-Hotel Des Bains, wo sich der Preis für die Umkleidepavillons mit gestärktem Laken auf der Liege mal locker bei 125 Euro pro Tag eingepegelt hat. Das muß heute nicht sein; hundert Meter weiter ist der öffentliche Strand, da kosten zwei Liegen mit Sonnenschirm 12 Euro, und der Sonnenbrand ist der gleiche.

Zudem hält die öffentliche Badeanstalt von Lido mit dem verblichenen Waschbeton, den schmiedeeisernen Gittern und den gewagt geschwungenen Wandelgängen, deren Stufen im sandigen Nichts enden, die Tradition der 60er Jahre hoch. Ach, was waren das für Zeiten, als Gina Lollobrigida im Damensitz auf dem Roller von Rock Hudson verbeibrauste.

Aber auch heute noch strahlt diese Stätte trotz der schreienden Bambini eine unglaublich stilvolle Langsamkeit aus, die einen augenblicklich entweder in einen erholsamen Urlaubs-Schlaf (Vorsicht, Sonnenbrand!) fallen läßt oder dem kunstfertigen Touristen ein wunderbar doofes Honigkuchenpferdgrinsen ins Gesicht treibt.

Am Lido darf man sein, wie man ist und wie man will. Keine hohe Kunst mehr, hier gibts Pommes an der Bude und Gelati satt, hier ist das kleine Venedig wieder das große Italien. Das ganz große. Wir kommen wieder.

© Jochen Vorfelder

22 September 2005

Biennale - Leistungsschau des operativen Kunstschaffens

Da können sich die Venezianer noch so bitterlich über den Feldherren und Fahrensmann Napoleon Bonaparte beklagen, dass er sie 1797 niederkartäschen ließ und sie in ihren hochfahrenden Stolz verletzt hat, doch eins wird dem Franzosen immer zu Gute gehalten: Ohne ihn und sein Edikt, den Holzeinschlag in den vom ihm verfügten Gartenanlagen einzustellen, gäbe es in der gesamten Lagunen-Stadt keine ausgedehnte Grünfläche mehr.

So müßte man heute auf die Spaziergänge in den "Giardini", den wunderbaren Gärten, verzichten, in denen seit 1903 die Kunst-Biennale stattfindet. Deren Konzept hat sich grundsätzlich seit der ersten Ausstellungssaison nicht verändert: Man hat alte und neue Gartenpavillions und Konzertsäle in Begegnungstätten der Avangarde verwandelt und stellt mehr oder weniger erfolgreich - und vom einen oder anderen Eklat begleitet - zeitgenössige Kunst in den Länderpavillions und Übersichtsschauen aus.

Dieses Jahr ging's ohne den wirklich großen Skandal ab; zu dem kleinen kommen wir gleich. Dafür gab's zu ersten Mal zwei weibliche Kuratorinnen: Maria de Corral und Rosa Martinez zeichnen für "Experience of Art" (Corral, in den Giardini, eine Retrospektive der jüngeren Moderne) und für "Always a little futher" (Martinez, Video-Schwerpunkte, eher Avangarde) in den nahegelegenen Räumen des historischen Arsenals verantwortlich. Zusätzlich gab es 73 Länderbeiträge in eigenen Pavillions oder in Ausstellungsstätten über die Stadt verstreut.

Obwohl die diesjährige Biennale noch bis 6. November zu sehen ist, sind die Preisträger schon gekürt: Der Düsseldorfer Bildhauer und Grafiker Thomas Schütte wurde schon zum Auftakt im Juni mit dem Preis für den besten Künstler ausgezeichnet. Seine großen architektonischen Skulpturen und Frauernkörper stehen im Garten vor dem italienischen Pavillion: "Expressiv, kubistisch, klassisch, archaisch: All diese Definitionen der Kunstgeschichte öffnen und vermischen sich unter einem formalen Gesichtspunkt", salbadert der offizielle Ausstellungs-katalog.

Schüttes Erfolg ging nun allerdings etwas unter in der partiellen Errregung über die Auszeichnung für den besten Nachwuchskünstler unter 35 Jahre: Regina José Galindo aus Guatemala erhielt diesen Preis für ihre überaus kontroversen und provokanten Video-Performances, in der neben einer öffentlichen Gesamtkörperrasur auch gezeigt wird, wie sich die Künstlerin ihr Jungfernhäutchen operativ wiederherstellen lässt. «Sie benutzt ihre individuellen Emotionen als artistische Quelle», heißt es über ihr Werk. Aha.

Mein persönlichen Gewinner der beiden Tage - die man definitv braucht, um sich gemächlich durch Gärten und Arsenal zu sehen - waren andere.

Kommen wir zunächst zum Sonderpreis für architektonischen Größenwahn: Wer sich bis zum österreichischen Beitrag durchgearbeitet hatte, wurde nicht wie in den früheren Jahren von einem filigranen, offenen Hoffmann-Bau mit seinen lichten Glasflächen empfangen.

Nein, an der gleichen Stelle erhebt sich nun massiven Bau aus Holz, Spanplatte und Dachpappe: Der Wiener Hans Schabus hat mit dem künstlichen Fels, der erst nach einem klaustrophobischen Aufstieg den erlösenden Blick durch eine minimalistische Dachluke zuläßt, "eine physische und psychische Neudimensionierung des Raumes" und eine "kritische Analyse des Ortes" geschaffen. Klaro, aber für mich war's eher das Abbild einer offen gelegten österreichischen Volksseele - eine düstere, bedrohlich dräuende Alpenfestung.

Und nun zum Hauptpreis: Applaus, Signore e Signori, für das unschlagbare englische Duo Gilbert & George, die aus den Untiefen ihrer offensichtlich unerschöpflichen Schaffenskraft die "Ginko Pictures" gezaubert haben. Selten so was Buntes und Schrilles gesehen. Geil.

Schade für all die, die es diesmal nicht nach Venedig geschafft haben. Aber noch ist ja noch Zeit - bis 6. November sind die Pavillons und das Arsenal noch offen; Hlx fliegt ab 99 Euro hin und zurück.

© Jochen Vorfelder

19 September 2005

Venedig - runter vom Trampelpfad

Venedig ist klein. Sehr klein sogar. Wenn man drei Tage - so wie wir - im Labyrinth der Gassen unterwegs war, trifft man fast jeden wieder.

Hey, war das nicht der Gondoliere, der uns gestern abgezockt hat? Und das nicht der dritte Laden, der Stanley Kubrick und Tom Cruise "exklusiv" mit Ledermasken für "Eyes Wide Shut" beliefert hat? Wow, das sind doch schon wieder die amerikanischen Kreuzfahrer von Bord der "Carneval Liberty", die eben über die Piazza San Marco hergefallen sind!

Die wichtigste Regel, um den Wahnsinn hinter sich zu lassen und Venedig zu geniessen, lautet also: runter von den Trampelpfaden, die in diesen steinigen Irrgarten geschlagen wurden.

Beispiel Rialto-Brücke. Wer sich von den Massen vom Markusplatz nach San Polo hat schieben lassen, sollte tunlichst direkt nach der Brücke nach rechts in die Erbaria abbiegen - die Gegend um den Gemüsemarkt. Ein Stadtviertel, in dem die Venezianer noch unter sich sind.

Mit Blick auf den Canale Grande - grandios vor allem die Farbspiele auf den alten Wasserpalästen beim Sonnenuntergang - und einem Gläschen Wein in der Hand stellt man fest: So hab ich mir's vorgestellt. Daß der Radio im Hintergrund dudelt, und die Stehbars wie die "Bancogiro" und das "Naranzeria" kleine Häppchen auf die Hand servieren. Für den größeren Hunger gibt es auch Tische schön im Schatten.

Endlich angekommen.

© Jochen Vorfelder

13 September 2005

1996: "Free Billy, das Urzeitkrebschen!"

Greenpeace Deutschland feiert diesen Monat seinen 25. Geburtstag.

Aus diesem Anlaß mal wieder in den Archiven gekramt und einen alten Artikel gefunden, den ich heute vor neun Jahren zum 25. Jahrestag von Greenpeace International online gestellt habe.

Free Billy, das Urzeitkrebschen!

Greenpeace hat Geburtstag - die Zeit der Feiern und Gratulanten, die Stunde der Analysen und Orakel, die Gelegenheit für Dissidenten und Kritikaster ist gekommen. Von VIVA bis Hessischer Rundfunk, von ZEIT bis Schwarzwälder Bote - es wird ein Greenpeace-Abend, eine Jubiläumswoche werden: mehr oder weniger bunt, da fairer, dort schlauer.

Hat diese Organisation eine Zukunft, welche Fehler wurden gemacht, welche Kampagnen sind wie erfolgreich? Was ist eigentlich Erfolg? Alle diese Fragen werden durchdekliniert und alleinseligmachende Antworten fein gedrechselt.

Inzwischen geht hinter den Kulissen, unbeachtet von den Medien und ohne spektakuläre Konfrontation, in über 30 Büros weltweit die normale Arbeit weiter. Denn: In der Regel macht sich Greenpeace die Hosen nicht im Schlauchboot naß, sondern kümmert sich um die alltäglichen Dinge des Lebens. Und muß auch da manchmal vor der Tücke des Sujets kapitulieren.

Diese Woche, in der Telefonzentrale des deutschen Büros: Eine besorgte Mutter ist am Apparat. Ihr Sohn, neun Jahre, hat Ausgabe Nr. 36 von "Micky Maus" mit nach Hause gebracht und damit eine mittlere Katastrophe heraufbeschworen. Dem Heftchen war ein Beutel mit "Urzeit-Krebschen in Perlenform" beigepackt, die nun nach der Aussetzung in einem Marmeladenglas nicht nur im Wasser wimmeln, sondern sich explosionsartig vermehren.

Das wirft ebenso explosionsartig bange Eltern-Fragen auf: Wo soll das hinführen? Kann man geborenes Leben bei steigendem kindlichem Desinteresse einfach in die Toilette spülen? Was geschieht dort mit den Tierchen?

Die Micky Maus-Auflage liegt bei über einer Million Exemplaren. Steht uns bei über einer Million Toilettenspülungen zwecks Entsorgung von Milliarden Urzeitkrebschen eine ökologische Katastrophe ins Haus? War die Beipack-Aktion zum Amüsement der Kleinen gar ein Eingriff in die Natur?

Greenpeace, hilf.

Was tun? Nach einer Viertelstunde Ferngespräch einigt man sich darauf, daß es zwei Lösungsansätze gibt: Wer in der Nähe der Nord- oder Ostsee wohnt, kann die wogende Masse am Strand einer artgerechten Existenz zuführen und das Marmeladenglas recyclen. Für Süddeutsche bleibt nur der Anruf beim Verlag, mit dem es über eine Rücknahme zu verhandeln gilt.

Eine neue Kampagne, wie damals bei Free Willy, sollte man allerdings nicht starten. Da sind sich Mutter und Telefonzentrale einig.

Schönen Dank auch, daß Sie sich Zeit für mich genommen haben.

Aufwiederhören.

Ja, Greenpeace hat 25. Geburtstag. Ist es nicht schön, daß manche Leute nicht erwachsen werden wollen und nicht alle Herzen aus Stein sind?

Siehe auch: die alte Website von Greenpeace Deutschland zum 25. Geburtstag von GPI am 13. September 1996

© Jochen Vorfelder

09 September 2005

Update: Hunter S. Thompson

Kaum haben wir den notorischen Hunter S. Thompson und seinen Hang zum Verfertigen von Motorrad-Reportagen unter Drogeneinfluß im Beitrag "The Bikeriders" erwähnt, taucht ein Abschiedsbrief des Selbstmörders auf.

Es gibt da wohl keinen Zusammenhang, aber "ein großen deutsches Nachrichtenmagazin" berichtet online darüber. Hier der SPIEGEL-Beitrag.

© Jochen Vorfelder

29 August 2005

Ein Abend mit kessen Sprüchen und flotten Bienen

Alles begann damit, daß die Klassenlehrerin der Moskauer Schule "712" den Eltern des jungen Wladimir den Erwerb eines Klaviers empfahl. Dann passierten viele mysteriöse Dinge in einer Russendisko zwischen durch und als den bisherigen Höhepunkt der Geschichte kann man durchaus den 25. August dieses Jahres erachten. Was geschah an diesem Donnerstag?

An diesem lauschigen Sommerabend versammelten sich auf Berlins Eventmeile "Unter den Linden" eine repräsentative Mischpoke der Schönen und Schlauen unserer Hauptstadt im ehemaligen Quartier der Berliner Stadtkommandanten - heute die gemeinsame Repräsentanz der Bertelsmann AG und der Bertelsmann Stiftung - und lauschten den Erzählungen einer russischen Plaudertasche.

Wladimir Kaminer, ein begnadeter russischer Schlawiner, Discjockey und Selbstvermarkter, stellte sein bisher letztes Werk, den DJ-Roman ""Karaoke", vor.

Das übliche Programm. Junge Damen mit leuchtenden Augen und schwarzen Hornbrillen himmelten, alte Literaten mit Schlips und Cordjacke neideten. Und Kaminer ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach - der ausschweifenden Beantwortung existenzieller Fragen des Lebens:

Wieso funktioniert der Kassettenrekorder Romantiker 306, ein Wunderwerk sowjetischer Technologie gebaut aus Abfällen der Raketenindustrie, nur auf heimischem Territorium? Warum bekommt der kleine Wladi statt des Klaviers eine Sperrholzgitarre? Und wie tanzt man als Pinguin »Die Eroberung des Nordpols« im Volksballett-Kollektiv?

Nach rund einer Stunde Lesung, dem anschließenden lustigen Fragen-Anwort-Spiel und dem opulenten Buffet waren wir schlauer: Gott ist ein DJ. Die Details lesen wir im Buch. Und Lachsröllchen passen hervorragend zu gefüllten Nudeln und kaltem Chardonnay.

PS: Für Freunde des gehobenen deutschen Liedguts (Ja, für so etwas haben wir heutzutage einen Russen...) empfehlen wir Wladimir Kaminers Adaption von "Biene Maja".

© Jochen Vorfelder

17 August 2005

Die Wirklichkeit - besser als Werner Herzog

Da sitzt man nun am Gardasee im schönen Garten von Gabriele d'Annunzio und kommt zur folgenden Erkenntnis: Jeder Künstler trifft irgendwann zwangsläufig seine Nemesis.

Doch von vorne: Der französische Maler Jean-Louis-Ernest Meissonier, ein Meister von Pinsel und Palette und berühmt für historisches Schlachtengetümmel, wurde nicht nur in Ehren gehalten ob seiner ergreifenden Todesszenen, sondern auch wegen der naturgetreuen Wiedergabe von Pferden - und dabei vor allem ihres Galopps.

Im Jahr 1879 hatte Meister Meissonier in Paris schließlich die Gelegenheit, die Bilder eines gewissen Eadward Muybridge zu studieren. Der Mann aus dem fernen Kalifornien war ebenfalls ein Spezialist für Pferde; arbeitete allerdings mit einer völlig anderen Technik. Muybridge, später als Vater der modernen Fotografie gefeiert, war es 1872 als Erstem gelungen, mit extrem kurzen Verschlußzeiten seiner Kamera den Bewegungsablauf eines Galoppers in einzelne Schritte und Aufnahmen aufzuteilen.

Muybridge produzierte Bilder, die seine Zeitgenossen wie ein Droge in den Bann zogen; eine visuelle Revolution - auch für Meissonier: "Dreißig Jahre lang haben mich meine Augen getäuscht", erklärte er in schierer Verzweiflung, und erwog, nie mehr einen Pinsel anzufassen. So schlimm kam es nicht, aber der Franzose machte sich demütig daran, selbst an seinen berühmtesten Bildern die Fußstellung der gallopierenden Schlachtrösser zu korrigieren.

Mit ebenso halluzinierenden Aufnahmen hat der Regisseur Werner Herzog wiederum 1982 in seinem Werk Fitzcarraldo den Wahn des Opernliebhabers Fitzgerald (gespielt vom in Sachen Wahn auch höchst kompetenten Klaus Kinski) bebildert und die Geschichte erzählt, wie ein durchgeknallter weißer Pflanzer mit Hilfe von stoischen Indios einen Frachtdampfer durch den peruanischen Dschungel und über die Anden ziehen läßt.

Was bitte, mag sich der geneigte Leser fragen, haben nun Messonier und Muybridge mit Herzog und Kinski vor allem mit Gabriele d'Annunzios Garten am Gardasee zu tun?

Dieser Garten, ach, dieser Garten. wie er wuchert voll Grün und erblüht in italienischer Eleganz und Grandezza. Angesichts dieses Gartens würde der Visionen nicht gänzlich abholde deutsche Filmemacher seufzend in die Knie sinken und sein Haupt ebenso demütig senken wie weiland Meissonier, denn hier hat Herzog seinen persönlichen Muybridge und in Gestalt von Gabriele d'Annunzio seinen wahren Meister gefunden.

Denn besagter d'Annunzio, ein begnadeter Phantast, Hochstapler, Ehebrecher vor dem Herrn, Dandy und notorischer Querulant, hat eine monumentale Schiffsverschiebung schon im Jahr 1925, also fast fünfzig Jahre vor Herzog und Kinski, durchexerziert. Was die beiden Cineasten als Methapher für das "Scheitern des europäischen Tatmenschen in den Tropen" (Joseph Conrad) inszenierten, hat sich die multiple Persönlichkeit d'Annunzio, der sowohl als italienischer Heimatdichter, konservativer Parlamentarier und romantischer Nationalist in Erscheinung trat, zur Ehre der großen Italienischen Nation und in Realitas vor das Schlafzimmerfenster stellen lassen.

D'Annunzio's Versuch, mit dem Vittoriale das größte Freilichtmuseum der Welt zu errichtete, scheiterte kläglich an des Dichters Sprunghaftigkeit und permanenter Geldnot. Doch als er 1923 den ausgesetzten Kreuzer Puglia von der Italienischen Marine zum Geschenk erhielt, ließ er sich nicht lumpen und das Wrack von Landarbeitern auf einen Berggrat schleppen; mit dem Bug ausgerichtet hin zum Adriatischen Meer und hin zu dem zurückeroberten Dalmatien.

Erst 1955, siebzehn Jahre nach d'Annunzios Tod, wurde sein Mausoleum, ein weiteres Monument der Vittoriale-Anlage, vollendet; dort ruht der Faschist nun still über dem See in toskanischem und lombardischem Marmor.

Ach, wieder einmal hat die Realität doch das bessere Drehbuch geschrieben. Und wie gerne hätte man Klaus Kinski in der Rolle des in seinen Spätjahren heftig dilirierenden Gabriele d'Annunzio gesehen - und Werner Herzog in einer Nebenrolle: als Duce del Fascismo Benito Mussolini bei d'Annunzio's Beerdigung.

© Jochen Vorfelder

12 August 2005

Boxenstopp im Museumshop

Für Nordlichter mit quengelnden Kindern auf dem Rücksitz, Fahrer von Caravan-Gespannen und Urlauber mit ungebremstem Drang nach Süden bietet sich kurz vor der Schweizer Grenze ein idealer Boxenstopp zur Besinnung, Erholung und Abkühlung der familiären Betriebstemperatur an: das Vitra Design Museum in Weil am Rhein.

Nach einer eher unspektakulären Fahrt durch's Weiler Industriegebiet - Füttern Sie dort Ihren Nachwuchs noch kurz bei McDonalds ab und folgen Sie dann den braunen Hinweistafeln! - geht es weiter zum Produktionsitz des Schweizer Möbelfabrikanten Vitra: eine Firma, die hochwertiges Design und innovative Architektur zum zentralen Wert ihren Öffentlichkeitsarbeit gemacht hat.

Hat man sich erst einmal bei den Einheimischen durchgefragt ("Was suchet's se? D'Stuhlfabrigg?"), erreicht man eines der interessantesten zeitgenössischen Architekturensembles mit Fabrikationshallen von Frank O. Gehry (der mit dem Guggenheim-Bau in Bilbao), Alvaro Siza und Nicholas Grimshaw, der Feuerwehrstation von Zaha Hadid (heute Ort der Stuhlsammlung), einer geodätischen Kuppel von Buckminster Fuller und dem Konferenzpavillion von Tadao Ando.

Fahren Sie dort erst wieder vom Parkplatz, wenn Folgendes abgearbeitet ist:

1. Ein Rundgang im Museum, wo noch bis Januar 2006 eine Sonderausstellung "Il rumore del tempo" über das Werk von Gaetano Pesce, einer der international einflussreichsten Designern der letzten 40 Jahre, gezeigt wird.
2. Ein Eistee in der Cafeteria, bevor die Architektur-Führung beginnt.
3. Ein zweistündiger, aber kurzweiliger Gang mit Architekturvortrag über das gesamte Betriebsgelände, bei dem dem Besucher klar wird, daß der Begriff "Industrielandschaft" durchaus positive Assozationen wecken kann.
4. Ein Besuch im Museumshop, den er ist definitiv besser sortiert als Ihr Souvenirladen an der Costa Brava.
5. Die Toiletten. Sie kennen das doch: Kaum ist man auf der Autobahn, geht das Quengeln wieder los.

© Jochen Vorfelder

04 August 2005

Das Karussell von Colmar

Als sich Anfang der Neunziger Jahre Architekten von Euro-Disneyland auf die Suche nach passenden Blaupausen und Fassaden für das projektierte Fantasyland machten, wurden sie zügig fündig: in Colmar. Die Straßenzüge der Stadt im Herzen des Elsaß sind gesäumt mit den mittelalterlichen Stammhäusern und Residenzen von alteingesessenen Bourgeois.

Allesamt sind sie so kunstgerecht und zuckersüß restauriert, daß einem das Herz aufgeht in Anbetracht dieser heilen Welt und man hofft, ein Tor werde aufgestoßen und Aschenputtel flöhe barfuß durch die Hundertschaften der Touristen, die sich zu Urlaubszeiten durch die Fußgängerzone wälzen.

Auch der zentrale Place Rapp, benannt nach Napoleons's eisernen Frontgeneral Jeau Rapp, hält nicht wirklich das, was er oberflächlich vorgibt. Was mit den grauen Granitplatten und dem Springbrunnen wie ein moderne Version des Rapp'schen Exerzierfeldes wirkt, ist in Wahrheit das Dach eines versenkten Parkhauses für 1200 Fahrzeuge.

Nur an den südlichen Ausläufern des Place Rapp, unter den alten Kastanien, steht noch etwas Altes, das nicht vorgibt oder vortäuscht: das Kinderkarussell der Familie Roland Dieudonne. Gebaut vor über 100 Jahren, seit drei Generation in Familienbesitz, mit über 3000 Lampen, 50 Motivwagen und 30 Holzpferden, ruckelt und knarrt es um die eigene Achse, die sich mit einem kecken Wimpel obendrauf forsche elf Meter in den Himmel reckt.

Die Lautsprecher sind altersschwach; die Melodien auch. Da und dort blättert schon etwas die Farbe ab, doch die Augen der kleinen Madames strahlen vor Freude und die Wangen der zukünftigen Zinedine Zidanes mit den aktuellen Fußball-Trikots erröten vor Stolz beim Ritt auf dem Löwen.

Das Meisterwerk der Mechanik, bei dem zum Start noch ein schwerer Hebel umgelegt wird, betört unsere Herzen noch genauso wie vor einem Jahrhundert. Da fragt man sich spontan: Ob Euro-Disney in hundert Jahren wohl noch steht?

© Jochen Vorfelder

01 August 2005

Ratespiel: Ein Leben aus dem Koffer

Wer Ende des 18. Jahrhunderts als talentierter österreichische Autor publizistischen Erfolg erringen wollte, mußt nach Berlin. Auch unser traveller, geboren in Wien, kam 1908 in die Hauptstadt des Kaiserreiches und hospitierte zunächst beim Scherl-Verlag.

Doch erst als ihn der Assistent von Theodor Wolff, des legendären Chefredakteurs des Berliner Tageblatts, aufforderte, zukünftig "kleine Sachen" zu schreiben, kam seine bemerkenswerte Karriere in Fahrt.

Aus Gründen, die hier nicht näher erörtert werden sollen, schrieb er im Tageblatt ab 1909 nicht unter seinem richtigen Namen: Er zeichnete seine kurzen Lokalfeuilletons mit "Baptist" oder "Belial", bevor er dazu überging, einen Tiroler Bauernnamen als Pseudonym zu benutzen.

"A........ H........l" wird mit seinen kurzen Betrachtungen schnell eine Berliner Kultfigur: "Wer ist dieser A..... H.........l? fragte man sich alle Morgen, wenn man das Berliner Tageblatt aufschlug." Doch bald wurde es dem traveller in Berlin zu eng - und er muß Berlin ohnehin verlassen, weil der Erste Weltkrieg ihn nach Wien zurückzwang, wo er, so der Chronist Hermann Broch, einen "pazifistischen Kriegsberichterstatter" gab.

Ab 1923 verbringt traveller den größten Teil seines Lebens auf Reisen: London, Kalkutta, 1924 dann Ägypten, Palestina und der Amazonas, 1926 ein Ausflug über Kanada in die Südsee, Polynesien nach Neuseeland, und erstmal die USA und Hollywood. Bis 1933 folgen weitere Reisen in die Staaten, nach Schottland und schließlich die Teilnahme an einer Expedition in die libysche Wüste zusammen mit dem Fotografen Hans Casparius.

Alle seine Reisen kann traveller, der ein bemerkenswert präziser Beobachter ist, gut vermarkten: Er publiziert erfolgreich Bücher, weiter unter seinem Pseudonym, unter anderem das archivarisch hoch gehandelte "Die Mahdi-Trommel" und ein traumhaftes Werk über die Suche nach "Z............", einem verlorenen Archipel, das von seltenen Kleintieren bewohnt wird.

Nach travellers Reise nach Ägypten holte ihn die hässliche Realität in Berlin ein: Das liberale Tageblatt kündigt ihrem linksintellektuellen Mitarbeiter jüdischer Abstammung. Als der "Anschluß" Österreichs bevorsteht, steht er auf den Listen der Gestapo. Im Frühjahr 1838 gelingt traveller im letzten Moment die Flucht über die Tschechoslowakei und London in die USA. Seine letzte Reise: Im September 1939 stirbt er dort an einem Herzinfarkt.

Wer war da unterwegs?

Viel Spaß beim googlen.

© Jochen Vorfelder

27 Juli 2005

Ratespiel: Low budget durch die Wüste

Wenn sich im frühen 18. Jahrhundert Europäer ins unbekannte Innere Afrikas wagten, dann tat sie dies aus zwei Gründen. Sie waren entweder unerschrockene Händler oder wagemutige Wissenschaftler. Sie mussten bereit sein, ordentlich Geld zu investieren.

Denn Reisen war allemal ein teures und aufwendiges Unterfangen: Eine Expedition, wie sie z.B. der deutsche Forscher Heinrich Barth in den Jahren 1852 bis 1855 durch Westafrika unternahm, verschlang mehr als 100.000 Taler – in heutigen Maßstäben also fast eine Million Euro.

Wenden wir uns deshalb einem Traveller zu, der wenige Jahre nach Barth über das Mittelmeer setzte, und sich vom Hafen Tripoli aus auf den bisher undokumentierten Fußweg nach Timbuktu machte. Seine Reisekasse für den 3500 Kilometer langen Marsch ins Ungewisse: magere 2.500 Taler.

Dennoch war Traveller gut vorbereitet: Nach einem Medizinstudium – ohne Abschluß – verschlug es den Norddeutschen über Italien und die Schweiz nach Frankreich, wo er in die Fremdenlegion eintrat und sechs Jahre lang in Algier diente. Während der Feldzüge gegen die Kabylen überlebte er große körperliche Strapazen, eignete sich Arabisch sowie mehrere nordafrikanische Dialekte an und lernte das Überleben in der Wüste.

Traveller reiste low budget: Mit lokalen Führern und wenigen Kamelen schloß er sich einheimischen Karawanen an und versuchte, möglichst unauffällig und unerkannt zu reisen. Oasen ging er oft aus dem Weg – und kam so fast zwangsläufig vom Weg nach Timbuktu ab.

Traveller beschrieb in seinem bekanntesten Expeditionsbericht „Q... ..... .....a“, wie die Lastkamele eins nach dem anderen starben und er sich schon fast verloren gab, aber dann doch weiter unbeirrt nach Süden marschierte. Irrlichtend und nah am Wahnsinn erreichte er etwas, was vor ihm noch kein Europäer vollbracht hatte: die Durchquerung der Sahara nach Süden - vom Mittelmeer zum Golf von Benin.

Diese Reise – viele andere sollten folgen – machte ihn berühmt und Traveller wurde ein Publikumsliebling und begehrter Vortragsreisender, der an den fürstlichen Höfen in ganz Europa von der Sahara berichtete. In seinen Memoiren lobt er besonders seinen Vortrag in Riga: Dort lernte er seine Lebensgefährtin kennen, die Nichte des Afrikaforschers Georg Schweinfurth. Aber Schweinfurth, das ist eine andere Geschichte.

Wer war da unterwegs?

Viel Spaß beim googlen.

© Jochen Vorfelder

21 Juli 2005

Strom ist nicht gelb, sondern nass

Ja, sind die Balinesen jetzt ganz verrückt geworden? Da zapfen sie sich den teuren Strom aus der Leitung, und leiten ihn über dicke Kabel direkt ins Meer. Wo er die badenden Touristen unter Spannung setzt.

Keine Angst, hört sich schlimmer an, als es ist. Die wunderschönen Taman Sari Bali Cottages in Pemuteran an der Nordküste Balis bieten keine besonders harte Form von Selbsterfahrungskursen an, sondern sind Teil eines von der UNESCO und Klaus Töpfer höchstpersönlich ausgezeichneten Projektes zum Wiederaufbau von zerstörten Korallen-Ökosystemen. Und für Gäste garantiert ungefährlich.

„Der Fachbegriff für den Einsatz von Strom unter Wasser heisst mineralische Aggregation“, erklärt mir Nyoman Satri, der Techniker der Projekts. Und vereinfacht, funktioniert das Ganze so: Der Strom aus der Leitung wird auf 12 Volt herunter gepegelt, bevor er über die Unterwasserkabel raus zu Stahlkonstruktionen und Eisenmatten geleitet wird.

Diese Stangengebilde und Baumatten werden seit zwei Jahren nah am Strand versenkt, um Korallenstöcken und anderen Riff-Organismen einen „Bauplatz“ und neue Heimat zu bieten. Eine alte Technik, aber um ein vielfaches effizienter durch den Schwachstrom. Die leichte Spannung produziert Sandstein und zieht die „Riffbauer“ wie magisch an; die Wachstumsraten unter Wasser sind in Pemuteran sensationell.

Und dringend nötig: An der Nordküste Balis sind die Korallen in weiten Teilen durch Überfischung sowie Dynamiteinsatz geschädigt – die lokalen Fischer finden kaum mehr ein Auskommen. „Bisher sind die Fischer noch nicht ganz vom Projekt überzeugt,“ sagt dazu Satri, der mich durch die Anlage führt. „Aber wir haben jetzt begonnen, spezielle Riffs zur Zucht von Speisefischen anzulegen, das wird sie auf unsere Seite bringen.“

Hoffen wir das Beste – und wer das Projekt unterstützen will, kann das über die Taman Sari Bali Cottages einfach tun: Ankommen und sich’s gut gehen lassen, am Pool relaxen und im Restaurant lecker schnabulieren. Ein Teil des Umsatzes kommt dem Projekt zu Gute.

Mehr zum Projekt und den Taman Sari Cottages:
www.balitamansari.com
www.baliwww.com

© Jochen Vorfelder

26 Juni 2005

Auf den Spuren des "Englischen Patienten"

Eine Expedition unter Leitung des Deutsch-Libanesen Samir Lama erkundete im März 2003 den Gilf Kebir. Das Wüstenplateau im Länderdreieck Ägypten-Libyen-Sudan ist eine gottverlassene Stein- und Sandwüste. Und deshalb unwirklich schön.

Der Gilf Kebir und das Jebel Uweinat-Gebirge – zusammen so groß wie die Schweiz – wurden erst ab 1934 systematisch erforscht und kartografiert. Im Frühjahr 2003 besuchten der Expeditionsleiter Samir Lama und der 77-jährige Peter Clayton, der Sohn des damaligen Landvermessers Patrick Clayton, das Gebiet auf den Spuren und mit den Originalkarten seines Vaters.

Der alte Clayton, Anfang der dreißiger Jahre oft mit dem legendären "Englischen Patienten" Graf Ladislaus Almásy unterwegs, inspirierte den Autor Michael Ondaatje zur Person des "Mason" in seinem verfilmten Bestseller.

Für Samir Lama, einen Kosmopoliten mit italienisch-libanesischen Wurzeln und deutschem Pass, wurde der Gilf Kebir zur letzten Fahrt: Der alte Wüstenfuchs starb im Frühjahr 2004.

Hier der Link zum Film >

Und dazu noch einige Fotos aus dem moto1203-Flickr-Archiv.



www.flickr.com






© Jochen Vorfelder

20 Juni 2005

Zehn Jahre Brent Spar: Prost Shell!

Brent SparHeute vor zehn Jahren entschied der Ölkonzern Shell, einen Schiffskonvoi mit der ausrangierten Ölsammelstation "Brent Spar" im Schlepptau auf dem Weg in den Nordatlantik zu stoppen.

Ganz freiwillig fällte Shell die Entscheidung nicht. Nach wochenlanger Kampagne von Greenpeace hatten sich erst zwei, dann vier Aktivisten an Bord verschanzt und die Öffentlichkeit verfolgte mit wachsender Empörung, was da draußen geschah: Die Brent Spar war tagelang allabendlich in aufreizender Ruhe durch die Tagesschau gezogen worden und der Konzern stand unter schwerem Druck. In Hamburg wurde eine Shell-Tankstelle beschossen.

Wenige Wochen, nachdem die Kampagne für Greenpeace glücklich endete, habe ich das Buch "Brent Spar und die Zukunft der Meere" veröffentlicht.

Hören Sie das erste Kapitel des Buches , das einen Eindruck von der Kampagne und der Stimmung vor exakt 10 Jahren vermittelt.

© Jochen Vorfelder

15 Juni 2005

Die Reise zum Mittelpunkt der Erde

Ein alter französischer Klassiker! Aber mit deutscher Besetzung! Und im Gegensatz zu den anderen Werken des Romancier Jules Verne (geboren im Jahr 1828 - hundertster Todestag war am 23. März 2005) ) sind in „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ die teutonischen Nachbarn keine trotteligen Diener oder perfiden Betrüger.

Nein, in dem spannenden Abenteuerepos, das Jules Verne 1864 verfasste, sind der Hamburger Professor Lidenbrock und sein Neffe Axel zwar kauzige, aber durchaus sympathische Zeitgenossen auf spannender Mission.

Alles beginnt damit, dass Lidenbrock, ein angesehener Geologe, in einer alten Chronik eine geheimnisvolle Karte des isländischen Alchimisten Arne Sacknussem findet. Durch Zufall kann Axel das Dokument entziffern: Ein Reisender gelangt, wenn er in der Krater des Vulkans Snaefellsjökull steigt, zum Mittelpunkt der Erde.

Und los geht die Reise in vorweg genommener "Indiana-Jones"-Rasanz: Nach Kopenhagen und Island geht es über Gletscher, Vulkane und Höhlen tief in den Erdkern, der manche Endeckung und Überraschung für die wackeren Forscher bereithält. Soviel sei verraten: Einige Plots aus Stephen Spielberg's Dinosaurier aus "Jurassic Park", Tom Hanks epische Flossfahrt in "Verschollen" und die Verfilmung von "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" kommen einem nach der Lektüre des immerhin 140 Jahre alten Buches seltsam bekannt vor, offensichtlich hat der eine oder andere Drehbuchschreiber freimütig Anleihen genommen.

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ist mit knapp über 200 Seiten ein idealer Reisebegleiter für Langstreckenflieger, die der Videofilm-Berieselung überdrüssig sind und sich einem Original widmen wollen. Denn als solches kann neben dem Buch auch Jules Verne selbst gelten: Während er seinen Lebensunterhalt tagtäglich als Börsenmakler verdiente, versank er in seiner Freizeit in eine Welt, die voller Ballone, Luftschiffe, Stahlstädte, U-Boote und Propellerinseln seiner Zeit ganz weit voraus war.

Die Wertung: kurios, aber amüsant. Im Jules-Verne-Jahr 2005 unbedingt lesen!

© Jochen Vorfelder