12 Mai 2006

Motogiro d'Italia 2006: klassisch durch die Marken

Auf geht's, nach Bella Italia! Nicht dass uns das strahlende Wetter gen Süden vertreiben würde, nein, ganz im Gegenteil. Die letzten Tage waren gesegnet mit erinnerungswürdigen Ausfahrten nach Büroschluß - ich sage nur: die Elbe entlang, am Zollspieker vorbei, rüber dann Richtung Landkreis Lüchow-Dannenberg.

Ideale Motorradgegend - wenig Verkehr und enge Kurven; gut zur Selbstfindung und zur Erkundung der Ideallinie.

Natürlich alles im Rahmen der StVO, Hüstel, Hüstel. (Für die über die Tempo 100-Regel hinaus der Rechtslage Unkundigen: Vom Kraftfahrer sind die konkreten Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Witterungsverhätnisse, seine eigenen Fähigkeiten und jene des gesteuerten Gefährts samt Ladung ins Kalkül zu ziehen. Dies verlangt §3 der Straßenverkehrsordnung.)

Schluß damit: moto1203 macht sich nach Diktat auf den Weg ins Land des augenzwinckenden Umgangs mit Regularien. Und fährt vom 16. bis 20. Mai bei der Motogiro d'Italia 2006 mit, einer Zweirad-Rallye für historische Maschinen durch die Abruzzen und die Marken.

An dem Rennen - na ja, Rennen ist etwas übertrieben, die erzielte Zeit an den Tagesetappen über rund 280 Kilometer wird nicht so verbissen gesehen - nehmen außer den wirklichen Oldtimern der Vintage Racing Class (Baujahr 1957 und früher, maximal 175 cc) und der Taglioni Memorial Class (1968 bis 1978, über 250 cc) auch eingeladenen Gäste teil.

Nun kann ich keinen Oldtimer aus diesen Kategorien - und vor allem diesen Preislagen - vorweisen. Nichts desto Trotz darf ich als Gast mitfahren - und ein dem Anlaß angemessenes Fahrzeug bewegen: die neue GT 1000 von Ducati, die noch im Laufe diese Monats bei den Händlern sein soll.

Wir sind gespannt: Die letzte Maschine aus Ducatis Retro-Serie (vorher war schon die Sport 1000 und die Paul Smart aufgelegt worden) ist in Sachen Design und Marketing die perfekte Reminiszenz an die von Fabio Taglioni entwickelten Siebziger-Jahre-Ducatis wie etwa die 750 GT, die inzwischen wie Juwelen gehandelt werden. Frage also: Kann die neue GT 1000 da mithalten?

Die entspannte Tour durch italienisches Kernland hat bereits weltweite Anziehungskraft entwickelt: Rund 300 Teilnehmer aus Italien und Europa bis hin zu den USA, Neuseeland und Japan werden erwartet, die sich auf dem rund 1300 Kilometer langen Rundkurs von Rimini, über San Marino, Ancona, Ascoli Piceno und zurück nach Rimini verlustieren wollen.

Die Gegend ist Stammland des historischen Motogiro: 1914 zum ersten Mal gestartet, entwickelte sich das Rennen bis in die fünziger Jahre zu einem Klassiker, bevor es bis Juni 2001 aussetzte.

Erst ein Jahr nach der Jahrtausendwende wurde die Tradition wieder aufgegriffen - und von den alten Heroen der Landstraße freudig wieder angenommen: Bei der Erstauflage nach über vierzig Jahren Pause waren einige der Gewinner aus den fünfziger Jahren am Start.

Nun ja, mit diesen schnellen Rentnern will ich nicht unbedingt mithalten. Bei der Fahrt durch italienische Wein- und Olivenhaine ist definitiv der Weg das Ziel und zwischzeitlich soll es auch die eine oder andere Besichtigung eines Weinkellers geben.

Man wird sehen.

© Jochen Vorfelder

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