28 April 2006

Video: Long way round the world

Ewan McGregor - bekannter Schauspieler und bekennender Motorradabhängiger - sagt, es fing an, als er eines Nachmittags auf dem Sofa lag und eine Art Tagtraum hatte.

Er fuhr dabei mit dem Finger über die Landkarte und bemerkte, daß eine Fahrt um die Welt über Festland nur zweimal unterbrochen werden mußte - kurz an der Beringstraße zwischen Sibirien und Alaska und etwas länger natürlich am Nordatlantik zwischen der amerikanischen Ostküste und Großbritannien.

Da stand er auf, griff sich das Telefon und rief seinen Freund Charley Boorman an: "Charley", sagte er, "du solltest vielleicht mal zum Essen vorbei kommen. Wir haben da was zu besprechen."

Das Essen hatte Folgen: Evan und Charley besorgten sich bei BMW als Sponsor mehrere R 1150 GS Adventure und fuhren ab April 2004 in 115 Tagen rund 36.000 Kilometer durch Europa, die Ukraine, Russland, Kazachstan, die Mongolei, Sibirien, Alaska, Kanada und die Vereinigten Staaten, bevor sie wieder britischen Boden betraten.

Die beiden Freunde - erstaunlicherweise sind sie das auch noch nach der Fahrt - sind nicht nur erfolgreiche Schauspieler (McGregor etwa ist bekannt als Obi-Wan Kenobi in Star Wars), sondern auch absolute Medienprofis. Kein Meter ihrer Fahrt verging unbeobachtet, undokumentiert und ungeplant. Auf ihren Helmen und Maschinen waren Kameras montiert; ihre medialen und technischen Begleitteams waren perfekt vorbereitet und ausgerüstet.

Ihre Fahrt wird seit seit zwei Jahren unter dem Label "
Long Way Round
" ebenso perfekt vermarktet. Enstanden ist inzwischen ein Buch (siehe Titel oben), eine Fernsehserie in der englischen BBC, eine DVD-Version aller zehn Folgen und ein Soundtrack ("Was wir am liebsten gehört haben.")

Seit heute, dem 28.4.06, ist das 3-DVD-Set mit allen Zehn Episoden auch in Deutschland erhältlich. 2 Freunde, 2 Bikes, 115 Tage und 36.000 Kilometer - das reicht nach einer langen Nacht vor der Glotze.

© Jochen Vorfelder

25 April 2006

20 Jahre Tschernobyl: Ausflug in die Todeszone

26. April 1986, 1: 23 : 44 Uhr: Block IV des Kernkraftwerks von Tschernobyl explodiert.

Die über Hunderfache Menge an Radioaktivität als bei den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki wird freigesetzt - und auch zwanzig Jahre nach der Katastrophe gibt es noch keine Entwarnung.

Der so genannt Sarkophag - ein im November 1986 über dem havarierten Reaktorkern fertiggestellter Betonmantel - ist akut einsturzgefährdet. Darin vermuten Fachleute 5 bis 40 Tonnen strahlenden Feinstaub. Durch seine Risse entweicht täglich Radioaktivität; doch wer den neuen Überbau zahlen und bauen soll, ist ungeklärt.

Gestritten wird auch über die Zahl der Todesopfer. 50 an den Aufräumarbeiten in Tschernobyl beteiligte Arbeiter seien bis heute gestorben, sagt ein UNO-Bericht, der von 4000 weiteren Personen ausgeht, die an den Folgen des GAUs noch sterben werden. Greenpeace sieht das anders und spricht in einem ausführlichen Report von 270 000 zusätzlichen Krebserkrankungen in Weissrussland, der Ukraine und Russland, von denen «voraussichtlich 93 000 tödlich enden werden».

Morgen jährt sich das Desaster; Anlaß genug, noch einmal in den Netzarchiven zu kramen.

Hier die Geschichte von Elena Filatova, die ihre Motorradausflüge auf einer alten Kawasaki Ninja ZX-11 wie viel andere in Bild und Text im Netz dokumentiert. Das Besondere: Filatowa wohnt in der Ukraine und eines ihrer Reviere für ausführliche Touren ist die gottverlassene Todeszone um den havarierten Reaktor.

Die Bilder und Notizen von Filatowas Motorradtrips nach Chernobyl sind so ziemlich das Bedrückenste, was ich in der letzten Zeit ergooglet habe.

Nun gibt es ausführliche Debatten darüber, ob ihre Trips ein Hoax waren oder echt, weil Filatowa offensichtlich nicht allein unterwegs war.

Mich interessiert das weniger. Fakt ist: Sie war in einem toten Land.

© Jochen Vorfelder

20 April 2006

Namibia: Pfanne unter Wasser

Wir waren nach Afrika gekommen, um die "Big Five" auf einen Schlag zu sehen: Löwe, Elefant, Leopard, Nashorn und Wasserbüffel.

Die besten Chancen, so hatten uns die Sachverständigen und diejenigen, die sich dafür hielten, gesagt, hätten wir im Etosha-Park (Google Earth - 18 48 S, 16 22 E): endlose Steppe, knochentrocken, und eine überschaubare Zahl an Wasserstellen, an denen sich die Biester zur fotografischen Erfassung tummelten.

Es sollte anders kommen. Es regnete - nicht nur einmal oder zweimal, nein, ununterbrochen. Als wir im Februar in Windhoek einflogen, wandten sich die Meteorologen in Erklärungsnöten: Warum waren 2006 in gerade zwei Monaten 260 Liter pro Quadratmeter gefallen, wo doch im Schnitt 40 zu erwarten gewesen waren?

Wir fuhren nach Norden, rein in den Etosha-Park, und als wir unter stahlgrauem Himmel langsam die schlammigen Schottersträßlein entlang schlichen, dämmerte es uns: Wir waren im falschen Film. Das hier war eine grüne, undurchsichtige Hölle; flächendeckend so zugewachsen, dass man den Klassiker "Im Herz der Finsternis" durchaus hier hätte drehen können. Nix mit offener Steppe, nix mit rotem Staub.

Nirgendwo in der endlosen Fläche hatte man seit den Tagen 1851, als mit Francis Galton und Johan Andersson die ersten beiden Weißen ihren Fuß in die Gegend gesetzt hatten, so grünes Grün gesehen. Wahrscheinlich war die eigentliche Salzpfanne seit ihrem Verdorren vor mehr oder weniger hunderttausend Jahren nie mehr so ausufernd überschwemmt gewesen. Können Leoparden eigentlich schwimmen?

Nach zwei Tagen, an denen wir zickzack durch den Park cruisten und immer noch kein Nashorn oder Wasserbüffel geortet hatten, steckten wir deprimiert zurück. Ok, nomadisierende Antilopen zu Hunderten haben wie patschnasse Giraffen auch ihren Reiz.

Aber zumindest einen Elefanten, zum Sonnenuntergang. Wir fuhren zum Kalkheuwel - eine sichere Bank, einer Tränke mit quasi "Elefantengarantie" - und parkten unter einem Kameldornbaum mit Blick auf die Wasserstelle.

Das Loch war ein kleiner See und im wogenden Gras kaum zu sehen. Es gab viele Vögel.

Wir fuhren weiter. Wir fuhren sogar viel weiter. Bis in den Süden Namibias, wo die Wüste so trocken ist, daß sich von den beknackten "Big Five" keiner hinverirrt. Hier hat es uns gefallen, auch ohne große Tiere. Die schauen wir uns demnächst bei Hagenbeck an.

Mehr Fotos aus Namibia

© Jochen Vorfelder

13 April 2006

Pirsig: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten

Alles fing 1974 an. Gerade ins Leben entlassen; ABI-Zeugnis und den Einser, den damaligen Motorradführerschein, in der Tasche. Wohin soll das führen, wo alles enden? Das Ziel war unbekannt, bekannt war nur das Fahrzeug: eine BMW R75/6.

Da erschien ein Buch, das damals alle erreichte, die über den Tellerrand hinaus schauen wollten, aber noch nicht wußten, was da auf sie zukam: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten von Robert M. Pirsig.

Der Amerikaner Pirsig studierte in Minnesota und Benares (Indien) westliche und östliche Philosophie, bevor er am Bozeman State College in Montana Lehrer für Rhetorik und Schriftstellerei wurde.

Anfang der Sechziger Jahre erkrankte er an einem schizophrenen Schub, von dem er sich nach Therapien und Elektroschockbehandlungen erst 1968 erholte. Nach überwundener Krankheit unternahm Pirsig mit seinem Sohn Chris und zwei Freunden, John und Silvia Sutherland, eine Motorrad-Tour auf einer 1964er Honda SuperHawk CB77 vom Mittleren Westen bis nach San Francisco - die Reise, die später die Rahmenhandlung für den Roman "Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten" bildet.

Das Werk, das innerhalb von kürzester Zeit zum Kultobjekt von Hippies, Outlaws und Alternativen in den USA avancierte und schnell auch auf Deutsch übersetzt wurde, erklärt Pirsig zu einem "Versuch über Werte". Er schuf damit ein eigenes philosophisches Gedankengebäude - um nicht zu sagen - eine gedankliche Kathedrale: die "Metaphysik der Qualität".

Pirsigs Ansichten über die Welt als solch sowie Einführungen in die Geschichte und Methodik der Philosophie waren etwas, auf das viele damals gewartet hatten - als Gegengewicht zu Marxens Blauen Bänden. Hier stand etwas schwarz auf weiß, das die Grautöne der diffusen Gesellschaftskritik, die damals fester Bestandteil eines jungen Bewußtseins waren, in einem anderen, strahlenderen Licht erscheinen ließen.

Hier war ein Buch, das die Jungs und Mädels vom KBW und den anderen strammen linksradikalen Kadergruppen hassten, weil es ihre Mitläufer eine Rechtfertigung gab, in Richtung der Bewegung 2.Juni, der Spontis, der Esoteriker oder der Baghwans abzudriften. Ich las es, weil ich die Reisebeschreibungen liebte und davon träumte, Pirsigs "Zen-Strecke" abzufahren.

Warum ich dies heute erwähne? Weil das Netz ein Orkus der Erinnerungen ist, und ich beim Surfen auf Bilder gestoßen bin, die Pirsig damals auf seiner Reise mit einer kleinen Knips-Kamera gemacht hat. Um diese wenigen Aufnahmen sammelt sich inzwischen eine geradezu fanatische Gruppe von ernstzunehmenden Wissenschaftler, die ZAMM (abgeleitet vom Originaltitel Zen and the Art of Motorcycle Maintenance) zu einem eigenen Forschungszweig gemacht haben.

Hier der Link zu Pirsigs Bildern und dem Einstieg in die ZAMM-Forschung - hier der Link zum Buch bei Amazon: Pirsigs erstes und wichtigstes Buch hat sich bis heute über 400.000-fach verkauft.

Robert M. Pirsig lebt heute zurückgezogen in England und den USA. Sein Sohn und Beifahrer Chris (siehe Bild), mit dem er 1968 die Reise unternahm, wurde 1979 in San Francisco von einem Straßenräuber erstochen.

© Jochen Vorfelder

04 April 2006

Namibia: Wo bitte ist hier die Straße?


Im Süden von Namibia reicht es bei längeren Wegstrecken eigentlich, einen - mit Betonung auf der eins - Blick auf die Straßenkarte zu werfen. Denn die Zahl der Verbindungen zwischen A und B reduziert sich meist auf eine - auch hier liegt die Betonung auf eins.

Und wer einmal den richtigen Weg eingeschlagen hat, bleibt auf der Straße und fertig ist die Laube. Ankommen garantiert.

Wenn allerdings wie in den ersten Monaten dieses Jahres die Niederschlagsmenge völlig aus dem Ruder läuft - es hat geregnet wie aus Kübeln - kann man sich selbst den einen Blick auf die Karte sparen: Die meisten Straßen, die da fein säuberlich eingetragen sind, existieren zwar noch, aber sind in erbärmlichem Zustand.

Auch noch Tage nach dem Hochwasser, das hier seine Spuren deutlich hinterlassen hat. Wir haben für die 10 Kilometer vor und hinter dieser Stelle gut eine Stunde gebraucht. Hat aber Spaß gemacht...

© Jochen Vorfelder

21 März 2006

Solitaire: Mit oder ohne Sahne?

Jetzt mal alle mitraten! Wo sind wir hier eigentlich?

Die Sonne lacht vom Himmel; so muß ein Frühlingstag aussehen. Draußen stehen ein paar Tische auf dem Trottoir, eine Bedienung mit Schürze serviert Kaffee und Kuchen. Drinnen, durch den etwas antiquierten Kaufladen, wabert Moik'sche Volksmusik mit christlich angehauchten Texten. Hinter der Theke wird mit einem eindeutig schwäbischem Dialekt gescherzt.

Die Nase erfasst einen bekannten und durchaus wohltuenden Geruch: gedeckter Apfelkuchen mit Streussel, frisch aus dem Ofen.

Na gut, die Szene könnte in vielen Städtchen und Landbäckereien in Süddeutschland spielen, doch der erste Eindruck täuscht.

Wir sind in Solitaire (23° 53' 36.75 S, 16° 00' 22.52 E bei Google Earth), einem Flecken, der auf der aktuellen namibianischen Straßenkarte als wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Süden des Landes verzeichnet ist, aber bei der Ankunft doch etwas enttäuschst: eine Herberge der billigeren Art mit sechs Zimmer und vier Camperstellplätzen, ein Laden, eine Tankstelle. Und sonst: nichts. Gar nichts. Außer dem Apfelkuchen natürlich.

500 Kilometer südlich der Hauptstadt Windhoek ist Namibia so unglaublich menschenleer, daß es schwer zu erfassen ist. Stellen wir uns die Fläche der Bundesrepublik von Flensburg bis Lörrach vor - und darauf nicht 82 Millionen Bewohner, sondern nur 400.000.

Das ist der Süden eines Landes, das auch über 100 Jahre nach der Besatzung durch die kaiserlichen "Schutztruppen" noch unglaublich deutsch ist und auch in Käffern wie Solitaire typisch deutsche Probleme aufwirft. Wo sonst in Afrika muß man sich zwischen "Mit oder ohne Sahne?" entscheiden?

© Jochen Vorfelder

20 März 2006

Fastest Indian II: Film inspiriert Ducati-Gang

Die Saga über den neuseeländischen Eigenbrödler Burt Munro, der in den Sechziger Jahren auf den Salz-Flats von Bonneville Geschwindigkeitsrekorde mit einer 40 Jahre alten Indian aufstellte (siehe Posting vom 14. März dieses Jahres), hat jetzt das Rekordfieber bei einigen amerikanischen Ducati-Fans geweckt.

Kaum aus der Vorführung, war der Entschluß gefasst - mit einer Oldtimer-Ducati soll der Rekord geknackt werden:

● We find a smaller displacement Ducati.
● We build it up to modern tolerances.
● We find an attainable class and build the bike to run in it.
● We find a light weight rider, or two.
● We go to Bonneville and run the bike and win our class.
● Oh, and we have lots of fun along the way!

This dream was conceived prior to, and solidified after watching The World's Fastest Indian ... it became clear that we simply had to launch a similar quest using a Ducati.


Die Maschine, die die "Ducait Landspeed Record"-Combo für den Angriff auf den Geschwindigkeitsrekord bauen will, hat inzwischen zumindest auf dem Zeichenbrett klarerer Konturen angenommen:

This is the vision of what vintage, model and displacement Ducati we will build, to go after a Ducati Land Speed Record:

● Ducati 175, 200 or 250 with a displacement of 176-250cc
● Year: Pre 1969 as that is the last year of the narrow case singles
● Ideally a pre-1957 would be best ... less competition and more awards
● Cylinder, cylinder head and engine cases must be original equipment


Derzeit ist die Suche nach dem geeigneten Oldtimer unter Hans Mellberg's Führung - er ist der Chief Engineer der Truppe - mit Unterstützung durch Ducati USA in vollem Gange. Ideal als Basis für das Rekordfahrzeug wäre zum Beispiel einer der alten 200 Elite (Siehe Foto und technische Details) aus den späten Fünfzigern.

Wann allerdings der neue Rekord in Angriff werden soll, steht noch nicht fest.

© Jochen Vorfelder

14 März 2006

Motorrad-Film: The World Fastest Indian

Aus Namibia zurück - das wird noch eine Weile dauern, bis das gesammelte Material aufgearbeitet ist.

In der Mailbox fast 900 Mails; meistens Spam und Geschäftliches, aber auch die eine oder andere spannende Meldung von Mopped-Fans rund um den Globus.

Dave von den Canyonchasers aus San Francisco postet begeistert über einen ziemlich alten Schauspieler in einem ganz neuen Film: Anthony Hopkins in "The World´s Fastest Indian".

Worum geht's bei dem Streifen, der auf einen wahren Geschichte basiert? Der begnadete Kauz und Einzelgänger Burt Munro, dargestellt von Anthony Hopkins, war ein neuseeländischer Bastler, der mehr als zwei Dutzend Jahre seines Lebens in den Umbau seines Zweirads, einer Indian Twin Scout mit 600 ccm, Baujahr 1920, gesteckt hat.

Der Grund: Rausfinden, wie schnell die Mühle läuft - und zwar nicht zu Hause in Kiwi-Land, sondern während der "Speed-Week" auf der berühmten Salzebene von Bonneville/Utah. Bevor die Maschine allerdings über den amerikanischen Salz fliegt, muß Munro, der von 1899 bis 1978 lebte, nicht nur einen Herzinfarkt, sondern auch eine epische, chaotische Reise von Down Under bis nach Utah überstehen.

Im fortgeschritten Alter über 60 Jahren ist Munro schließlich am Ziel seiner Träume - der Rentner auf seiner schnellen Indian (damals auch schon über 40 Jahre alt) legte zwischen 1962 und 1967 einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen auf den Salzsee: 1967 etwa, als er die gute Indian auf 950 cc aufgebohrt und optimiert hatte, gallopierte er auf dem alten Pferdchen mit 183,586 Meilen pro Stunde durch die Messgeräte - so schnell, wie in dieser Klasse nach ihm nie wieder jemand.

Doch Achtung: "The World Fastest Indian" ist keine Empfehlung für Zeitgenossen, die 90 Minuten Slicks brennen sehen wollen. Der Film lebt von der Schauspielkunst und dem Charme des Altherrndarstellers Hopkins und ist ein vergnüglicher Roadmovie. Munro tapert darin als spleeniger Kiwi durch die amerikanische Provinz und macht obskure Zufallsbekanntschaften.

Dave's Meinung: Höchst vergnüglich. "The World´s Fastest Indian" kommt auch nach Deutschland - nach dem aktuellen Stand allerdings erst im Oktober 2006. Solange hier erst einmal der Trailer zum Film.

© Jochen Vorfelder

15 Februar 2006

Auf Reisen: von Vietnam nach Namibia

Ich bin bis 12. März mit einem Geländewagen in Namibia unterwegs. Damit euch die Zeit nicht lang wird, hier einige Fotos von einer Reise nach Vietnam. Stay tuned.

Der Trick dabei: Um ein neues 10er-Set von Bilder zu sehen - einfach den Reload des Browsers drücken.
www.flickr.com








Vietnam 2005moto1203's Vietnam 2005 photoset



12 Februar 2006

Worldrider: Beinbruch, Ende der Fahrt...

Seit ein paar Wochen habe ich regelmäßig die Berichte von Allan Karl aka "Worldrider" verfolgt.

Karl hatte sich vorgenommen hat, mit einer BMW F650GS Dakar durch insgesamt 55 Länder zu fahren und dabei 7 Kontinenten zu erreichen.

Jetzt ist erst einmal Pause angesagt. Vor ein paar Tagen hat es Karl im bolivianischen Hochland in der kleiner Stadt Tica Tica erwischt: Eine schlammige Straße; ein verunglücktes Manöver; Beinbruch durch einen der beiden Seitenkoffer. Karl hat den Unfallhergang und die Folgen ziemlich kaltblütig in seinem Blog dokumentiert.

Gott sei Dank ist ihm nichts wirklich Schlimmes passiert, sein zweiter Mann auf der Passage durch Bolivien fand relativ zügig eine Ambulanz und hat über die Notrufzentrale in La Paz einen Ambulanzflug organisiert. Inzwischen ist Karl mit einem Gipsbein zurück in den USA. Ich bin gespannt, wann er die Reise in Tica Tica fortsetzt. Gute Besserung jedenfalls.


© Jochen Vorfelder

07 Februar 2006

Sound: Wenn Ingenieure spielen



Bei google.video.com findet sich gelegentlich das eine oder andere Zeugnis des männlichen Spieltriebs. Man nehme: 1 Formel 1-Motor im Chassis, aufgebockt und ohne Pneus. Weiter eine Fernbedienung für das Gaspedal, und fertig ist die Laube.

Für die einen sind die 18.000 rpm erbärmlicher Krach, für die anderen der Ersatz für ein sonntägliches Konzert. Für mich klingt die Sequenz zwischen 0:45 und Ende bei 1:38 zum einen wie eine freie Improvisation von Frank Zappa. Zum andern weckt sie wehmütige Erinnerungen an lange, regenschwere Winterwochenende meiner Jugend, die ich im Keller vor einer Carrera-Autobahn verbracht habe.

Lange vor der heute aktuellen Sehnenscheidenentzündung durch zu häufiges SMSen gab es damals den lädierten Unterarm durch die Bedienung der billigen Fernsteuerung, mit der die Miniatur-Rennwagen mit überhöhter Geschwindigkeit aus der Kurve getrieben und sich überschlagend in die Ecke geschleudert wurden.

Die echten Pisten-Kings von damals sind wahrscheinlich nie über dieses geile Gefühl weggekommen und arbeiten heute als Renningenieure bei Ferrari.

© Jochen Vorfelder

28 Januar 2006

Ratespiel: Am Oberlauf des Kongo

Er liebte die See, obwohl er das Licht der Welt weitab jeglicher Küste erblickte - in einem Ort in einem Land, das zu seiner Geburt im 19. Jahrhundert unter russischer Verwaltung stand und heute zu einer politischen Renaissance der Farbe Orange geführt hat.

traveller wuchs, nachdem beide Eltern an Tuberkulose gestorben waren, bei einem Onkel auf. Der schlug ihm eine feste Anstellung als Magistratsschreiberanwärter vor, doch traveller reiste mit 17 Jahren nach Marseille und heuerte dort an Bord eines französischen Handelsschiffes mit Destination "West-Indien" an.

Die nächsten 20 Jahre fuhr er zur See: An Bord von Frachtseglern, Opiumklippern und Schmuggelbarken lernte traveller die sieben Meere kennen, geriet in politische Ränkespiele und überlebte nur knapp eine Schusswunde in der Brust. In Asien segelte er den Mahakam hinauf, ging lange Zeit von Bord und versuchte sich als Pflanzer. Doch seine Liebe zur offenen See ließ ihn an Land nicht ruhen - er trat Passagen nach Australien, in den Pazifik, nach Südamerika und Afrika an. 1890 folgte traveller dem Kongo bis zum Oberlauf.

In all den Jahren, in denen er sich durchs Leben und die Häfen treiben ließ, hatte er angefangen zu schreiben und dabei eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe geschärft, die er später in unzähligen Kurzgeschichten und in Romanen unter Beweis stellte. Er schrieb: "Mit der Macht des geschriebenen Wortes möchte ich dich hören und fühlen machen. Doch vor allem sollst du sehen."

Im Alter von 36 Jahren heuerte traveller ab, um Schriftsteller zu werden. Er schrieb auf Englisch, obwohl seine zweite Sprache nach seiner Muttersprache Französisch war. Er heiratete und ließ sich in Südengland in der Grafschaft Kent nieder.

Bereits eines der ersten seiner gut zwei Dutzend Werke machte ihn berühmt: Der Roman aus dem Jahr 1899 verarbeitete literarisch Erinnerungen von travellers Fahrt den Kongo hoch; das Buch inspirierte Francis Ford Coppola später zu einem Film, in dem ein Hauptdarsteller aus "Easy Rider" einen Fotografen spielt.

traveller starb 1924 an einem Herzinfarkt und liegt in Canterbury begraben. Die Stadt Danzig hat ihm zu Ehren ein Denkmal errichtet.

Wer war da unterwegs?

Viel Spaß bei Googlen - UND: Bis Ende März 2006 können Sie zum Beispiel eine Digitalkamera, zwei Flugtickets und ggf. ein Auto gewinnen, wenn Sie bei meinem Rätsel beim ADAC traveller mitmachen.

© Jochen Vorfelder

25 Januar 2006

Carbon-Bucky - die Vision vom Leichtbau

Januar und Wochenende in Hamburg - da kommen zwei Dinge zusammen: draußen die Kälte und dann etwas Zeit, um über die kommende Motorradsaison nachzudenken. Angespornt werden die Gedanken vom kommenden Event in den Messehallen, wo Mensch und Maschine schön auf einem Haufen und im Warmtrocknen zusammenkommen: die Hamburger Motorradtage.

Ich verzichte dankend auf einen Besuch und habe mir für die Tage ein anderes Thema vorgenommen: Carbon. Denn wer sich mal auf dem Zubehör- und Veredlermarkt umschaut, findet kaum noch eine Krad ohne die federleichten und gleichzeitig stabilen Kunsstoffteile.

Siehe z.B. die 2006er Multistrada 1000S DS, die schon serienmäßig mit vorderem Schutzblech und diversen Abdeckungen in Carbon daher kommt. Wer dann den hochnot-offiziellen Ducati-Zubehör-Katalog studiert oder auf dem Netz nach den semi-professionellen Anbietern und laminierenden Heimwerkern googlet, wird mit Carbon-Teilen geradewegs zugeschüttet.

Das hat zumindest zwei Gründe: Wenn's um tatsächliche und maximale Gewichtsersparnis geht - also bei der üblichen Straßenmaschine, die von Garage ins Büro und STVO-gerecht durchs Wochenende bewegt wird - wirken die Kohlenstoffmoleküle wahre Wunder. Zweitens könnte man natürlich darüber spekulieren, daß die gehypten Teile derzeit ein absolutes Muss sind und jeden überzogenen Preis rechtfertigen. Das verkauft man gerne.

Viele Leute finden das Thema allerdings ziemlich langweilig - eh, sind doch nur angeschraubte Plastikteile. Ich allerdings glaube, daß das komplette Carbon-Bike (Tank, Rahmen, Felgen) nicht mehr lange auf sich warten läßt, weil Carbon bauliche Möglichkeiten bietet, die noch lange nicht ausgeschöpft sind. Nix mit Nano-Jahrzehnt, Carbon ist angesagt. Das findet übrigens auch ein Autor, der aus einer ganz anderen Richtung kommt: Bruce Sterling, der regelmäßig eine Kolumne im Kultmagazin WIRED füllt, und sich seit vielen Jahren mit Carbon beschäftigt.

Also aber sofort in unregelmäßiger Folge: mehr zu Carbon, dem Baustoff der Zukunft. Dann klären wir auch die Frage, was der High-Tech-Baustoff mit dem begnadeten Visionär R. Buckminster Fuller und seinem Dreirad für acht Personen zu tun hat.

© Jochen Vorfelder

10 Januar 2006

Marlon Brando: Mehr Methode als man denkt

Beim Stöbern in alten Motorrad-Videos ist mir wieder einmal "Der Wilde" mit Marlon Brando untergekommen. Brando spielt Johnny, den Anführer einer Motorradgang, die in eine kleine, verschlafene Stadt in Kalifornien einfällt.

Die Biker sind auf Krawall gebürstet, während Johnny dem Charme Kathies erliegt, deren Vater der Ortspolizist ist. Der Streifen kulminiert in einem Feuerwerk aus Vorurteilen, Feindseligkeit und Gewalt.

Unbedingt sehenswert, aber ein seltsamer Film - heute jedenfalls. Schwarz-weiss, altfränkische Kamaraführung, hölzerne Figuren. Doch 1953, als "The Wild Ones" unter dem Originaltitel "Hot Blood" in die Kinos kam, war er eine Sensation, weil er als erstes Hollywood-Werk die Gewalt unter Motorradgangs in den USA thematisierte.

Für Marlon Brando war die Rolle des "Johnny" der Beginn eines langen Weges, den er mit oft kranken Charakteren gegangen ist - vom Don Corleone im "Paten" bis hin zum psychotischen Colonel Walter E. Kurtz in "Apocalyse now". Kurtz soll von Captain Willard getötet werden. Aber warum?

Kurtz: "Did they say why, Willard? Why they wanted to terminate my command? Did they tell you?"
Willard: "They told me you had gone totally insane and, uh, that your methods were unsound."
Kurtz: "Are my methods unsound?"
Willard: "I don't see ... any method ... at all."

So kennt man ihn - den verrückten, verschrobenen Alten.

Zeit also, etwas daran zu ändern. Denn Brando hatte ein zweites Leben - nicht nur als Motorradfahrer (er besaß in den Fünfziger Jahren eine britische 500 cc Machless, siehe Bild) - sondern vor allem als politischer Aktivist.

Eine kurze Google-Runde: Im Jahr 1959 gründete er in Hollywood zusammen mit dem schwarzen Sänger Harry Belafonte eine lokale Gruppe von SANE, der frühen amerikanischen Bewegung gegen Atomwaffen. Dann in den frühen sechziger Jahren war Brando Aktivist in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und enger Freund von Martin Luther King. 1963 begann er, sich für die Rechte der Native Indians und ihrer Bewegung AIM stark zu machen.

Ende der Sechziger Jahre unterstützte Brando die maoistischen Black Panthers mit einem "sechstelligen Dollarbetrag", so jedenfalls Bobby Seale, einer der Gründer der radikalen Partei.

Das Foto zeigt Marlon Brando bei der Beerdigung von Little Bobby Hutton. Hutton, mit 16 Jahren einer der sechs Gründer der Panthers, hatte sich im April 1968 nach einer fast zweistündigen Schiesserei der Polizei gestellt, war aber auf offener Straße und in Unterwäsche mit einem Schuß getötet worden. Warum?

Kurtz: "Are my methods unsound?"
Willard: "I don't see ... any method ... at all."

© Jochen Vorfelder

30 Dezember 2005

Chernobyl: Motorradtrip in die Todeszone

"Good Girls go to heaven. Bad ones go to hell. And girls on fast bikes go anywhere they want."

Neid. Die Welt der Motorrad-Blogs ist erfüllt mit Stories von gloriösen weihnachtlichen Aus- und nachweihnachtlichen Fernfahrten. Beispiele gefällig? Worldrider ist derzeit in Kolumbien unterwegs. Und Dylan von Twisting Asphalt beschreibt in aller gemeinen Ausführlichkeit, wie er mit seiner Ducati 999 durch das warme Südkalifornien brezelt.

Hier in Hamburg sind die Straßen vereist; Zeit für Schnupfen, dicke Nasen und ausführliches Surfen.

Dabei bin ich auf die Website von Elena Filatova gestoßen, die ihre Motorradausflüge auf einer alten Kawasaki Ninja ZX-11 wie viel andere in Bild und Text im Netz dokumentiert. Das Besondere dabei: Filatowa wohnt in der Ukraine und eines ihrer Reviere für ausführliche Touren ist die gottverlassene Todeszone um den havarierten Atomreaktor Chernobyl.

Die Bilder und Notizen von Filatowas Motorradtrips nach Chernobyl sind so ziemlich das Eindrücklichste, was ich in der letzten Zeit auf dem Netz gefunden habe.

Nun gibt es ausführliche Debatten darüber, ob die Trips ein Hoax sind oder echt, weil Filatowa nicht allein unterwegs war. Mich interessiert das weniger. Fakt ist: Sie war in einem toten Land.

Vielleicht sollte man den Link mal ZEITgenossen wie dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulf schicken, der in den letzten Wochen aus statistischem Kalkül ("Immer sicherer.") und Kostengründen ("Öl wird viel zu teuer und wir müssen konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt bleiben.") die Rückbesinnung auf die Atomkraft und den Neubau von Reaktoren eingefordert hat.

© Jochen Vorfelder