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14 April 2011

Moto Morini: erst unfahrbar, jetzt unverkaufbar ... die unfassbar endlose Geschichte

Ich geb es gleich mal zu: Ich hatte immer meine Schwierigkeiten mit und eine gespaltene Haltung zu Moto Morini. Erst pures Desinteresse, dann Ende 2008 nach der Intermot in Köln zarte Hoffnung:

Um Moto Morini war es nach der überraschenden Wiedergeburt der Marke in 2004 wieder ziemlich ruhig geworden - der erste große Wurf, die Corsaro 1200, hatte mit Qualitätsproblemen zu kämpfen und Neues war nicht wirklich nachgekommen. 

Inzwischen scheinen die Kinderkrankheiten des Moto Morini-Triebwerks ausgestanden und der italienische Kleinserien-Hersteller aus Casalecchio di Renpo hat ein echtes Schmuckstück: die Scrambler 1200 zum Preis von 11.795 Euro. 116 PS und 105 Nm aus einem 1187 ccm-V-2-Motor, verbaut in einem Stahlrohrrahmen mit Aluschwinge und UpSideDown-Gabel, klassische Speichenräder und einem kühn geschwungenen Edelstahl-Schalldämpfer-Duo. Das gesamte Paket in Nachtschwarz rollt auf den für einen Scrambler passenden Stollenreifen. Würde Steve McQueen noch fahren: Für dieses Schmuckstück würde er das Original von Triumph wohl in die Ecke stellen. 

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Ich war angefixt. Ein Jahr später bin ich die Scrambler nach langem und schwerem Kampf mit dem unprofessionellen Importeur ("Wie, Journalist? Sie wollen ein Motorrad testen?") dann gefahren. Hätte ich nicht tun sollen; tat meiner Beziehung zu Moto Morini nicht gut.

Totgeburt - ein italienische Experiment

Achim Rauscher wusste natürlich, was auf mich zukommt. "Wir können dir auch gerne eine Maschine mit Straßenreifen geben", hatte der Verkäufer vorgeschlagen, als ich die Moto Morini Scrambler beim Importeur März in Ettlingen abholte. Ach ne, lass mal, warum auch? Fette Gummiklötze, martialische Stollenbereifung an bespeichten Felgen, das gehört zur Optik und zum Wesen eines Scramblers. Wenn schon Retro, dann richtig. 

Marlon Brando fuhr einen Scrambler, 1954 in "The Wild One", und Steve McQueen sowieso, und sie schraubten den Standard fest und hoch: viel Kraft aus markigen Viertaktern. Mit längeren Federwegen und hochgelegten Schalldämpfern wurden die Maschinen für den Einsatz in Staub und Schlamm fit gemacht. Leichtere Enduros wie die legendäre XT 500 von Yamaha und Reiseschiffe wie die 1200 GS von BMW machten dem Scrambler-Treiben dann ein Ende, nur Triumph hatte noch einen im Programm. Bis Moto Morini vor einem Jahr auf dem Catwalk sein Revival vorstellte.


Und dies sei zu Ehren der tapferen italienischen Manufaktur, die zur Zeit unter staatliche Aufsicht gestellt gegen die drohende Zahlungsunfähigkeit kämpft, gesagt: Sie haben es stilistisch fast so gut hingekriegt wie die Engländer. Keiner hat in den letzten Jahrzehnten eine kunstvollere und elegantere Interpretation des klassischen Versuchs, Straßen- und Geländemotorrad zu vereinen, abgeliefert. 

Moto Morinis Scrambler schreit förmlich nach Publikum, nach Sonnenbrille, Campari Soda und Dolce Vita: Auf der Via Roma oder an der Promenade von Rimini hat er keine Konkurrenz zu fürchten, denn er kommt stilsicher und mit edlen Accessoires daher. Schaut mich an - Gitterrohrrahmen, Upside-Down-Gabel, rechtsseitiges Federbein, zwei Edelstahlschalldämpfer und ein schickes Cockpit.
Doch wie das so ist auch mit italienischen Maßanzügen: Sehen verdammt gut aus, aber sind nicht immer praktisch. Und Motorräder sollte man entspannt fahren können. 

Dreiklang aus Rasseln, Rammstein und Ramazotti 

Der Starterknopf erweckt ein wassergekühltes V2-Ungeheuer zum Leben, das jede Kontaktaufnahme per Gasgriff mit bösem Morini-Grollen quittiert. Man residiert weich - zu weich - und tief - zu tief - in der Maschine; am Rand der Sitzmulde zwickt ein harter Grad. Aus optischen Gründen sind die Fußrasten hoch - zu hoch - angebracht. Bei längeren Fahrern stört der Kniekehlenznick schon nach wenigen Kilometern - italienisches Design halt.


Der Scrambler, der auf der Basis des Straßenmodells Corsaro entstanden ist, hat den bulligen Morini-1,2-Liter-Motor, der mit unbändigem Drehmoment protzt, und schon ab 2500 Umdrehungen Vortrieb ohne Ende produziert. Die rohe Power hat allerdings, wenn man das Schaulaufen beendet, auch Schattenseiten - und die treten in Verbindung mit den Eingangs erwähnten, coolen Stollenreifen massiv zu Tage. 

Die Gummiklötzchen, auf denen das Hinterteil der Maschine ruht, sind für die schiere Kraft des Pakets schlichtweg ungeeignet. Die 117 PS zerren derart am relativ schmalen 150er-Pneu, dass man Fahrwerkspräzision, anständigen Kurvengrip und Lenkruhe getrost vergessen kann. Der Scrambler hoppelt, rutscht, eiert und schiebt, dass es eine wahre Freude ist, wenn man die erste Schockstarre überwunden hat, und die Morini als eigenwilliges Spaß-Gerät auf winklige Landstraßen akzeptiert. Auf allen schnelleren Strecken ist Vorsicht angesagt: Ab 170 km/h ist das Schlingern nur noch schwerlich zu kontrollieren; ein Phänomen, das die Moto Morini übrigens mit der Triumph Scrambler gemein hat. 

Die Bremsen, die in die Scheiben am Vorderrad beißen, machen den Macho-Job, die Scrambler in Grenzbereiche zu pilotieren, noch um einiges problematischer. Die Stopper greifen so gewaltig zu, dass die Stollen am Vorderrad schnell blockieren, und permanent unter Materialstress stehen. Die Gummis entwickeln nach spätestens 2500 Kilometern ein ausgeprägtes Sägezahnmuster; der Reifen muss runter. Dass der hintere Pneu etwas länger hält und wohl erst nach 3000 Kilometern komplett weggefetzt ist, tröstet kaum. 

Klötzernes Kurvengeschwurbel 

Auch der Motor selbst hat seine fetten Macken, denn er hängt gerne am Gas. Langsam fahren mag er nicht. Das Getriebe schaltet sich hervorragend, aber der erste Gang ist mit 70 Sachen so lang übersetzt, dass man im Stadtverkehr permanent zwischen hochtourigem Ruckeln und schlabbernder Kette hin und her schaltet. Auch unentschlossenes Cruisen sollte man vermeiden; wenn der Scrambler unter 2200 Umdrehungen von der Last befreit vor sich hin gurgeln soll, verschluckt er sich reglmäßig und geht- ebenso regelmäßig - schlagartig aus. 

Doch das, beruhigt Importeur Rauscher, sei nur eine mindere Einstellungssache und ein schnell lösbares Problem - genau wie die Krux mit den Stollenreifen. "Wir liefern inzwischen die Hälfte der Maschinen gleich mit Straßenbereifung aus", sagt er. "Und spätestens beim ersten Reifenwechsel steigt noch mal die Hälfte der Leute um." Ja, das macht Sinn, nach dieser Testfahrt und dem klötzernen Kurvengeschwurbel.

Doch schade ist die Umrüstung allemal. Was ist ein Scrambler noch ohne grobstollige Gummis? Jedenfalls kein Kunstwerk mehr, keine Ikone. Nur noch ein weiteres italienisches Motorrad. Und davon gibt's viele. Und bessere.

Damit war mein Moto Morini-Bedarf gedeckt. Ich hab den Niedergang der Bastler-Truppe nur noch am Rande verfolgt unds gelegentlich etwas vermerkt, wie z.B. letzten April:

Vor drei Wochen hatten die italienischen Auguren Bein und Stein geschworen, dass Paolo Berlusconi, der Bruder des größten italienischen Staatsführers aller Zeiten, sich den Kauf von MV Agusta vorgenommen hat. MV Agusta wird zur Zeit von Harley-Davidson wie Sauerbier angeboten, das Gerücht war also nahe liegend. 

Nach Angaben von motociclismo.it hatte der Mailänder Unternehmer, der bereits die Altmarke Garelli zu seiner Industrie-Gruppe zählt, allerdings bei seinem Shopping-Trip eine andere notleidende Marke im Visier: Moto Morini.


Nach Angaben der Online-Ausgabe von motociclismo.it von heute hat Berlusconi 2,9 Mio. Euro für die Marke, die Patente und die Produktionseinheit in Casalecchio Di Reno geboten - ein Betrag, den Moto Morini dringend brauchen könnte, um weiter Motorräder zu produzieren.

Wurde nichts, aus dem Deal, die Berlusconis haben ihr Geld lieber bei Bunga-Bunga verbraten. Und Moto Morini ging in die Insolvenz.

Bis gestern, am 13. April 2011: Doch beim ersten Bieterverfahren vor einem Gericht in Bologna hob sich keine Hand, die 5,5 Mio. Euro zu zahlen bereit war. Ich wage einen Tipp: auch beim nächsten Termin in rund zwei Wochen und beim abschließenden dritten Bietertermin wird niemand Geld in die Hand nehmen.


Aber anderseits: Es handelt sich um Italien. Und um die italienische Motorrad-Bauer-Erfinder-Konstrukteur-Finanzierer-Liebhaber-Mafia. Da ist alles möglich und noch alles drin ... ich muss die Büchsen ja nicht fahren.



19 Oktober 2009

Test Moto Morini Scrambler: das italienische Experiment


Moto Morini hat es gewagt, etwas so total Anti-Italienisches wie einen Zwitter aus Straßen- und Geländemotorrad zu bauen. Das Ergebnis ist eine optisch gelungene Interpretation des Scramblers. Der kühne Versuch hätte gelingen können, wäre da nicht der fatale Fehlgriff bei der Bereifung.

Achim Rauscher wusste natürlich, was auf mich zukommt. "Wir können dir auch gerne eine Maschine mit Straßenreifen geben", hatte der Verkäufer vorgeschlagen, als ich die Moto Morini Scrambler beim Importeur März in Ettlingen abholte. Ach ne, lass mal, warum auch? Fette Gummiklötze, martialische Stollenbereifung an bespeichten Felgen, das gehört zur Optik und zum Wesen eines Scramblers. Wenn schon Retro, dann richtig.

Marlon Brando fuhr einen Scrambler, 1954 in "The Wild One", und Steve McQueen sowieso, und sie schraubten den Standard fest und hoch: viel Kraft aus markigen Viertaktern. Mit längeren Federwegen und hochgelegten Schalldämpfern wurden die Maschinen für den Einsatz in Staub und Schlamm fit gemacht. Leichtere Enduros wie die legendäre XT 500 von Yamaha und Reiseschiffe wie die 1200 GS von BMW machten dem Scrambler-Treiben dann ein Ende, nur Triumph hatte noch einen im Programm. Bis Moto Morini vor einem Jahr auf dem Mailänder Catwalk sein Revival vorstellte.

Und dies sei zu Ehren der tapferen italienischen Manufaktur, die zur Zeit unter staatliche Aufsicht gestellt gegen die drohende Zahlungsunfähigkeit kämpft, gesagt: Sie haben es stilistisch besser hingekriegt als die Engländer. Keiner hat in den letzten Jahrzehnten eine kunstvollere und elegantere Interpretation des klassischen Versuchs, Straßen- und Geländemotorrad zu vereinen, abgeliefert.

Moto Morinis Scrambler schreit förmlich nach Publikum, nach Sonnenbrille, Campari Soda und Dolce Vita: Auf der Via Roma oder an der Promenade von Rimini hat er keine Konkurrenz zu fürchten, denn er kommt stilsicher und mit edlen Accessoires daher. Schaut mich an - Gitterrohrrahmen, Upside-Down-Gabel, rechtsseitiges Federbein, zwei Edelstahlschalldämpfer und ein schickes Cockpit. Doch wie das so ist auch mit italienischen Maßanzügen: Sehen verdammt gut aus, aber sind nicht immer praktisch. Und Motorräder sollte man entspannt fahren können.

Dreiklang aus Rasseln, Rammstein und Ramazotti

Der Starterknopf erweckt ein wassergekühltes V2-Ungeheuer zum Leben, das jede Kontaktaufnahme per Gasgriff mit bösem Morini-Grollen quittiert. Man residiert weich - zu weich - und tief in der Maschine; am Rand der Sitzmulde zwickt ein harter Grad. Aus optischen Gründen sind die Fußrasten hoch angebracht. Bei größeren Fahrern stört der Kniekehlenknick schon nach wenigen Kilometern - italienisches Design halt.

Der Scrambler, der auf der Basis des Straßenmodells Corsaro entstanden ist, hat den bulligen Morini-1,2-Liter-Motor, der mit unbändigem Drehmoment protzt, und schon ab 2500 Umdrehungen Vortrieb ohne Ende produziert. Die rohe Power hat allerdings, wenn man das Schaulaufen beendet, auch Schattenseiten - und die treten in Verbindung mit den Eingangs erwähnten, coolen Stollenreifen massiv zu Tage.

Die Gummiklötzchen, auf denen das Hinterteil der Maschine ruht, sind für die schiere Kraft des Pakets schlichtweg ungeeignet. Die 117 PS zerren derart am relativ schmalen 150er-Pneu, dass man Fahrwerkspräzision, anständigen Kurvengrip und Lenkruhe getrost vergessen kann. Der Scrambler hoppelt, rutscht, eiert und schiebt, dass es eine wahre Freude ist, wenn man die erste Schockstarre überwunden hat, und die Morini als eigenwilliges Spaß-Gerät auf winklige Landstraßen akzeptiert. Auf allen schnelleren Strecken ist Vorsicht angesagt: Ab 170 km/h ist das Schlingern nur noch schwerlich zu kontrollieren; ein Phänomen, das die Moto Morini übrigens mit der Triumph Scrambler gemein hat.

Die Bremsen, die in die Scheiben am Vorderrad beißen, machen den Macho-Job, die Scrambler in Grenzbereiche zu pilotieren, noch um einiges problematischer. Die Stopper greifen so gewaltig zu, dass die Stollen am Vorderrad schnell blockieren, und permanent unter Materialstress stehen. Die Gummis entwickeln nach spätestens 2500 Kilometern ein ausgeprägtes Sägezahnmuster; der Reifen muss runter. Dass der hintere Pneu etwas länger hält und wohl erst nach 4000 Kilometern komplett weggefetzt ist, tröstet kaum.

Klötzernes Kurvengeschwurbel

Auch der Motor selbst hat seine Macken, denn er hängt gerne am Gas. Langsam fahren mag er nicht. Das Getriebe schaltet sich hervorragend, aber der erste Gang ist mit 70 Sachen so lang übersetzt, dass man im Stadtverkehr permanent zwischen hochtourigem Ruckeln und schlabbernder Kette hin und her schaltet. Auch unentschlossenes Cruisen sollte man vermeiden; wenn der Scrambler unter 2200 Umdrehungen von der Last befreit vor sich hin gurgeln soll, verschluckt er sich leicht und geht manchmal schlagartig aus.

Doch das, beruhigt Importeur Rauscher, sei nur eine Einstellungssache und ein schnell lösbares Problem - genau wie die Krux mit den Stollenreifen. "Wir liefern inzwischen die Hälfte der Maschinen gleich mit Straßenbereifung aus", sagt er. "Und spätestens beim ersten Reifenwechsel steigt noch mal die Hälfte der Leute um." Ja, das macht Sinn, nach dieser Testfahrt und dem klötzernen Kurvengeschwurbel.

Doch schade ist die Umrüstung allemal. Was ist ein Scrambler noch ohne grobstollige Gummis? Jedenfalls kein Kunstwerk mehr, keine Ikone. Nur noch ein weiteres italienisches Supermoto. Und davon gibt's viele.

15 April 2011

Lauter Einspruch! Moto Morini sind doch die Guten ....

... behaupten jedenfalls einige Kommentatoren und Spezialisten, die sich meinen gestrigen Abgesang auf Moto Morini zu Gemüte geführt haben.

Kollege Markus Golletz vom http://www.motorradreisefuehrer.de schwelgt in Erinnerungen: "Habe gerade Deinen Motor Morini Blog überflogen. Ich war mit einem Freund 2009 da. Aber dieser alte Mann Franco Lambertini ist genial. Ich war selten so beeindruckt. Erst baut der die 3 1/2 Moto Morini und dann wie von der wohlverdienten Rente weggeholt diesen aktuellen Motor (den ich noch nicht gefahren bin). Irgendwie eine One-Man-Show. Als wir da waren, durften wir gleich mit dem Meister persönlich sprechen. Das war beeindruckend. Ich wünsche dem Laden eigentlich alles Gute."

Das tun wir hiermit auch, gute Wünsche ins Altersheim können ja allgemein nichts schaden. Aber irgendwie passt das schon zur Situation bei MM, dass da noch ein klassisches Konstruktionsbrett und ein fetter Röhrenmonitor im Bild ist.

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Carsten Heil sinnert über italienischen Sex: "Also wirklich Leute, macht Euch mal locker. Der Morini-V2 ist der unterhaltsamste Motorradmotor ever, keiner hat mehr Druck, keiner macht mehr Laune. Ich hab auf einer Corsaro Veloce schon mehr als 20.000 pannenfreie Kilometer abgerissen - und das wahrlich nicht im Bummeltempo. Das Teil hat mehr Sex als all die totlangweilig perfektionierten Großserien-Schrubber.

Und dass Stollenreifen mit diesem Monster-V2 überfordert sind, dürfte ja keine Überraschung sein. Deswegen hat der Importeur ja auch Straßenpneus angeboten ... Ansonsten einfach mal genauer recherchieren: In der dritten Versteigerungsrunde wird das Morini-Werksgelände nicht mitversteigert - seid Euch sicher, dass dann eine ganze Reihe Mitbieter am Start sein werden!"

The never ending story goes on ... vielleicht kommt das Zeichenbrett ja doch wieder zum Einsatz. Zu guter Letzt lassen wir Freund Clemens zu Wort kommen: "Tja, Morini... und tja, Aprilia. Und Guzzi. Aus Laverda wollt auch mal jemand was machen. Wenigstens Ducati gehts noch gut." Ja, und MV Agusta, die gibt es ja auch. Noch ...

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11 Dezember 2009

Moto Morini: Verwirrung um den Stand der Bike-Produktion

So isses nun mal in Zeiten der Krise: Die Gerüchte überschlagen sich und jeder Blogger wqill der Schnellste sein, wenn es darum geht, den Tod eines kleinen, aber feinen Herstellers zu vermelden. Zu weit aus dem Fenster gewagt hat sich vor zwei Tagen wohl asphalt & rubber mit der Meldung, dass Moto Morini de facto die Geschäfte eingestellt habe. Moto Morini hat sofort dementiert, zu Recht, und darauf verwiesen, man habe nur einen weiteren Freitag an einen italienischen Feiertag angehängt ...

Die Lage scheint allerdings etwas verwirrender, wenn man sich das Zitat anschaut, dass MotorcycleNews MCN einem Sprecher von Moto Morini zuschreibt. Er wird folgendermaßen zitiert: " ...at present Moto Morini is only producing bikes to order while they clear a backlog of machines in stock." Also doch Produktionsstopp, nur noch Bikes to Order...

Fakt und gute Nachricht ist, dass nach dem Sprecher Moto Morini die Produktion auf unabsehbare Zeit gestoppt wird, aber Kundenwünsche / Händlernachfragen zunächst aus der Halde im Lager befriedigt werden. Wenn man etwas nicht vorrätig hat, wird es eben gebaut. Macht ja kaufmännisch keinen Sinn, den Bestand unnötig aufzufüllen, wenn die Abverkäufe nicht so flutschen wie gewünscht.

Die schlechte Nachricht könnte sein, dass das auf der EICMA vorgestellten 2010er Granpasso- und Granferro-Modelle gar nicht erst in Produktion gehen. Ein stehendes Band ist in der Regel der Anfang vom Ende. Das italienische Procedere der Band-Stillegung - und damit einhergehend Kurzarbeit - erinnert stark an Buell. Auch dort wurde vor dem entgültigen Aus zunächst angekündigt, die Belegschaft für drei Monate auf Urlaub zu schicken. Unbezahlt natürlich.

Jetzt wird darüber spekuliert, ob sich nicht ein Investor finden könnte, mit dessen Spritze die Produktion wieder hoch gefahren werden könnte. Ja, vielleicht findet man einen Geldgeber, aber soooo viele sind auch in Italien nicht unterwegs, und die schauen sich zur Zeit schon MV Agusta an. Hat Harley-Davidson vor 18 Monaten noch 70 Mio Euro gekostet, aber ist jetzt sicher billiger zu haben.

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13 April 2010

Berlusconi-Sippe geht einkaufen - es soll aber nicht MV Agusta werden, sondern Moto Morini

Vor drei Wochen hatten die italienischen Auguren Bein und Stein geschworen, dass Paolo Berlusconi, der Bruder des größten italienischen Staatsführers aller Zeiten, sich den Kauf von MV Agusta vorgenommen hat. MV Agusta wird zur Zeit von Harley-Davidson wie Sauerbier angeboten, das Gerücht war also nahe liegend.

Nach Angaben von motociclismo.it hatte der Mailänder Unternehmer, der bereits die Altmarke Garelli zu seiner Industrie-Gruppe zählt, allerdings bei seinem Shopping-Trip eine andere notleidende Marke im Visier: Moto Morini.

Nach Angaben der Online-Ausgabe von motociclismo.it von heute hat Berlusconi 2,9 Mio. Euro für die Marke, die Patente und die Produktionseinheit in Casalecchio Di Reno geboten - ein Betrag, den Moto Morini dringend brauchen könnte, um weiter Motorräder zu produzieren.

Zur Zeit ist die Produktion bei Moto Morini quasi gegen Null herunter gefahren - Maschinen werden aus der Halde abverkauft oder nach Bestellung montiert.

Pikante Info am Rande: Folgt man dem italienischen Bericht, habe Berlusconi jetzt bei Moto Morini zu geschlagen, "um einer deutschen Investorengruppe" zuvor zu kommen. Wenn dem so war, wer mag das wohl gewesen sein?

Pläne hat der Investor offensichtlich mitgebracht: Zur EICMA 2010 soll ein Garelli-Roller mit einem 400ccm-Moto-Morini-Motor vorgestellt werden. Oder auch nicht - wenn sich auch diese Meldung wie so oft in heiße Luft auflöst.

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25 Mai 2010

Arrivederci! Moto Morini meldet Insolvenz an

Nach länglichem Hickhack und gescheiterten Verhandlungen mit Paolo Berlusconi, dem Bruder des italienischen Führers und Besitzers der Rollermarke Garelli, ist es jetzt amtlich: Moto Morini geht in die Insolvenz.

Die Übernahme und nötige Euro-Infusion zum Überleben scheiterte offensichtlich am Widerstand der italienischen Gewerkschaften, die konkrete Pläne und die Erklärung, die Modell-Palette auf Basis des 1200er-Zweizylindermotors weiter führen zu wollen, vermissten.

Wie es nun weitergeht, ist allerdings unklar: Nachdem Moto Morini bereits Anfang der Neunziger Jahre die Produktion eingestellt und 2005 wieder belegt worden war, wird nun darüber spekuliert, dass sich für die billige Konkursmasse durchaus ein Investor und Liebhaber finden lässt. In Italiens illustrer Motorradszene ist nichts unmöglich ...

Hier der Link zu den Artikeln über die Marke inklusive einem Test der 1200er Scrambler: http://moto1203.blogspot.com/search?q=morini

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09 Oktober 2008

Moto Morini: Schwarzer böser Bube


Um die Legende Moto Morini war es nach der überraschenden Wiedergeburt der Marke in 2004 wieder ziemlich ruhig geworden - der erste große Wurf, die Corsaro 1200, hatte mit Qualitätsproblemen zu kämpfen und Neues war nicht wirklich nachgekommen.

Inzwischen scheinen die Kinderkrankheiten des Moto Morini-Triebwerks ausgestanden und neben der aktuellen Granpasso 1200 zeigen die italienischen Kleinserien-Hersteller aus Casalecchio di Renpo in Halle 10.1 ein echtes Schmuckstück: die Scrambler 1200 (im Bild) zum Preis von 11.795 Euro.

116 PS und 105 Nm aus einem 1187 ccm-V-2-Motor, verbaut in einem Stahlrohrrahmen mit Aluschwinge und UpSideDown-Gabel, klassische Speichenräder und einem kühn geschwungenen Edelstahl-Schalldämpfer-Duo. Das gesamte Paket in Nachtschwarz rollt auf den für einen Scrambler passenden Stollenreifen.

Würde Steve McQueen noch fahren: Für dieses Schmuckstück würde er das Original von Triumph in die Ecke stellen.

intermot2008koeln

21 Juli 2010

Motorradonline: Insolvenz - Ausverkauf bei Moto Morini?

Billig eine Moto Morini erstehen? In Bologna werden 200 Motorräder ab Werk verkauft - zu günstigsten Preisen. Aber ohne Garantie und man sollte vor Ort auftauchen .... wahrscheinlich kein Schnäppchen. Mehr dazu bei Motorrad Online.

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16 Oktober 2009

Honda: Tochter Montesa entlässt 50 % der Belegschaft


Was für eine Woche für die Branche.

1. Erst der komplette Aus für Buell.

2. Nun schlechte Nachrichten aus Spanien. In der alten Montesa-Fabrikation in Barcelona soll nach dem Hinweis eines spanischen Insiders 140 Beschäftigte entlassen werden - mithin also etwa 50 Prozent der Belegschaft.

Honda hält die Besitzanteile an dem Werk seit Markeintritt in Spanien 1980 - die Japaner waren damals als Preis für den Zugang zum lukrativen spanischen Markt gezwungen, ein Joint Venture mit einem einheimischen Hersteller einzugehen.

Nach Angaben aus Spanien ist die Fabrikation bei Montesa auf max. 80.000 Einheiten pro Jahr ausgelegt, hat aber seit der Übernahme durch Honda nie mehr als jährlich 35.000 Units hauptsächlich im Rollersegment gebaut.

3. Ach ja: Auch in Italien rumort es gewaltig. Bei Moto Guzzi wird immer noch tageweise gestreikt und Moto Morini beantragt "Amministrazione controllata" - nach Aussage des Importeurs eine "Form staatlicher Aufsicht über Unternehmen; und in Italien absolut nicht unüblich)" - nach Google-Übersetzung allerdings "Konkursverwaltung" ...

Schönes Wochenende.

07 November 2009

EICMA 2009: Hoffen auf bessere Zeiten und die neuen Modelle 2010

Die Show in Paris wurde abgesagt - von den großen europäischen Motorradmessen bleibt 2009 nur die EICMA in Mailand übrig. Vom 10. bis 15. November will die angeschlagene Branche dort die Neuheiten für 2010 zeigen. Zwei große Japaner bleiben allerdings zuhause.

2008 glänzte die EICMA noch mit Superlativen: über 1000 Aussteller aus 30 Ländern und knapp eine halbe Million Besucher. In diesem Jahr kommt die letzte Leitmesse der Motorradbranche - die "Mondial du Deux Roues" in Paris im Oktober wurde kurzfristig abgeblasen - bescheidener daher.

Die Bereitschaft der Hersteller und Händler, sich einen fulminanten Messeauftritt zu gönnen, tendiert gegen Null. Denn die Kosten sind immens: Ein einwöchiger Mega-Stand verschlingt einen sechst- bis siebenstelligen Euro-Betrag. Viele Hersteller in den USA, aus Italien und Japan können sich solche Summen schlichtweg nicht mehr leisten, wenn die Verkäufe teilweise bis zu 50 % weg gebrochen sind. Die Branche geht durch ein tiefes Tal der Tränen; Marken wie Buell und Produktionsstandorte werden zur Zeit kurzer Hand dicht gemacht, die Belegschaft ist auf kurzarbeit. Die Zahl der Aussteller ist deshalb schmerzlich geschrumpft und mit Yamaha und Honda fehlen gleich zwei der vier großen japanischen Motorradbauer in Mailand.

Dennoch: Auch in diesem Jahr wird es Premieren geben. Mit dabei ist BMW, das den Elektroroller C1-E bereits gezeigt hat, eine Neuauflage des Dauerbrenners R 1200 GS vorstellt und vollmundig ankündigt, dass "mehrere BMW-Motorräder Weltpremiere" haben sollen.

Das Heimspiel lassen sich auch die Italiener nicht nehmen: Obwohl Moto Guzzi notorisch klamm ist und Moto Morini von heftigen Finanzproblemen geplagt nach neuen Investoren sucht, haben beide Updates der bewährten Modelle wie der Norge und Gran Passo angekündigt. Aprilia aus dem Piaggio-Konzern trumpft auf mit der Straßenversion der Rennmaschine aus der World-Superbike-Serie, der brachialen RSV4 R.

Aus dem Werk von Ducati in Bologna sind bereits Bilder einer kleinen Hypermotard 796 gesickert und eine völlig neue Multistrada 1200 hat sicher das Zeug, mal wieder den Titel "Best Bike of Show" für die Ducatisti einzuheimsen. MV Agusta, vom Besitzer Harley-Davidson nach nur 16 Monaten wieder zum Verkauf angeboten, will geliftete Naked Bikes Brutale 990 R und 1090 RR und eine neue F4 zeigen. Die Konzernmutter Harley rollt vier neue Oldtimer, unter anderem eine Electra Glide, eine Dyna Wide Glide und eine Fat Bob Special auf den Laufsteg.

KTM wird mit Sicherheit eine neues Crossmodell und eine runderneuerte 690 Duke R zeigen; gespannt ist man auf die ersten Gehversuche der Österreicher im Bereich Elektro-Bikes. Triumph hingegen baut mit der Rocket III Roadster weiter auf bewegte Masse.

Die größten Gewinner der Show könnten Suzuki und Kawasaki werden. Im Gegensatz zu den Konkurrenten Yamaha und dem Branchenprimus Honda zeigen die beiden japanischen Hersteller Präsenz und verweisen gleichzeitig, in welche Richtung die Modellpolitik in Zukunft gehen kann: Kontinuität bei den Verkaufsrennern und Modellpflege im Massenmarkt. Suzuki hat die neuen verfeinerten Banditmodelle GSF1250 und GSX1250 und einen M800-Cruiser bereits auf der IAA kurz vorgeführt. Kawasaki setzt auf aktuelle Versionen der bewährten Versys, der Ninja ZX-10R und des Tourenschiffs 1400GTR.

Dass Honda und Yamaha fehlen, ist schade: Yamaha, dessen italienisches Werk angeblich auf der Kippe steht, könnte positive Marktimpulse dringend gebrauchen. Und Honda hätte Bemerkenswertes vorzuweisen. Zumindest die brandneue VFR1200F wird den Markt der Highend-Sporttourer aufmischen. Mit dem völlig neu entwickelten V4-Motor, einem vollautomatischen Doppelkupplungs-Getriebe und jeder Menge Elektronik setzt das Flagschiff neue Standards.

Das tut Honda übrigens auch in einem ganz anderen innovativen Zweirad-Bereich, der in Mailand stark vertreten sein wird: Die Super Cub, mit einer Stückzahl von über 60 Millionen das meist produzierte Motorradmodell der Welt, wurde kürzlich auf der Tokyo Motor Show als EVE-Cub in der Elektro-Version vorgestellt. Da spielt die Musik.

Die aktuelle Modellübersicht - ab Di. zeitnah aktualisiert - hier bei Spiegel Online.

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25 August 2009

Moto Morine: neue Motard 2010 beim Test in Italien erwischt

Die Paparazzi von motociclismo.it haben auf einer Rennstrecke an der Adria die Ingenieure von Moto Morini beim Testen eines neuen Modells erwischt - offensichtlich die Motard-Version der bewährten Granpasso - ein direkter Konkurrent der neuen Ducati Strada Aperta, die ebenfalls nächsten Jahr kommen soll.

Hier der Link zum italienischen Text und einer ausführlichen Bildergalerie

17 Mai 2006

Motogiro I: Historie auf zwei Rädern

Es tropft. Es läuft. Ein Notfall. Unter dem Motorblock der Ducati breitet sich der Sprit wellenförmig aus. Rino Nadalini wird etwas nervös und schwitzt unter seinem altersstarren Leder: In zehn Minuten soll er mit seiner 250 GT Baujahr 1966 bei der Motogiro 2006 über die Startlinie rollen - Rino, letztes Jahr wurde er Siebzig, ist einer der 273 Teilnehmer der Fünf-Tage-Rundtour durch die Italienischen Marken und die Abruzzen mit Start- und Zielort Rimini. Rino, die anderen Teilnehmer der Motogiro und ihre Maschinen - sie haben eins gemeinsam: ihre gesegnetes Alter.

"Kein Problem, Signore Rino, machen wir sofort klar!" Gianluca Abatantuono, mit seinen 32 Jahren ein echter Jüngling neben Rino, stochert mit dem Schraubenzieher in dem morschen Benzinschlauch, grabbelt in seine Spezial-Ersatzteilkiste und fördert zwei schnöde Schellen zu Tage. Zwei Minuten später ist der Ducati-Oldtimer trocken gelegt und Rinos Einsatz gesichert. Der Rentier ist sichtlich erleichtert: "Danke, mein Sohn, Danke."

Eigentlich - das sei hier angemerkt, kurz bevor ein infernalisches Gebollere einsetzt und die Maschinen zum Start rollen - eigentlich ist Abatantuono ebenso wie sein Freund und Kollege Maurizio Margiacchi für die Rolle des Benzinschlauchwechslers irgendwie überqualifiziert: Im wirklichen Leben zwischen Montag und Freitag sind die beiden Ducati-Mechaniker in ihrer Arbeitsgruppe mit der Entwicklung der heiß erwarteten Hypermotard beschäftigt. Was sie im Detail derzeit tun, wie die Dinge im Allerheiligsten in der Via Ducati derzeit stehen - darüber wollen beide allerdings lieber nicht reden: "Sorry, Sorry..."

Über die Motogiro hingegen gerne: ""Einsatz hier ist echte Ehrensache", brüllt Maurizio, weil hinter ihm einige der alten Herren langsam unruhig werden und nervös mit der Gashand zucken. "Ist bisschen wie jährliches Familientreffen."

In der Tat ist der Gang durch das Fahrerlager wie eine Schnelldurchlauf durch die Firmengeschichte der italienischen Motorradindustrie im Allgemeinen und der Roten aus Bologna im Speziellen: Alte Gileras, Moto Guzzis, Mv Agustas, Exoten wie die Motobi und Aero Caproni, Mondials und Aermacchis in der Klasse bis 175 cc und Baujahr vor 1957 werden kurz vor dem Schaulaufen noch kurz gewienert und auf ordentliche Betriebstemperatur gebracht.

Sie stehen neben den Youngtimern der Taglioni Memorial Class - Maschinen über 250 cc, gebaut zwischen 1968 und 1978 - auch hier echte Meilensteine der Motorradgeschichte: alte Laverdas, Matchless, Norton, Moto Morini und eben Ducatis wie die Darmah und die legendären Scrambler.

Und dazwischen: die lebenden Legenden am Fachsimpeln. Startnummer 23 lacht mit der 41 und wird von 51 fotografiert - es handelt sich um Remo Venturi (Sieger im letzten Rennen 1957, bevor die Motogiro 2001 neu aufgelegt wurde), Guiliano Maoggi (letzter Ducati-Sieger 1956) und Vicki Smith aus Florida, die 2001 als erste teilnehmende Frau am Lenker Motogiro-Geschichte schrieb.

Jetzt gehts los; die erste von fünf Tagesetappen wird freigegeben. Jetzt jubeln die alten Motoren. Die beleibten Carabinieri auf den BMW-Dickschiffen lassen das Blaulicht rotieren und räumen den Weg mit Grandezza frei: Die Motogiro 2006 ist unterwegs. Raus aus Rimini, hoch nach San Marino und rein in die Hügel der Marken - ideales Motorradrevier. Und die Veteranen lassen den Gummi glühen: Auf Profilen so breit wie eine Kinderfaust heizen sie durch die Gassen von Montecalvo, Urbino und Aqualagna. Von dort geht es weiter über Cagli und Belvedere wieder runter an die Adriaküste zum Tagesziel Ancona.

Stau im Feierabendverkehr, einmal die Orientierung verloren, aber rundum gute Laune: 235 Kilometer - ein Traumtag auf Rädern und bis jetzt nur zwei totale Ausfälle auf der Starterliste. Wars das für die Beiden? Abwarten. Gianluca hat so seine Pläne für den Abend - und sicher noch was parat in seiner Spezialkiste: "Mal schauen, was wir heute noch hinkriegen und wie es die nächsten Tage weitergeht."

© Jochen Vorfelder

25 Mai 2010

Moto Guzzi - Die Ausstellung im Auto & Technik Museum Sinsheim

Beim gepflegten Oderwald- und Kraichgau-Bollern (ErnieT., wart ihr schon da?) gibt es diesen Sommer einen weiteren, lohnenden Boxenstopp: Die Geschichte der Kultmarke aus Mandello wird in Wort, Bild und Exponat in Sinsheim (schräg gegenüber vom neuen Hoffe-Stadion ...) vorgestellt ...

Ein Muss also für alle Guzzi-Fans .... aber gibt es davon noch so viele? Dass sich eine Ausstellung lohnt? Vielleicht wechseln ja die seit der Insolvenz heimatlosen Moto Morini-Fans ins andere Lager über.

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04 November 2010

#eicma10 Halbzeiteinschätzung EICMA - Platzhirsche retten die Show mit Bunga-Bunga

Der Andrang auf der Eicma in Mailand ist ungebrochen, und die Hersteller blicken wieder zuversichtlicher nach vorn. Sie zeigen Einsteiger-Maschinen, kraftvolle Powercruiser und futuristische Scooter. Doch die neuen Modelle werfen auch kritische Fragen und seltsame Kommentare von allerhöchster Stelle und Autorität auf.



Halbzeit in Mailand auf der EICMA: Nach einem gut besuchten Presseauftakt und massivem Gedränge an den Ticketschaltern möchte man meinen, dass es für die Motorradhersteller nach dem Krisenjahr 2009 wieder aufwärts geht. Ducati vermeldet, dass das bisherige Jahr glänzend verlaufen sei. BMWs oberster Motorradfahrer Hendrik von Kuenheim berichtet: "Per September übertrifft der Absatz von BMW Motorrad den von 2009 um 17 Prozent." Und Honda rechnet damit, das im kommenden Jahr die Talsohle durchschritten ist.

Doch wer genauer hinschaut, erkennt leicht, dass lediglich einige Premium-Hersteller - wie Ducati und BMW - zu den Krisengewinnern nach dem dramatischen Einbruch der Branche zählen. Ein Minus bei den Verkaufszahlen von rund einem Viertel im Vergleich zum Krisenjahr 2009 war die Regel; in manchen Segmenten, etwa bei den teuren Supersportlern, liegt es bei manchen Produzenten bei fast 35 Prozent.

Den Japanern ist zudem der Mittelbau weg gebrochen - die Brot- und Butter-Maschinen zwischen 6000 und 8000 Euro gehen nicht mehr wie gewohnt. Auch der Rollermarkt stagniert. Nur einige innovative Marken - und vor allem die drei oben genannten Platzhirsche auf dem Motorradmarkt - haben in Mailand die wichtigen Akzente gesetzt.

Teuflische Strategien

Einer der Stars der Messe und wohl erster Kandidat auf den Titel "Best Bike EICMA" ist die Ducati Diavel - der "Teufel", ein bitterbös anzusehendes Macho-Bike. 162 PS leistet der Testastretta-Zweizylinder; das Fahrzeug ist ausgestattet mit allen Standards wie ABS, Traktionskontrolle und elektronischen Fahr-Modi. Es ist der erste Powercruiser von Ducati - und Beispiel für den Mailänder Trend: Alle großen Hersteller suchen unbesetzte Nischen und diversifizieren in für sie neue Segmente.

Auch BMW hat mit Modellen, die einer solchen Strategie zwangsläufig folgen, überrascht. Neben einer neu gezeichneten G 650 GS, die jetzt optisch vollständig in die GS-Linie passt, wurde das Concept C-Bike gezeigt - BMW baut ab nächsten Jahr Groß-Roller mit eigenem Zweizylinder-Motor. Der sportliche Power-Scooter, der wohl Ende 2011 in der endgültigen Form vorliegen wird, ist eine Kampfansage an die japanische Konkurrenz; die zweite nach der Superbike-Kampfansage mit der S1000RR. Damit und mit dem neuen Supertourer K 1600 GTL/GT von der Kölner Messe vor vier Wochen sind die Bayern gut aufgestellt.

Auch Husqvarna, die italienische Offroad-Tochter der Münchener, hat sich breiter positioniert. Die schrille Mille3-Studie, ein Low-Cruiser mit unkonventionellem Dreizylinder-Motor, wird so wohl nie gebaut, aber ist ein eindeutiges Statement: Wenn wir wollen, dann können wir auch ganz anders. Und wir wollen.

Auch Triumph erweitert in neue Bereiche. Die neue Tiger 800 und Tiger 800XC sollen im Enduro-Mittelfeld und vor allem unter den Käufern der BMW F 800 GS wildern. Das könnte klappen, denn die Triumph hat eine gute Trumpfkarte - den seidenweiche Dreizylinder-Motor mit 95 PS.


Rundumschlag bei Honda

Alles neu macht Mailand - wo Honda im vergangene Jahr aus Budgetgründen erst gar nicht angetreten war. Diesmal hat sich der größte Japaner nicht lumpen lassen: vier Überarbeitungen, vier neue Modelle und zwei Konzept-Studien; Honda wird 2011 jedes Erfolg versprechende Marktsegment neu beschicken und zusätzliche ausloten. Man setzt auf den Nachwuchs, der mit der flotten Achtelliter-Maschine CBR125R ans Fahren rangeführt werden soll. In der Theorie folgt dann der Aufstieg in die Viertelliterklasse - mit der ebenfalls neuen CBR250R - und der Umstieg auf die feine, eine weitere Nische füllende CBR600F.

Sorgen macht vielen Beobachtern die neue Honda Crossrunner. Die V4-Maschine mit 800 Kubik ist ein Design-Hybrid aus Naked Bike und Reise-Enduro und soll sich mit bestens verkaufenden Modellen wie der Ducati Multistrada messen. Die hat allerdings 1200 Kubik, mehr Power und vor allem mehr Herzblut - die Crossrunner ist dagegen ein typisches, für alle weltweiten Märkte konzipiertes Konsens-Motorrad. Chancen in diesem Kampf hätte da wohl eher die vorgestellte Enduro-Studie auf Basis der VFR1200, aber die ist ebenso noch Zukunftsmusik.


Schattenwirtschaft 

Kawasaki arbeitet hart, aber hat sein Pulver mit der neuen 1000er Ninja - dem König auf dem Superbike-PS-Thron - und der Retro-W800 schon vor vier Wochen in Köln verschossen. Bei Suzuki und vor allem Yamaha tut sich fast gar nichts in Sachen Innovation; zudem lässt der aktuelle Yen-Kurs nichts Gutes für die Zukunft ahnen.

Doch wirklich enttäuschend - um nicht zu sagen deprimierend - sind diesmal die kleinen, aber feinen Italiener, die in den vergangenen Jahren auf ihrer Mailänder Hausmesse immer für Furore gesorgt haben. Moto Morini ist zur Zeit mal wieder bankrott. Benelli hat 100-jähriges Jubiläum und deshalb die Farbgebung geändert. Moto Guzzi verkauft einen 32-Liter-Tank auf der neuen Stelvio 1200 als einschneidendes Ereignis. Na prächtig.

MV Agusta stellt die kaufbaren Modelle, die Brutale und die F4-Modelle gar nicht erst aus, sondern hat um einen Prototypen der allseits erhofften F3 mit drei Zylindern und 600 Kubik einen weißen Schrein gebaut, der wie ein Mausoleum wirkt. Die Maschine soll Ende 2011 kommen - vielleicht.

Gekommen zur Eröffnung der EICMA - und zu der F3-Inszenierung - ist dagegen Silvio Berlusconi. War er mal wieder verwirrt mit seinen 74 Jahren? Davon kann man ausgehen. Weil er eine hohe Arbeitsbelastung habe, so Berlusconi in seiner Rede, schaue er hin und wieder gerne schöne Frauen an und finde dies besser, "als schwul zu sein". Bunga-Bunga!

Die vollständige Foto-Show von moto1203 gibt es bei SPON unter http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-61290.html

19 Mai 2006

Motogiro II: Heroen der Landstraße

Remo ist schnell. Ziemlich schnell sogar. Muß er auch sein: Hinter ihm hängt Alexander Clahsen aus Mönchengladbach und der macht mächtig Druck. Doch Remo Venturi zeigt keine Nerven: Er geigt durch die Serpentinen, daß es eine reine Freunde ist. Bremst die Spitzkehren steil an und knüppelt die Gänge rein. Venturis knallrote MV Agusta stöhnt, knallt und stößt weißen Rauch aus.

Nein, das ist nicht die Papstwahl, sondern ein knüppelhartes Motorradrennen: Es geht um den Sieg. Seit zwei Stunden sind wir hier auf der dritten Etappe der Motogiro 2006. Der heutige Rundkurs führt über 281 Kilometer von Ascoli Piceno am Rande der Abruzzen durch den Nationalpark Gran Sasso.

Und die Etappe hatte manche Überraschung für die Fahrer und Fahrerinnen parat: unübersichtliche Landstraßen mit haarigen Schüttelpassagen, die fast nur aus Schlaglöchern bestehen, Haarnadelkurven, die die Oldtimer - und ihre Piloteure - an den Rande ihrer Fähigkeiten treiben, und natürlich Steigungen satt: Eben haben wir einen Pass auf knapp 1700 Meter passiert und - man mag es nicht glauben - im Mai ein Schneefeld gestreift. Ja, ist das denn überhaupt die Motogiro? Oder etwa die Centopassi?

Etappe drei, soviel ist jetzt schon kurz nach der Halbzeit klar, ist nach den eher beschaulichen ersten beiden Tagen ("Das ist doch hier echt ne Kaffeefahrt," hat mir Einer gestern abend beim Abendessen zugeraunt) eine echte Herausforderung an Mensch und Maschine. Heute ist der Tag, an dem der Sauerstoff knapp wird, die Einzylinder nach Luft schnappen; der Tag, an dem die alten Maschinen alles geben müssen. Heute ist der Tag, an dem sich in Sachen Endklassement die Spreu vom Weizen trennt: Die Ankunftszeiten, die der Veranstalter vorgegeben hat, werden einige nicht einhalten können.

Viele Teilnehmer aus den USA daddeln den Rest des Jahres mit fetten Cruisern über Floridas Highways und haben ihre Motogiro-Maschinen permanent in Italien geparkt. Sie sind die Abruzzen-Verhältnisse schlichtweg nicht gewohnt. Unter den Engländer hingegen, die zahlenmäßig ebenfalls stark vertreten sind, entwickeln viele echte missionarische Züge - selbst der Schwächste darf sich bei ihnen noch einreihen. Und wie das halt bei den Briten so ist: Wenn man mal seinen Platz in der Schlange hat, wird nicht nach vorne gedrängelt...

Egal. Die kleine Startergruppe, mit der ich heute unterwegs bin, kann das enge Zeitbudget nicht schrecken: Der Holländer mit der Startnummer 16, der vorne unerbittlich die Pace macht, ist seit 2001 jedes Mal am Start und wird auch dieses Jahr wieder als Geheimtipp auf den Gesamtsieg gehandelt. Hinter vorgehaltener Hand wird aber sofort angemerkt: "Gewinnen tut aber nur ein Italiener...". Egal, Speed kann man ja trotzdem machen.

Alexander Clahsen auf seiner 175er Gilera ist im Vergleich zu ihm ein echter Frischling, weil das erste Mal in Italien am Start, aber er kann viel Supermoto-Erfahrung in die Waagschale werfen.

Und Venturi? Auch um den muß man sich keine Sorgen machen. Mit seinen 80 Jahren ist er zwar der älteste Fahrer im Klassement der Vintage Class, doch er reitet die Strapazen stoisch auf der linken Backe ab. Klar, die Augen machen nicht mehr so richtig mit, drum trägt er seit letztem Jahr eine Brille. Aber sein MV Agusta ist "taufrisch" wie er selbst, betont er, und sie ist definitiv ein Siegerfahrzeug: "Seit wir 1957 zusammen gewonnen haben, wurde sie immer gut gepflegt."

Nach fünf Stunden und zwei Stopps - mit Pinkelpause, Schnittchen und dem obligatorischen Schlückchen Rotwein für Venturi - kommt Ascoli Piceno wieder in Sicht. Siebzehn Uhr, Berufsverkehr, doch die Motogiro-Karawane schlängelt sich mit voller Billigung der in Kohortenstärke angetretenen Carabinieri an den stauenden PKWs vorbei.

Brillen ab, ein Schluck Wasser: Zum Abschluß findet auf der Piazza Arringo im historischen Zentrum die letzte Sonderprüfung statt. Und diesmal heißt es langsam fahren: Ein Slalom von rund dreißig Metern Länge muß in exakt 12 Sekunden gemeistert werde; jede Sekunde mehr oder weniger wird mit Strafpunkten belegt. Clahsen, Venturi und der fliegende Holländer - alle drei Fahrer bugsieren ihre Maschinen auf die Sekunde genau durch die Lichtschranke.

Heute war ein totes Rennen, doch noch sind zwei Etappen zu fahren. Die Konkurrenz - immerhin sind nach drei Tagen von den 112 Startern noch über 90 dabei - ist groß. Wer darf am Samstag abend beim Abschlußbankett zum Hauptgewinn, einer "Motogiro"-Edition der Sportclassic 1000, auf die Bühne?

© Jochen Vorfelder

Zu den Fotos:

Erstes Bild - Bergrennen: Die dritte Etappe 2006 führte über 281 Kilometer von Ascoli Piceno aus durch den Nationalpark Gran Sasso in den Abruzzen.

Zweites Bild - Legenden unterwegs: Alexander Clahsen (li.) neben Remo Venturi (Nr.23). Venturi hat die Motogiro 1957 gewonnen. Und im April dieses Jahres hat er seinen achzigsten Geburtstag gefeiert.

Drittes Bild - Ortsdurchfahrt: In Isola del Gran Sasso. Die kritische Zuschauerin (re.) ist wahrscheinlich jünger als der Fahrer auf seiner 175er Morini.