Berlin, Brunnenstraße. Da läuft man nichts ahnend durch die Neue Mitte der Hauptstadt und nimmt im Augenwinkel die üblichen Duftmarken von Aufbruchstimmung wahr: schicke Galerien neben vietnamesischen Imbiss-Stuben, Designerboutiquen für Damenoberbekleidung neben dem Sushi-Shop. Und alles in trauter Nachbarschaft zum „Umsonst-Laden“, der im Frühjahr noch mit einer polizeilichen Streitmacht von 600 Beamten zwecks Personalienfeststellung bei sechs Bewohnern umzingelt wurde.
Da passt es ins Bild, dass in einer Baulücke hinter einem mannshohen Gittertor, schwer verrammelt mit dicken Fahrradschlössern, ein Fahrzeugpark von einem Kettenhund bewacht wird. Einige elend lange Limos, ein alter Mustang, ein cremefarbener Cadillac Fleetwood und – was ist das bloß? – aha, ein völlig runter gekommener Buick Riviera. Der Ami-Schrott ist rabenschwarz; beschriftet in weißer Blockschrift: DEATH PROOF – Todsicher. Erste Gedanken: Das Teil ist sicher tot. Oder läuft er noch?
Wir fragten Roman Pusch vom Autoverleiher und Filmausstatter Sagecars, was es mit dem DEATH PROOF–Schlitten auf sich hat.„Wir hatten Anfang Juli eine Anfrage vom Filmverleiher Senator Film. Schafft ihr es, uns innerhalb einer Woche zur Berliner Prämiere des neuen Quetin Tarantino-Films Death Proof einen der beiden Hauptdarsteller des Films, nämlichen einen Dodge Charger oder einen Dodge Challenger, zu besorgen?“
Das klappte nicht auf die Schnelle – nicht zum möglichen Budget. Aber ein Buick Riviera, den Pusch im Angebot hatte, fand Senator für die Promotion-Aktion auch nicht schlecht. Wie lief das?
„Wir haben kurz recherchiert und dann von einem Händler in Westdeutschland den Buick gekauft, Baujahr 1963. Er hatte ihn wiederum vor geraumer Zeit von einem anderen Händler in Schweden erstanden; dort ist der Wagen bis vor ein paar Jahren noch gelaufen.“
Dass die Unbill der Natur im Land der Mittsommernacht, die winterlichen Minusgraden und heftigen Schneeverwehungen an einem Wagen nagen, ist offensichtlich: Der Buick ist völlig durchgerostet, die Motorhaube hängt am seidenen Faden, der Unterboden quasi nicht mehr existent.
Nur die Maschine hat sich offensichtlich gegen den sofortigen Exitus gewehrt: „Batterie rein, ein paar Mal georgelt, und schon lief er. Zwar nicht rund, aber lief,“ sagt Pusch.
Nähere Bekanntschaft mit einem TÜV-Prüfer musste der Buick ohnehin nicht machen. Mit Totenkopf versehen und entsprechend beschriftet, wurde der Ami mit einem Transporter zum Bahnhof Zoo verholt und dort pünktlich zur Deutschland-Premiere des Films für zwei Wochen vor den Zoo-Palast gestellt.
Ein kurzes Highlight an Ende einer langen Auto-Karriere – was wird nun aus dem Teil, wollen wir von Pusch wissen. „Zukunft hat er nicht wirklich - aber es gibt konkrete Pläne. Wahrscheinlich wird er für einen Kinofilm, bei dem es auch ein Attentat gibt, im Hintergrund in die Luft gesprengt. Bye-Bye, Buick.“
(c) Jochen Vorfelder























