19 Februar 2007

Traummotorräder - und wo sie herkommen...

Der gute Dennis vom Moppedblog hat kürzlich eine auf den ersten Blick interessante Statistik vorgestellt: Laut einer Umfrage von TNS-Infratest vom November 2006 würde sich der gemeine deutsche Zweiradfahrer am ehesten entweder eine BMW R1150GS oder eine Harley Davidson Fatboy kaufen - vorausgesetzt, er hätte das nötige Kleingeld dazu.

Auf den zweiten Blick spannender ist allerdings eine andere Frage: Wie kommt es dazu, daß sich manche Firmen in der Gunst des Kunden durchsetzen und andere nicht? Und wenn sie erfolgreich sind - warum dann auch noch weltweit auf den unterschiedlichsten Märkten? Warum also hat BMW über alle hinweg Segmente gesehen weltweit einen fast zu vernachlässigenden Marktanteil und Honda solch eine Dominanz?

Eine leise Ahnung von der wahrscheinlichen Antwort gibt ein Artikel, der am Wochenende in der New York Times erschienen ist und seit gestern auch online steht: "From 0 to 60 to World Domination" beschreibt, wie es der japanische Hersteller Toyota geschafft hat, sich - gemessen in Automobilquantenzeiten - innerhalb kürzester Zeit an die Weltspitze in Sachen Branding, Innovation und Verkaufszahlen zu setzen.

Wer sich für Zweiräder interessiert, kann manchmal von den Vierrad-Bauern viel lernen. (Apropos lernen: Hier lernt man übrigens auch, warum der anglo-amerikanische Journalismus in Sachen Industriereportage und -Dossier immer noch Weltniveau ist.)

Der Platzwart

16 Februar 2007

Ganz schön kalt...

Es ist schon Routine - bei Millionen von Klickern: Nach der Ankunft im Büro Rechner an, SPON aufgerufen, und die Nachrichtenlage gecheckt.

Und immer häufiger schleudern die Gravitationskräfte des Produktionsdrucks - der nach Aussagen dort Ansässiger erheblich sein muß - die Redakteure in Umlaufbahnen, die den Normalsterblichen wie unsereins staunen und sinnieren läßt. Worte, ja ganze Wortgebirge werden dort geboren; Satzsequenzen gedrekselt, die uns über den lieben langen Tag helfen.

Beispiel heute aus dem Beitrag "Sturm schleudert Deutsche in neun Kilometer Höhe": "Wisnerska hatte zudem mit Temperaturen von minus 50 Grad in der Größe von Apfelsinen zu kämpfen."

Ja, darüber denken wir doch heute mal fruchtig nach.

Ergänzung: Um 12:30 war der Text schließlich korrigiert in: "Wisnierska hatte zudem mit Hagelkörnern in der Größe von Apfelsinen zu kämpfen."

Der Platzwart

15 Februar 2007

Neue Filme: peinlich bis auf die Knochen ...

Neue Filme am Horizont: Am 22. Februar kommt der neue Fantasy-Actionstreifen „Ghost Rider“ ins Kino und Mitte April folgt die Roadmovie-Komödie „Born to be wild – Saumäßig unterwegs!“.

Beide Streifen sind zwei Vertreter des interessanten Phänomens "Product Placement", das bei öffentlich rechtlichen Sendeanstalten gelegentlich noch für Aufregung, Entlassung und ideologischen Zuckungen führt, im Filmgeschäft aber Gang und Gebe ist. James Bond fährt halt Ford Fiesta, wenn es in der Produktionskasse klingelt.

Ob allerdings Harley-Davidson sich mit diesen beiden Newcomern auf der Leinwand einen Gefallen getan hat, mag dahingestellt sein - aber selten ging die Adaption einer Idee in Form eines Drehbuchs so daneben wie bei diesen beiden Machwerken. Wer sich davon inspiriert fühlt, ins Lager der Harley-Fans zu wandern, muß schon ziemlich krank im Kopf sein.

Zitieren wir die HD-Presseabteilung: "Nicolas Cage und Easy-Rider-Urgestein Peter Fonda treffen in der Comic-Verfilmung „Ghost Rider“ aufeinander. Motorrad-Stuntfahrer Johnny Blaze (N. Cage) geht einen teuflischen Pakt mit Mephistopheles (P. Fonda) ein: Um seinen sterbenden Vater zu retten, verkauft er seine Seele und trennt sich von seiner großen Liebe Roxanne (Eva Mendes). Blaze ist gezwungen, Nacht für Nacht in Gestalt eines feurigen Dämons auf dem Hell Bike, einer finster gestylten Harley, das Böse zu vernichten. Als Blackheart, Sohn des Mephistopheles, seinen Vater entmachten will, bietet dieser Johnny Blaze die Aufhebung des Fluches an, wenn er Blackheart (Wes Bentley) zur Strecke bringt."

Ich habe den Trailer des Streifens, der derzeit in den USA mit 51 Mio. allein am letzten Wochenende eingespeilten USD an der Spitze der Kino-Charts steht, gesehen. So etwas Grottenschlechtes hätte ich Nicolas Cage - der in der Marvel-Comic-Adaption daher kommt wie ein Zombie aus der Stummfilmzeit - nicht zugetraut.

Goethe wird sich bei dieser Trivialisierung des Ur-Faust im Grabe umdrehen, aber wie heisst es so schön in Abwandlung eines alten Satzes: Sie waren alt und brauchten das Geld... (Im Fall von Cage wohl zur Renovierung des neuen Familienschlosses Neidstein bei Etzelwang in der Oberpfalz.)

Noch schlechter als der folgende Pressetext der Harley-Pressestelle , aber dafür "urkomisch" (Zitat) kommt der Streifen „Born to be wild – Saumäßig unterwegs!“ daher, der im Original "Wild Hogs" heisst.

"Born to be wild – dass das Biker-Credo zu ihrem Lebensmotto werden sollte, hätten sich Doug (Tim Allen), Woody (John Travolta), Bobby (Martin Lawrence) und Dudley (William H. Macy) in ihren wildesten Träumen nicht ausgemalt! Denn im spießigen Vorstadtleben der ungleichen Freunde geht alles seinen geregelten Gang, bis die vier Herren im besten Alter beschließen, den Fernsehsessel gegen coole Chopper von Harley-Davidson einzutauschen. Ihr Trip fordert eine Menge Glück und Geschick – besonders, als die Truppe auf eine echte Biker-Gang trifft, die die Freaks bald auf dem Kieker hat. Auf der Suche nach Abenteuer und Freiheit merken die Kumpels bald, worauf es im Leben eigentlich ankommt: auf echte Freunde und den Mut, etwas zu wagen – auch wenn das Leben scheinbar schon alle Weichen gestellt hat..."

Oh Herr, schmeiss Hirn vom Himmel, und laß diese Machwerke an deinen Schäfchen schnell vorüber gehen.

© Jochen Vorfelder

Bilder: © Sony Pictures und © Buena Vista / Touchstone Pictures

06 Februar 2007

Motogiro 2007: das definitive Oldtimer-Spektakel

Bella Italia ruft - na, zumindest kündigt es sich mit Updates auf den entsprechenden Websites an, die unsereins natürlich begierig nach Sonne und ungehinderte Ausfahrt scannt.

Ganz oben auf der Priorotätenliste: die Motogiro d'Italia 2007, wie schon die letzten fünf Jahre gesponsert von Ducati.

Dieses Jahr führt die Zweirad-Oldtimer-Rundfahrt vom 19. bis 24. Mai quer durch Sizilien; Startpunkt von fünf Tagesfahrten ist der Ort Sciaccia rund 100 Kilometer südlich von Palermo.

An dem Rennen - na ja, Rennen ist etwas übertrieben, die erzielte Zeit an den Tagesetappen über rund 250 Kilometer wird nicht so verbissen gesehen - nehmen außer den wirklichen Oldtimern der Vintage Racing Class (Baujahr 1957 und früher, maximal 175 cc) und der Taglioni Memorial Class (1968 bis 1978, über 250 cc) auch eingeladenen Gäste teil.

Hier die Übersicht über meine Postings zur Motogiro 2006, bestehend aus einer Übersicht vor dem Start, drei aktuellen Tagesberichten, und einem Artikel für die Süddeutsche zum Abschluß.

So ähnlich und mindestens genauso spassig wird es dieses Jahr wieder werden. Versprochen.

(c) Jochen Vorfelder

24 Januar 2007

Hightech: Was mit dem iPhone alles geht ...

Nachdem nun der offiziöse Apple-Werbspot zum neuen iPhone in den USA läuft, bin ich zu 99 Prozent überzeugt, dass ich so ein Ding möglichst bald haben muss.



Der Platzwart

22 Januar 2007

BMW: Abholstation Ärmelkanal

Das Containerschiff "MSC Napoli", das während des Orkans "Kyrill" steuermannslos im Ärmelkanal vor der englischen Küste trieb und von der Küstenwache nach der Evakuierung der Mannschaft vor der englischen Küste auf Grund gesetzt wurde, spuckt inzwischen seine Schätze aus - über 200 der fast 2500 Container sind über Bord gegangen. Und nach kurzem Treiben am Strand nahe Sidmouth an der Küste der Grafschaft Devon an Land gegangen.

Für einige der zahlreichen Plünderer war die Anlandung fette Beute: Brandneue silberne BMWs F800 ST, wohl auf dem Weg zu den Händlern in Asien oder Australien, wurden im Dutzend abgeholt - unter den Augen der Polizei.

Denn offensichtlich waren in den zerborstene Umverpackungen nicht nur die Schlüssel der Maschinen, sondern auch die nötigen Besitzpapier - ob es sich also um eine Plünderung handelt, wird zu gegebener Zeit gerichtlich festgestellt. Derweil kann man ja mal testfahren.

Gute Bilder dazu bei SPIEGEL Online

Der Platzwart

19 Januar 2007

Video: Jeder kriegt den Talkmaster, den er verdient

Achtung, in diesem Internet verlassen wir heute mit folgenden Fragen die Ebene der Realität.

Statt dessen begeben wir uns in den Äther des Spekulativen: Welche Obsessionen verfolgt eigentlich der allseits bekannte und meistseitig beliebte Harald Schmidt? Oder sollte man besser fragen, welche Obsessionen verfolgen ihn?

Na, nachgedacht? Sicher, die regelmäßigen Seitenhiebe in Richtung Herrn Andrack und desses obsessives 1. FC-Köln-Fantum haben schon einen leicht pathologischen Zug und leicht erkennbar zwanghaften Charakter - auch die erstaunlich ähnlichen Mimiken des Großmoderators und des Trainers der Geisböcke, des Drogengeläuterte Christoph Daum, lassen auf eine gewisse Seelenverwandtschaft bzw. ähnliches Krankheitsbild schließen.

Doch von flüchtigen Drogen reden wir hier und heute nicht, sondern von Fahrzeugen. Harald Schmidt fährt - so spekuliere ich mal - als bekennender Hyperchonder zwangsgesteuert einen Wagen mit hochaktivem Pollenfilter und doppeltem Seitenaufprallschutz in der Preisklasse Volvo, VW Touareg oder Porsche Cayenne.

Jedes andere Fahrzeug kommt für das lauteste Sprachrohr der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Sendeanstalten nicht in Frage. Weil es typisch deutsch und kleinkariert und eben ARD-konsensfähig ist.

Das es auch anders geht, beweist Schmidts amerikanische Kollege Jay Leno. Der Moderator von NBC's "The Tonight Show" hat einen privaten Fuhrpark, für den man hierzulande einen Waffenschein bräuchte und der nachgerade nach einen ARD-Brennpunkt rufen würde. Die veritable Sammlung von Preziosen fängt bei einigen historischen Stingrays und Chevies an, geht über diverse Hummer und glänzt mit einigen abstrusen Eigenbauten.

Letzte Errungenschaft in letzterer Abteilung ist nun Lenos "Tank Car" - der Einbau eines Panzermotors in ein Sportchassis mit Daten, die einem doch einen etwas trockenen Mund machen: Die Maschine stammt aus einem M47-Patton-Panzer aus dem Korea-Krieg mit zwölf Zylindern, 18 Litern Verbrennungsraum und ursprünglich 810 PS. Nach einer geringfügigen Überholung und gezielten Überarbeitung mit speziellen Tricks wie mehreren Turboladern leistet das Monster inzwischen knapp 1600 PS, also ziemlich genau das, was man auf amerikanischen Fernstraßen bei einem Speedlimit von 130 kmh mindestens braucht. Da kommt jedenfalls der Passat von Herrn Andrack nicht mit.

Und wenn wir schon bei Leno sind: Es müssen nicht unbedingt vier Räder in Übergröße sein, auch in Sachen Moppeds kann der manische Sammler etwas Außergewöhnliches vorweisen. Er nennt eine der wenigen fahrbereiten "MTT Turbine Superbike" sein eigen - eine Sportmaschine mit rund 300 PS, die von einer Rolls Royce Allison-Gasturbine angetrieben wird, und auf Bestellung produziert um die 200.000 USD kostet.

Wie verrückt Leno tatsächlich ist, erkennt man unschwer daran, dass er diese Schweinteile nicht nur sammelt, sondern auf amerikanischen Straßen regelmäßig ausführt. Hier der Beweis. Leno auf seiner MTT an einer kalifornischen Tankstelle:



"Bei Leno kann man sicher sein, dass seine Fahrzeuge zwei Dinge haben," sagt ein Bekannter des Showmasters: "Eine laute Hupe und genug Pferdestärken." Bei Harald Schmidt dagegen ist man mit der Vermutung, dass er nie, nie ohne Navigationshilfe vom Hof fährt, auf der sicheren Seite.

© Jochen Vorfelder

05 Januar 2007

2007: mehr lange Wege ...

Alles fing mit einem Sofa und einer Landkarte in einem britischen Magazin an.

Ewan McGregor - Schauspieler und bekennender Motorradabhängiger - sagt, er habe eines Nachmittags auf besagtem Sofa gelegen und einen Reisebericht gelesen. Er fuhr dabei mit dem Finger über die Landkarte und bemerkte, daß eine Fahrt um die Welt über Festland nur zweimal unterbrochen werden mußte - kurz an der Beringstraße zwischen Sibirien und Alaska und etwas länger natürlich am Nordatlantik zwischen der amerikanischen Ostküste und Großbritannien.

Da stand er auf, griff sich das Telefon und rief seinen Freund Charley Boorman an: "Charley", sagte er, "du solltest vielleicht mal zum Essen vorbei kommen. Wir haben da was zu besprechen."

Das Essen hatte Folgen: Ewan und Charley besorgten sich bei BMW als Sponsor mehrere R 1150 GS Adventure und fuhren ab April 2004 in 115 Tagen rund 36.000 Kilometer durch Europa, die Ukraine, Russland, Kazachstan, die Mongolei, Sibirien, Alaska, Kanada und die Vereinigten Staaten, bevor sie wieder britischen Boden betraten.

Die beiden Freunde - erstaunlicherweise sind sie das auch noch nach der Fahrt - sind nicht nur erfolgreiche Schauspieler (McGregor etwa ist bekannt aus "Trainspotting" und als Obi-Wan Kenobi in "Star Wars"), sondern auch absolute Medienprofis. Kein Meter ihrer Fahrt verging unbeobachtet, undokumentiert und ungeplant. Auf ihren Helmen und Maschinen waren Kameras montiert; ihre medialen und technischen Begleitteams waren perfekt vorbereitet und ausgerüstet.

Ihre Fahrt wird seit seit zwei Jahren unter dem Label "Long Way Round" perfekt vermarktet. Entstanden ist ein Buch (siehe Titel oben), eine Fernsehserie in der englischen BBC, eine DVD-Version aller zehn Folgen und ein Soundtrack ("Was wir unterwegs am liebsten gehört haben.")

Seit Mitte 2006 ist das 3-DVD-Set mit allen zehn Episoden auch auf Deutsch erhältlich. 2 Freunde, 2 Bikes, 115 Tage und 36.000 Kilometer - das reicht nach einer langen Nacht vor der Glotze.

Bald kommt Nachschub. McGregor und Boorman haben ihre weiteren Reisepläne bekanntgegeben: zwei Trips - zwei Fernsehserien, wahrscheinlich zwei Bücher - als Fortsetzung der Long Way Round-Saga unter den bezeichnenden Labels "Long Way Down" und "Long Way Up".

Für 2007 ist zunächst der Trip von London nach Kapstadt - Long Way Down - geplant, während Lond Way Up die Jungs von Argentinien in die USA führen soll. Neid.

© Jochen Vorfelder

27 Dezember 2006

Namibia: Unterwegs mit dem Camper. Tipps und Highlights

Wir haben Euch aus den vielen möglichen Reisezielen in Namiba eine Auswahl der Highlights zusammengestellt - zu jedem Punkt gibt es jeweils Anfahrts- und Unterkunftsinfos. Schön kopieren und abspeichern für den nächsten Trip in eines der beeindruckendsten Reiseländer überhaupt.


1 Nach der Ankunft: Gästefarm Düsternbrook
Rund um den internationalen Flughafen buhlen mindesten zwei Dutzend Jagd- und Gästefarmen um Neuankömmlinge in Namibia. Einige sind eher auf Jagdgäste (ein kleineres, aber beständiges Klientel), die meisten jedoch auf Foto-Touristen eingestellt. Die beiden Gruppen gehen sich nach dem gemeinsamen Anflug erfahrungsgemäß eher aus dem Weg. Eineinhalb Fahrstunden von Downtown Windhoek entfernt bietet z.B. die Gästefarm Düsternbrook den idealen Einstieg für Besucher ohne Jagdschein: endloses Buschland, ein geschmackvolles Farmhaus, ruhige Gästezimmer, lauschige Standplätze für Camper, excellentes Abendessen und vor allem: Giraffen, Zebras, Nashörner, Leoparden und Geparden satt. Täglich zwei Ausfahrten durch Freiland und Gehege. Besitzer Johann Vaatz erhielt 2005 den namibischen Eco Award.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Auf der B 1 nach Norden nach ca. 35 Kilometer in Pad D 1499 abbiegen. Ausgeschildert. Camperstandplatz pro Person incl. Dinner und 2 Beobachtungsfahrten 490 N$. Kein Laden. Kontakt & Buchung: www.duesternbrook.net


2 Waterberg Plateau
Rund 250 Kilometer nördlich von Windhoek liegt in der rotbrauen Savanne eine weithin sichtbare Erhebung - ein etwa 50 km langes und 15 km breites Plateau (höchster Punkt 1890 m) mit ungewöhnlich grüner Vegetation. Seit 1972 ist das ehemalige Farmgebiet im Herzen des Herero-Stammlands - Schauplatz der blutigsten Schlacht zwischen Herero und deutschen Kolonialtruppen - ein Nationalpark und Tierparadies. Die Tiere können auf Fußwanderungen am Fuß des Plateaus (Mountain View Walk) oder während Safaris mit Geländewagen der Parkverwaltung beobachtet werden.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Anfahrt nur über die C 22 und Pad D 2512 möglich. Die D2412 ist in der Regenzeit extrem verschlammt; nur 4x4. Am Eingang des Waterberg Plateau Parks liegt neben dem deutschen Soldatenfriedhof das staatliche Barnabé de la Bat Camp mit Bungalows, schattigem und ausgedehntem Campingplatz, einer Tankstelle und Einkaufsmöglichkeiten. Stellplatz für bis zu 4 Personen 120 N$. Bungalows in der Hauptferienzeit vorbuchen über: www.nwr.com.na


3 Caprivi Strip
Namibia ganz anders - in der nach dem deutschen Reichskanzler Graf von Caprivi benannten und gut 400 Kilometer langen Landzunge ist Namibia üppig grün, tropisch feucht und voller Sumpfgebiete entlang des Sambesis und des Ovagango-Flußes. Sehenswert sind neben den Popa Falls bei Bagani vor allem die Fahrt auf dem Trans-Caprivi-Highway durch den Caprivi Game Park und der Mudumu Nationalpark am Kwando-Fluß. Der Park läßt sich nur per Boot und einem ortskundigen Führer richtig erfahren. Zu allen Jahreszeiten sind freilebende Elefanten und Flußpferde zu sehen.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Im Caprivi-Zipfel empfiehlt sich aus Sicherheitsgründen und wegen der hohen Malaria-Gefahrt die Übernachtung in einer Lodge. Die Namushasha Lodge südlich von Kongola hat 27 Luxus-Bungalows mit Bad und Mosquitonetzen. Organisiert werden Bootsfahrten und Angeltouren auf dem Kwando und Safaris in die Parks. Pool, Bar und Restaurant. Camping möglich. Infos & Buchung: www.namibialodges.com



4 Epupa Falls
Im Kaokoveld im Westen Namibias wechseln sich unter der gnadenlosen Sonne karge Hochsteppen mit ausgetrockneten Flußtälern - den so genannten Riveren - und ausgedehnten Sandebenen ab: die weitgehend noch unberührte Heimat der Himba, die sich hier teilweise noch ihre traditionelle, nomadische Lebenformen als Hirten erhalten haben.
Ganz im Norden stößt die karge, archaische Landschaft bei den Epupa Falls am Kunene Grenzfluß an das üppige und tropische Angola. Der Kunene stürzt über mehrere Kaskaden 40 Meter in die Tiefe - vor allem bei Hochwasser im April und Mai ein beeindruckendes Bild.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Nördlich der letzten Versorgungsstation Opuwo (Tanken!) ist die Weiterfahrt nur für erfahrene Allrad-Piloteure zu empfehlen; die Pads sind extrem schlecht und selten beschildert. An- und Abfahrt über die C 43 / D 3700; Hin- und Rückfahrt dauern je nach Beschaffenheit der Piste bis zu vier Tage.
Gute Übernachtungsmöglichkeit im staatlichen Epupa Camp direkt bei den Wasserfällen; wird betrieben in Kooperation mit einem nahe gelegenen, traditionellen Himba-Dorf. Infos & Buchung: www.epupa.com.na


5 Etosha Nationalpark - Namutoni
Das absolute Muß jeder Namiba-Reise - über asphaltierte Straßen leicht zu erreichen und eines der besten und größten Wildschutzgebiete in Afrika. Mit 22.270 Quadratkilometern ist der Park etwas größer als Hessen; das Zentrum ist die etwa 120 km breite und 70 km lange Etosha-Pfanne mit ihrer grauweißen Salzkruste. In der Regenzeit oft überraschend grün. Vor allem der südliche Rand der Pfanne ist durch rund 1000 Kilometer Piste zur Wildbeobachtung an gut drei Dutzend Wasserlöchern sehr gut erschlossen. Drei Tage und Übernachtungen für den Park einrechnen.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Die meisten Besucher kommen von Tsumeb aus über die B1 und C 38 durch das Von Lindquist Gate in den Park und machen dort im staatlichen Namutoni Resort erste Station. Namutoni wurde rund um eine alte deutsche Festung aus dem Jahr 1903 errichtet. Die Anlage bietet neben Bungalows in verschiedenen Preisklassen, Swimming Pool, Restaurant und Läden. Eine riesige Campinganlage mit offenen Grillplätzen, Stromanschlüssen und in der Trockenzeit oft nur tröpfelnden Duschen. Chalets in der namibischen Hauptferienzeit um Weihnachten vorbuchen! Camper-Stellplatz pro Nacht 240 N$, Parkgebühr pro Tag/Person 80 N$. Weitere Infos und Buchung: www.nwr.com.na



6 Etosha Nationalpark - Okaukuejo
Das älteste und größte Camp im Etosha Park nördlich des Anderson Gates ist der ideale Ausgangspunkt für Fahrten zu den zahlreichen Wasserlöchern. In der Regenzeit ziehen riesige Herden von Antilopen, Gnus, Zebras und Giraffen durch die Steppenlandschaft westlich von Okaukuejo.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Anfahrt entweder über das dritte staatliche Resort Halali auf halbem Weg zwischen Namutoni und Okaukuejo oder von Süden kommend durch das Anderson Gate. Standard und Preise vergleichbar mit dem Namutoni Resort; z.B. Chalet mit 2 Zimmer / 4 Betten, Küche, Bad, offener Grillplatz 490 N$ pro Nacht. Weitere Infos und Buchung: www.nwr.com.na

Alternativen sind die außerhalb des Parks gelegenen privaten Lodgen mit eigenen Wildschutzgebieten, die teilweise atemberaubend luxuriös ausgestattet sind. Beispiel: Ongava Game Lodge - zwölf edle Chalets in wunderbaren Gartenanlage, Terrassen mit endlosem Blick und eigenem Wasserloch; Tagestouren in den Etosha-Park. Private Landebahn für einfliegende Gäste; die Lodge wird meist gebucht als Teil eines Flug- und Safari-Pakets. Infos und Preisanfrage: www.wilderness-safaris.com



7 Twyvelfontain
Auf dem Gelände der ehemaligen Rinderfarm Twyfelfontain - "unsichere Quelle " - wurden 1917 von einem deutschen Landvermesser die ältesten namibischen Felsbilder entdeckt. Die Gravuren in den Sandsteinplatten sind teilweise um die 6000 Jahre alt. Geschaffen wurden die Kunstwerke - oft komplexe Jagdszenen und detaillierte Tierdarstellungen - von den San und Berg-Damara, die in den abgelegenen Bergtälern jagten. Weiter sehenswert in der Region: der 35 Meter hohe Fingerklip, ein senkrecht in den Himmel ragender, erodierter Tafelberg. Skurril.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Von Khorixas (letzte Einkaufs- und Tankmöglichkeit) kommend über die C 39, dann Abzweige D 2628, D 2612 und D3214. Abgelegene Piste. Geführter Fußmarsch vom Parkplatz zu den bewachten Fundstellen und zurück ca. 90 Minuten.

Ein beliebter Stellplatz für Camper ist das Abu Huab Camp rund sechs Kilometer vor Twyfelfontein. Bietet die nötigen Basics - Toiletten, warme Duschen, Grillplätze und kalte Getränke, ist billig und hat einen Billiardtisch in der Rezeption. An der D3254 Pad, Tel 067-331104.

Wer in luxuriösem Ambiente übernachten will, fährt in die Twyfelfontain Country Lodge. 56 Doppelzimmer, komfortable Lounge mit Bar, offener Speisesaal, Pool, eigener Flugplatz. Viele organisierte Ausflüge. Fügt sich unter Reetdächern vollständig in die bergige Umgebung ein. Mehr Infos und Buchung: www.namibialodges.com


8 Brandberg-Massiv
Der Brandberg, ein rund 150 Kilometer südlich von Khorixas gelegenes Granit-Massiv, mißt rund 750 Quadratkilometer und ragt wie ein schwarz glänzender Vulkankegel aus der Namib-Wüste. Höchster Punkt ist der 2573 Meter hohe Königstein. Am Brandberg wurde 1918 von dem Landvermesser Reinhard Maack die inzwischen wohl bekannteste Felsmalerei Namibias, die White Lady, entdeckt. Bisher sind im Brandberg-Massiv über 48.000 Malereien an rund 880 Fundstellen katalogisiert.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Man erreicht das Massiv und die zugänglichen Felsmalereien um die White Lady über die C 35, die Khorixas und Uis verbindet, und den Pad D 2359. In der Tsisab-Schlucht liegt die Ranger-Station, von der aus ein Fußweg zu den Funden führt.

Nach Uis keine Tank- und Verpflegungsmöglichkeit mehr. Alle Camper stehen über Nacht auf dem schön angelegten und weitläufigen Stelplatz der Brandberg White Lady Lodge - 12 Kilometer privater Pad ausgehend von der D 2359, auch kleine Chalets, Bar und Pool, Abendessen nach Bestellung, Chalets für 2 Personen inkl. Frühstück und Dinner 950 N$, Standplatz für Camper 45 N$ pro Person. Kontakt: Tel. +264 64 500245 oder E-Mail: ugab@iway.na



9 Swakopmund
Die zweitgrößte Stadt Namibias ist zugleich das touristische Zentrum des Landes. Wo 1892 vierzig deutsche Siedler vom Kanonenboot "Hyäne" an Land gesetzt wurden, ist das beliebteste Seebad der Namibier entstanden; 35000 Menschen leben heute hier. In der Innenstadt mit den kolonialen Gebäuden hat sich eine historische, fast deutschtümelnde Athmospäre erhalten, die sich mit dem afrikanischen Treiben auf den Touristenmärkten mischt.

Straßennamen wie Kaiser-Wilhelm-Straße sind in den letzten Jahren verschwunden. Doch tradionsbewußte Cafes, Bäckereien, Buchhandlungen und Museen laden wie der historische Bahnhof, das alte Kaiserliche Bezirksgericht und die Mole von 1911 zu einem ausgedehnten Spaziergang durch einen Teil der deutschen Geschichte ein. Fazit: ein Freilichtmuseum.
Wichtigste Anlaufstelle und eine fast unerschöpfliche Fundgrube für Informationen ist das Tourismus-Büro Namib-i in der Sam Noyoma Avenue.

Hotel / Restaurants:
In Swakopmund - in den letzten Jahrten von einem Bauboom ereilt - gibt es ein ausuferndes Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten für jeden Geldbeutel - jedenfalls außerhalb der namibischen Sommerferien um Weihnachten. Wir empfehlen:

Villa Wiese Backpacker's, zentral gelegen und sehr beliebt, saubere Doppelzimmer und sanitäre Anlagen, 245 N$ pro Nacht und Person im DZ inkl. Frühstück.
Infos: www.villawiese.com

Swakopmund Beach Lodge, sehr ruhig und etwas außerhalb gelegen, erinnert an ein Schiff mit Bullaugen, 15 Zimmer mit viel Komfort und direktem Strandzugang, excellentes Frühstück! Doppelzimmer ab 340 N$ pro Person / Nacht.
Infos & Buchung: www.beachlodge.com.na

Wer in Swakopmund essen geht, muß frischen Fisch und die Atlantik-Austern probieren. Die unwidersprochen beste Adresse: The Tug Restaurant an der Jetty Area Promenade mit Blick aufs Meer. Herz der Anlage ist ein ausrangierter Schlepper. Zum Niederknieen romatische Sonnenuntergänge, eine endlose Speisekarte mit exquisiten Gerichten und erlesene Weine. Unbedingt Tisch reservieren unter Tel. +264 64 402356.

Nicht vergessen: Vor der Weiterfahrt durch die Namib-Wüste Proviant auffrischen - und und vor allem frisches Vollkorn- oder Landbrot bei "Putensen", der ältesten Bäckerei der Stadt, kaufen. Putensen Bäckerei, Sam Nujoma Avenue.


10 Walvis Bay
Einziger Tiefseehafen Namibias, bis 1994 eine südafrikanische Enklave, 35 Kilometer von Swakopmund entfernt. Touristisch gibt Walvis Bay wenig her, wir empfehlen Durchfahren bis zum Hafen, denn dort starten die Boots-Touren durch die Lagune und zur vorgelagerten Pelican Point-Halbinsel mit Seevögeln, Delphinen und Robben-Kolonien. Die Robben kommen an Bord. Touren organisiert: Mola-Mola Safaris, www.mola-namibia.com. Mola-Mola bietet auch 4x4-Tagestouren nach Sandwich Harbour an, einer der schönsten Lagunen an der Küsten Namibias.

Weitere Aktivitäten um Walvis Bay: Sandbording in den Dünen, siehe www.duneseven.com
Rundflüge Swakopmund, Walvis Bay, Namib Naukluft Park, siehe www.scenic-air.com
Geführte Ausflüge mit Quads in die Dünen zwischen Swakopmund und Walvis Bay, Anbieter: Dare Devil Adventures, Tel. 081 1284492 oder Desert Tours, Tel. 064 209844

Unterkunft/Camping:
Etwas viel Asphalt und nicht sehr heimelig, aber eigener Gezeiten-Pool und saubere Anlagen mit Restaurant in der Nähe. Vor allem aber verkehrsgünstig in der Mitte zwischen Swakopmund und Walvis Bay gelegen: der Long Beach Leisure Park, Long Beach, Walvis Bay. Selten voll. Infos & Buchung: www.wbresorts.com.na

Die kostspieligere Alternative mit dem besonderen Etwas: The Burning Shore Resort. Erinnern Sie sich an das Spektakel, als "Brangelina", das Ehepaar Brad Pitt und Angelina Jolie, sich zur Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes nach Namibia zurückzogen? Wo wohnten sie da? Im Burning Shore, einer sehr netten Anlage in Sichtweite des Campingplatzes von Langstrand. The Burning Shore ist sogar erschwinglich: 395 N$ pro Person und Nacht im Doppelzimmer. Nach der Senior Suite von Brad fragen. Infos & Buchung: www.burningshore.na


11 Solitaire
Auf dem Weg von Walvis Bay zum Sossusvlei passiert man nach der Namib-Wüste und dem grandiosen Kuiseb-Pass unweigerlich die "Siedlung" Solitaire. Ein faszinierender Ort: auf der Karte ein wichtiger Knotenpunkt auf dem Weg nach Süden, doch in Wirklichkeit nur eine verschlafene Lodge, ein winziger Kaufladen (der einzige im Umkreis von 150 Kilometer) und eine antiquierte Tankstelle. Unbedingt stoppen, voll tanken und rasten: Im Laden gibt es täglich frischen und köstlichsten Apfelkuchen mit Sahne.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Solitaire liegt am Schnittpunkt der geschotterten "Fernstraßen" C 19 und C 14. Man könnte in der Solitaire Country Lodge übernachten (www.namibialodges.com), doch in der Praxis empfiehlt sich die Weiterfahrt nach Sesriem (C 19 und Anzweig D 826), wo es am Eingang zum Namib Naukluft-Park bessere Camper-Stellplätze gibt.


12 Sesriem / Sossusvlei
Sesriem (eine Lodge, ein Camp, eine Tankstelle und sonst nichts...) ist der Ausgangspunkt für die Fahrt in das wohl bekannteste Dünengebiet Namibias: eine sechzig Kilometer lange Senke, die tief in die mächtigen roten Dünen der Namib Naukluft-Wüste führt. Am Ende der teilweise asphaltierten Knüppelstrecke liegt Sossusvlei, eine in der Regenzeit zeitweise überschwemmte Lehmpfanne - umgeben von den angeblich höchsten Wanderdünen der Welt. Definitv der Ort für die besten Sonnenaufgänge in Namibia. Aber Achtung: Selbst für geübte 4X4- Geländefahrer sind die letzten fünf Kilometer vom Parkplatz bis zur Pfanne eine Herausforderung.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Wer mit dem Camper unterwegs ist, sollte unbedingt im staatlichen Sesriem Camp übernachten: schattige Stellplätze, sanitäre Anlagen, Pool und die Bar sind völlig ausreichend und die Anlage liegt - wichtig - innerhalb des Nationparks: Dadurch wird man morgens bei der Einfahrt zum Sonnenaufgang die entscheidenden 15 Minuten früher eingelassen. Stellplatz 240 N$ pro Nacht, Eintritt Park 80 N$ pro Tag und Person. Infos & Buchung: www.nwr.com.na

Die Alternative zum staatlichen Sesriem Camp ist die Sossusvlei Lodge vor den Toren des Nationalparks. Späterer Einlaß in den Park, aber sehr elegante Anlage mit alleinstehend Bungalows, Pool und edlem Restaurant. Bietet quad-Exkursionen sowie Rund- und Ballonflüge über die Namib Naukluft-Wüste an. Bungolow für zwei Person je nach Saison zwischen 1900 und 2100 N$. Infos & Buchung: www.sossusvleilodge.com


13 Wolvedans
Diese Lodge mit dem prosaischen Afrikaans-Namen "der mit dem Wolf tanzt" am Rand des Namib Naukluft-Parks ist in jeder Beziehung gigantisch. Drei verschiedene Camps - Luxuszelte mit festen Fundamenten, eine sehr individuelle Bungalow-Siedlung und Highend-Chalets, ein Pool, die excellente Küche und der wohl beste Weinkeller außerhalb von Windhoek - sind mehrere Kilometer voneinander entfernt in die Dünen versteckt.

Gäste fliegen ein oder lassen ihr Fahrzeuge an der Rezeption stehen: Die empfindliche Wüstenvegetation wird geschont wo möglich. Wolvedans verfolgt ein striktes ökologisches Integrationskonzept auf dem privaten Namib Rand Nature Reserve, einem Gebiet aus 13 ehemaligen Farmen, das mit knapp 200.000 Hektar so groß ist wie das Saarland. Aktivitäten: Ballooning, Pirschfahrten, Fotosafaris, die Wüste auf sich wirken lassen.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Die Anfahrt nach Wolvedans liegt an der C 27 zwischen Sesriem und der Siedlung Betta. Von der Schotterpiste aus führt ein zwanzig Kilometer langer Privatweg zur Rezeption. Wolvedans lohnt nicht für eine Nacht; pro Person und Nacht ab 1750 N$. Keine Camper-Stellplätze. Infos & Buchung: www.wolvedans.com


14 Tirasberge
Südlich von Betta wird Namibia immer archaischer, schroffer und bizarrer - die Tirasberge etwa thronen wie riesige farbenprächtige Zinnen über der trockenen Savanne und den drohenden Wanderdünen. Ein Wunder, daß Farmerfamilien mit oft deutschen Wurzeln hier schon seit mehreren Generationen überleben.

Wer einen Eindruck vom Leben auf einer dieser Farmen - wo die nächsten Nachbarn oft 30 oder 50 Kilometer entfernt sind - bekommen will, sollte vor Ort übernachten: Die Besitzer haben meist einen kleinen Campingplatz für Gäste.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
An der D707 zweigt rund 60 Kilometer südlich Spes Bona eine privater Weg (geschlossenes Metall-Gatter) ab, über den man nach 20 Kilometer die Gästefarm Koimassis erreicht. Die Besitzer Wulff und Anke Izko haben einen wunderschön gelegenen und liebevoll gestalteten Campingplatz und Chalets mit grandioser Aussicht, organisieren Reitausflüge und verkaufen selbst geschossenes Grillfleisch und frisches Gemüse. Standplatz 95 N$ pro Person / Nacht. Infos & Buchung: www.koiimasis.com und www.tirasmountains.com


15 Lüderitz
Lüderitz erhitzt die Gemüter: Kann man sich sparen, sagen die einen, muß man unbedingt gesehen haben, antworten die anderen. Auf alle Fälle ist wohl keine andere Stadt in Namibia noch so kleinstädtisch deutsch wie der oft im Morgennebel versunkene Hafen, in dem die deutsche Kolonial-Geschichte in Namibia ihren Anfang nahm. 1883 kaufte Heinrich Vogelsang für den Bremer Tabakhändler Lüderitz die Bucht und einen ersten, fünf Meilen breiten Uferstreifen von einem Nama- Häuptling. Heute sehenswert: Altstadt, Lüderitz-Halbinsel und die ehemalige "Diamantenhauptstadt" Kolmanskop, die langsam unter den Sanddünen verschwindet. Die Wüste südlich Lüderitz ist heute Diamanten-Sperrgebiet.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Lüderitz ist nach Walvis Bay oder Keetmanshoop der erste Ort, an dem man seine Vorräte grundlegend auffrischen kann. Mehrere Hotels in der Stadt, ganz oben in der Rangliste: Lüderitz Nest Hotel mit dem Spitzenrestaurant "Penguin", DZ je nach Saison ab 795 N$. Buchung: www.nesthotel.com

Zu empfehlen ist auch der staatliche Campingplatz Shark Island auf der gleichnamigen Halbinsel mit Blick auf die Stadt. Den Schildern "Lüderitz Memorial" zum Leuchtturm folgen. Buchung nicht notwendig. Infos: www.nwr.com.na


16 Fish River Canyon
Ganz im Süden des Landes hat sich der längste Fluß des Landes, der Fish River, auf 160 Kilometer Länge durch Sand und Kalkstein gefressen und 200 Mio. Jahre Erdgeschichte freigelegt. Der gleichnamige Canyon, zweifellos eines der landschaftlichen Highlights im Südlichen Afrika, ist bis zu 27 Kilometer breit und stellenweise über 500 Meter tief.

Die Gegend um den Canyon steht unter Naturschutz; die Zufahrt zu Aussichtpunkten ist nur an einem Dutzend Stellen wie dem Hell's Bend oder dem Hikers's View Point möglich. Den Fuß des Canyons erreicht man mit dem Camper am südlichen Ende beim staatlichen Camp Ai-Ais an.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Die meisten Besucher kommen über die B 4, C 12 und C 37 von Keetmanshoop (letzter Supermarkt!)und übernachten in Ai-Ais ( Camper-Stellplatz 150 N$). Achtung: Das staatliche Camp Ai-Ais mit den heißen Quellen wurde 2006 während eines Hochwassers des Fish Rivers komplett überspült. Das kann durchaus jedes Jahr passieren, von Anfahrt nachfragen. Infos & Buchung: www.nwr.com.na


17 Schloß Duwisib
Das quadratische Unikum mit Wehrtürmen, Wohnräumen unter Zinnen, Schießscharten und einem geräumigen Innenhof ist der steingewordene koloniale Größenwahn - das Abbild eines deutsches Schloß in einer unwirtlichen Halbwüste, 1908 in Auftrag gegeben vom Schutztruppen-Offizier Hansheinrich von Wolff und seiner vermögenden amerikanischen Frau.

Die Inneneinrichtung - heute noch erhalten und zu besichtigen - kam per Frachter und Ochsenkarren aus Deutschland, die Steinmetze und Zimmerleute aus Irland und Skandinavien. Wolff erlebte die Fertigstellung nicht mehr, sondern starb 1916 im Ersten Weltkrieg. Das Schloß befand sich bis 1979 in Besitz einer Frankfurter Pelzfirma, die von Duwisib aus ihre weiltläufige Karakulschaf-Zucht verwaltete.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Duwisib ist ein idealer Stopover an der geschotterten "Fernstraße" C 14 zwischen Lüderitz/Helmeringhausen und Marienthal/Windhoek und liegt direkt am abzweigenden Pad D 826 auf halber Strecke nach Betta. Campingplatz mit guten sanitären Anlagen am Flußbett zu Fuß des Schloßes, kleines Cafe hinter dem Schloß, sonst keine Versorgungsmöglichkeit vor Ort.


18 Intu Africa
Im Osten Namibias beginnt die riesige Kalahari-Wüste, die einen Großteil Botswanas ausmacht. Die charakteristischen Ausläufer der Kalahari sind bis in die Gegend von Marienthal und der Intu Africa Lodge zu sehen: halbhohe Längsdünen, die wie Wellen mit einem Schaumkranz aus rotem Sand übers Land rollen.

Wer bis kurz vor dem Rückflug keine Löwen gesehen hat, kann dies im Intu Afrika Game Reserve noch nachholen: Dort werden Männchen und Weibchen in überaus weitläufigen Gehegen zu Zuchtzwecken gehalten. Tägliche Safari-Ausfahrten durch das Reservat auch zu den Löwen.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Intu Afrika ist von Marienthal aus über die C 20 und D 1268 zu erreichen. Übernachtung in der geschmackvollen, aber nicht billigen Lodge mit Vollpension für 2 Personen 1820 N$. Kein Camping. Infos: www.namibweb.com/intuafrica.html

Eine Alternative dazu ist die Bitterwasser Lodge rund 50 Kilometer nördlich an der D 1218: Bitterwasser Flying Center ist das Eldorado der Segelflieger im südlichen Afrika und besonders zwischen November und Februar mit excellenter Thermik gesegnet. Einen Abstecher wert; perfekt ausgestattete Lodge, gutes Restaurant. Infos & Buchung: www.bitterwasser.com


19 Okambara Lodge & Wildlife Resort
Im Gegensatz zu vielen anderen Gästefarmen, die in den letzten Jahren das Rinderfarming mehr oder weniger aufgegeben haben und auf Fototourismus umgestiegen sind, ist Okambara seit der Eröffnung vor rund einem Dutzend Jahren ein reines Tier-Resort; initiert und betrieben von Christian und Uschi Schmitt.

Okambara mit seinen Giraffen, Zebras, Straußen, Antilopenherden, Nashörner und Elefanten auf knapp 10.000 Hektar ist die ideale Station, um vor dem Rückflug noch einmal Namibia pur zu geniessen.

Anfahrt / Übernachtung / Verpflegung:
Die Abzweigung nach Okambara liegt liegt rund 120 Kilometer östlich von Windhoek an der D1808 / D 1800. Ab der D 1800 den Wegweisern folgen. Okambara hat ein Haupthaus, das an die alten deutschen Schutzforts erinnert, und kann 16 Gäste in Appartments und rietgedeckten Bungalows aufnehmen. Es empfiehlt sich, über die Website (Kontakt in Deutschland) zu reservieren. Aktivitäten: Spaziergänge, Fotosafaris, Wasserloch und Wildgehege direkt am Haupthaus. Doppelzimmer incl. Vollpension pro Person und Tag je nach Saison 640 N$. Infos & buchung: www.okambara.de


20 Vor dem Rückflug: Windhoek
In der Hauptstadt Namibias und näherer Umgebung wohnen rund 300.000 Menschen, als etwa jeder siebte Bürger des Landes, doch die Kapitale vermittelt einen eher ruhigen, schläfrigen Eindruck. Kaum Kultur, wenig Entertainment, null Zeitgeist - um das prickelnde, urbane südliche Afrika zu erfahren, sollte man nach Johannisburg oder Kapstadt fahrten.

Windhoek - das ist der vor allem Ausgangs- und Endpunkt für das echte Namibia draußen im endlosen Land. Vom Stadtzentrum - jenseits der armen schwarzen Vororte wie Katutura und Khomasdal - ist der Besucher dennoch angenehm überrascht: ausgedehnte schattige Parkanlagen rund um die teilweise noch aus der Kolonialzeit stammenden Parlaments- und Regierungsgebäude, einige wenige Flanierstraßen und Einkaufszentren zwischen Bahnhof, Independence Avenue und dem Ausspannplatz - Windhoek hat man in wenigen Stunden im Griff.

Hotels/Restaurants:
In und um Windhoek ist Camping nicht zu empfehlen. Hotels und Pensionen gibt es dafür in allen Preisklassen:

Hotel Heinitzburg - Immer noch die beste Adressen in der Stadt; von der Terrasse der 1914 errichteten und 1996 als Hotel eröffneten Festung überblickt man das Tal mit Downtown Windhoek. Gehobenes Niveau, hoch gehandeltes Rastaurant "Leo's" und ein erlesener Weinkeller.
Heinitzburgstr.22, Windhoek, Tel. +264 - 61 - 24 95 97 www.heinitzburg.com

Casa Piccolo - Ein Geheimtipp im Vorort Klein Windhoek. Schöne Doppelzimmer in einer sehr farben-freudigen Anlage rund um den kleinen Pool. Doppelzimmer pro Nacht inkl. Frühstück 550,00 N$. Auch hier wird wie überall in Windhoek deutsch gesprochen.
Barella Street, Klein Windhoek, Tel. +264 - 61 - 22 11 55, e-mail: casapiccolo@iafrica.com.na

Restaurants:
Unser Top-Tipp: Das "Gathemann". Der Schweizer Küchenchef Urs Gamma kocht in einem restaurierten Kolonialhaus mit genialer Terasse direkt im Zentrum der Stadt. Gourmet-Karte und Weinkeller für Kenner. Unbedingt vorher reservieren.
Gathemann Restaurant, 169 Independence Avenue, Tel. 061 - 22 38 53

Wer es rustikaler mag, ist in "Joe's Beerhouse" gut aufgehoben: sehr rustikales Ambiente mit Reet-Dächern, oft Live-Musik, Open Air-Grill. Das Essen - z.B. die leckeren Antilopen-Steaks - quillt über die Teller. Nicht zu überhören und -sehen an der Nelson Mandela Avenue Richtung Okahandja.

Shopping:
In der Tal Street - parallel zur Independence Avenue - ist in einer ehemaligen Brauerei das Namibia Crafts Centre entstanden. Auf drei Etagen stellen alle Ethnien Namibias Kunsthandwerk, Schnitz- und Webarbeiten, Mode und Fotokunst aus. Alles ist zu finden - vom kunstvoll verzierten Straußenei über das hippe T-Shirt bis hin zum kleinen Schlüsselanhänger.

Außerdem: Im Crafts Centre gibt es eines der besten Cafes Windhoeks.
Namibia Crafts Centre, Tal Street, Windhoek

Wer sich hier eingedeckt hat, kann getrost nach Hause fliegen ....

© Jochen Vorfelder

22 Dezember 2006

Weihnachten: die Fango-Packung für die Ducati

Nun wissen wir ja alle, dass das Fest die Zeit der Rückblicke und Besinnung ist - auch dem Moppedfahrer als solch sei hiermit angeraten, an Weihnachten etwas inne zu halten, die Eindrücke des vergangenen Jahres Revue passieren zu lassen, und gute Vorsätze für die kommende Fahrsaison auf der Ducati zu formulieren.

Als Licht im Dunkel der Gehirnwindungen hier ein Zitat zu obenstehendem Bild: "Das 2001 angefertigte Werk wirkt wie ein endloser Wurm oder eine sich in den Schwanz beißende Schlange. Sie war ursprünglich als Außenskulptur in Hollywood und somit als ironischer Kommentar zur US-Filmindustrie geplant."

Hollywood, Filmindustrie, Kunstkritik. Aha. Viel aufschlußreicher allerdings in diesem Zusammenhang, wie im Jahr 2003 die schwarze Ducati 916 in die Ausstellung des österreichischen Großkünstlers Franz West (57) kam.

Die Maschine gehört dem deutschen Kunstsammler Mick Flick - ja, der von den Flicks - und der Mäzen bat West, sie in die Performance während der Vernissage der Bregenzer Ausstellung ""We’ll not carry Coals" - "Wir lassen uns nicht verkohlen"; der Titel ist zugleich ein Shakespeare-Zitat aus der romantischen Tragödie „Romeo und Julia“, auf dem das Musical fußt, aber das ist eine andere Geschichte - zu integrieren.

West bewies erheblich Kunstsinnigkeit - oder war es gnadenloser Humor? Jedenfalls wurde das teure Edelstück, mit dem Flick angeblich noch kurz zuvor gefahren war, mit laufendem Motor wie in einem Moorbad bei Kuraufenthalten in Fangoschlamm getunkt.

Es ist leider nicht überliefert, wie lange die Desmodromik und die Airbox dem eindringenden Fangoschlamm Stand gehalten hat, aber diese technischen Details tut hier auch weniger zur Sache.

Ich finde nur, das Bild ist der richtige Gedankenanstoß für die weihnachtliche Besinnung - und sollte überhaupt schon mal gezeigt werden. In diesem Sinne schöne Feiertage.

Der Platzwart

Bericht über die Ausstellung in Bregenz 2003

21 Dezember 2006

Menschen in Namibia VIII - Urs Gamma


Gamma ist seit 18 Jahren Besitzer und Küchenchef im "Gathemann" in Windhoek. Seine Kochkunst hat das Restaurant an der Independance Avenue zu einer der Gourmet-Adressen im südlichen Afrika werden lassen.

"Nehmen Sie eine klassische Saltimbocca und kombinieren Sie den italienischen Parma-Schinken mit einheimischem Springbok oder Gnu und dem grünen Spargel aus Swakopmund: köstlichst!

Ich versuche eine wohlschmeckende Synthese zu schaffen - heute würde man Fusion-Food dazu sagen. (...)

Die Küche hier lebt von den frischen und hochwertigen Zutaten: natürlich Fleisch, Fleisch, Fleisch, vor allem die verschiedenen Antilopenarten, und dann alles von der Küste: Seehecht, Dorade, Makrele, Langusten, Crayfish und natürlich die Austern aus Walvis Bay. Weltspitze! (...)

Unsere Spezialität hier im Haus? In der Regenzeit sicher die Omajova-Pilze. Die wachsen in den nassen Monaten im Norden des Landes ausschließlich auf Termitenhügeln. Riesenexemplare gibt's da; Hüte mit bis zu 40 Zentimeter Durchmesser.

Frisch in die Pfanne mit ein bisschen Zwiebeln und Butter oder mit einem Hauch Knoblauch und Petersilie paniert als Pilzsteak - etwas Besseres finden Sie nicht! (...)"

© Jochen Vorfelder

14 Dezember 2006

Menschen in Namibia VII - Andreas Seibeb


Seibeb ist Farmarbeiter und wohnt seit über zehn Jahren mit Frau und mittlerweile vier Kindern auf dem Okambara Wildlife Resort rund zwei Stunden Fahrzeit von Windhoek entfernt. Er steuert einen der Jeeps, mit denen die Gäste frühmorgens oder vor Sonnenuntergang auf Fotosafari gehen.

"Wir haben 10.000 Hektar für unseren Wildbestand - ich schätze, inzwischen sind es fast 200 Gnus, 400 Impalas und auch 400 Kudus. Von den Großtieren wie den Giraffen, den Nashörnern und den Elefanten kennt man natürlich jedes Tier ganz genau, wenn man täglich im Park unterwegs ist - da hat jedes seinen Charakter, seine Eigenheiten und seine Stimmungen und Launen. (...)"

"Die Elefanten und Nashörner gehen sich in der Regel aus dem Weg; es gibt ja auch genug Platz hier im Park. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass sich die beiden Herden bis auf zwanzig Meter nahe gekommen sind - dann sind es immer die Elefanten, die sich zurückziehen. Die sind schlauer, und mit dem Nashorn-Bullen will sich wirklich keiner anlegen.(...)"

"Am Anfang hatten wir drei Bullen und drei Elefantenkühe, die bis auf eine Ausnahme alle sehr ortstreu wurden. Nur einer der Bullen ist mehrmals durch den äußeren Zaun gebrochen, hat beim Nachbarn einiges verwüstet und ist dann Richtung Süden gewandert. Das kriegt man aus den Tieren nicht mehr raus; wir mussten ihn erschießen lassen. Die restlichen fünf Tiere haben sich prächtig entwickelt und letztes Jahr kam das zweite gesunde Kalb zur Welt."

Mehr zu Andreas Seibeb und Namibia im ADAC reisemagazin Namibia

© Jochen Vorfelder

04 Dezember 2006

Video: der kleine, aber feine Unterschied zwischen Harley und Ducati

"Das Motorrad", schrieb Thomas Krens, der Direktor der Solomon R. Guggenheim-Stiftung in einem Essay für die New York Times, "ist die perfekte Methapher für das 20. Jahrhundert... erfunden zu Beginn der Industrialisierung, spiegelt seine Entwicklung die Hauptströmungen der Moderne wieder."

Krens hat ein feines Gespür für solche Strömungen - er war es, der 1998 als Kurator einer der erfolgreichsten Ausstellungen der Guggenheim-Stiftung fungierte: "The Art of the Motorcycle" - gestartet in New York, zog die Schau dort 300.000 Besucher im ersten Jahr in ihren Bann, dann 700.00 anschließend im Gehry-Bau in Bilbao, und danach knapp 500.000 in der Zweigstelle in Las Vegas. Obwohl der Kassenschlager inzwischen eingemottet ist, ist für die Begeisterung für das Thema Motorrad noch kein Ende abzusehen. Im Juni dieses Jahres wurde eine Nachfolgeschau mit über 80 zweirädrigen Exponaten erfolgreich im Orlando Museum of Art (OMA) in Florida gezeigt; sie soll auf langjährige Tour gehen.

Doch mit Krens wollen wir uns nicht weiter aufhalten - sondern eher mit zweien seiner Exponate - einer Ducati 916 und einer Harley-Davidson Electra Glide. Beide Maschinen - hier die konsequente Straßenrennmaschine, da der chromblitzende König der Landstraße - hatten exponierte Stellplätze in der Ausstellung - obwohl (oder weil) sie verschiedener nicht sein könnten. Beide stehen für zwei grundsätzlich divergierende technische Richtungen; beide repräsentieren Philosophien des Motorradbaus und des Fahrens als solch, die selbst beim besten Willen kaum zusammenzuführen wären.

Beide Maschinen stehen für Dramen und Dramaturgen. "Das Objekt und seine Geschichte," schrieb Krens über das Motorrad,"ruft wie eine griechische Tragödie die klassischen Themen Rebellion, Begierde, Freiheit, Liebe und Tod auf..."

Das sehen offensichtlich auch die Regisseure der Werbe-Clips so, in denen für die beiden Maschinenwelten und die entsprechenden Käuferschichten in den USA geworben wird. Verschiedener können Clips nicht sein. Viel Spaß dabei.

Zunächst hier ein Harley-Davidson-Clip, der einen gut versteckten Nerv bei betuchten Mittfünfzigern in gesicherter Position und gehobenem Einkommen treffen soll. Klick.



Und Ducati? Es war schon immer etwas elitär, eine italienische Diva zu fahren. Aber halt doch irgendwie sympathisch und faszinierend sowieso. Klick, auf den Video.



Der Platzwart

01 Dezember 2006

Menschen in Namibia VI: Paul van der Westhuizen

Paul ist 59 Jahre alt und fährt seit fünf Jahren den Tanklaster, der die abgelegenen Stationen Solitaire und Betta am Rande des Namib Naukluft-Nationalparks mit Benzin und Diesel versorgt. Der Trip von Walvis Bay nach Betta und zurück dauert zwei Tage.

"Bis 1994 war Walvis Bay ja noch eine südafrikanische Enklave innerhalb Namibias; stategisch wichtig und ein langjähriger Streitpunkt, weil es der einzige Tiefseehafen hier im Land ist. Als Walvis dann übergeben wurde, haben die Namibier uns ansässigen Buren angeboten zu bleiben. Ich habe seitdem auch einen namibischen Pass, aber die meisten, die ich kannte, sind lieber zurück nach Südafrika. (...)"

"Ich fahre jede Woche mindestens zwei Touren; einmal nach Solitaire und einmal ganz runter in den Süden bis zur Station Betta. Das sind im Monat über 3500 Kilometer auf Schotterstraßen.(...)

An die einsamen Strecken und das ewige Rütteln auf dem Wellblechpiste gewöhnt man sich - und jeder Trip durch die Wüste ist ja doch anders: Mal hat man einen Sandsturm, mal regnet es am Kuiseb-Pass, mal ist einer der Flüsse überschwemmt und man hängt fest. (...)

Na ja, ich fahr mich eigentlich nie fest mit meinem LKW, aber wenn der Schlamm bis zur Achse steht, dann muss ich den einen oder anderen Farmer oder Touristen aus dem Dreck ziehen. Ach, Abwechslung gibt es genug, mir wird nie langweilig."

(c) Jochen Vorfelder

27 November 2006

Menschen in Namibia V - Edith Bolte & Helga Rohda

Edith Bolte (li.) und Helga Rhoda stehen seit Jahren gemeinsam hinter der Brottheke von "Putensen", der ältesten Bäckerei in Swakopmund. Die Institution in Sachen Backware und Torte schräg gegenüber der "Swakopmunder Buchhandlung" wurde im Jahr 1905 eröffnet.

Edith: "Ja, bei uns im Laden gibt es außer den beiden Verkaufstresen der Bäckerei noch das Café Treffpunkt; da sitzen die alten Swakoper - egal, ob Schwarz oder Weiß - schon gerne und halten ein Schwätzchen. Ist ja auch nett und ruhig hier, hier kann man's aushalten. (...)

Ja, stimmt, es war nicht immer so ruhig. Stimmt, im Dezember 78 hatten wir eine Bombenexplosion hier im Laden wegen der Kämpfe zwischen der SWAPO und den Südafrikanern. Aber das ist lange her, ist alles schon vergessen."

Helga: "Ja, was haben wir denn so im Angebot? Also hier, Brote natürlich in allen Variationen, Vollkorn oder Sauerteig, und die süßen Zimtwecken grade frisch aus dem Ofen, dann Frankfurter Kranz, Schwarzwälder Kirschtorten, Käsekuchen, den Bienenstich, die Apfeltaschen und unsere Nußecken! (...)

Packen Sie sich den Wagen voll, die nächsten 300 Kilometer kriegen sie mit Sicherheit so ein Angebot nicht wieder!"

© Jochen Vorfelder