07 November 2008

Canning Stock Route Australien: Sprit bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E

Schuld waren die Zecken. Als die Rinderbarone des Kimberleys im äußersten Nordwesten Australiens um 1870 Zebu-Rinder aus Afrika importierten, brach eine Biblische Seuche über die Herden herein. Die mit den Zebus eingeschleppten Zecken vermehrten sich massenhaft; die Wasserstellen färbten sich feuerrot durch den Urin der kranken Tiere, die nach Abkühlung und Linderung ihres hohen Fiebers suchten.

Die einzige Chance, das "Red Water Fever" und die tödlichen Zecken einzudämmen, lag im monatelangen Viehtrieb durch den Rand der australischen Wüsten südlich des Kimberleys - die Trockenheit und unwirtliche Hitze der Tanami, der Gibson und der Great Sandy Desert überlebten selbst die Zecken nicht.

Da lag es um die Jahrhundertwende auf der Hand, die Herden gleich weiter zu treiben, denn weiter im Süden in den Goldfeldern West-Australien wurden inzwischen gute Preise für die Rinder gezahlt - die Zahl der Glücksritter und Prospektoren schnellte dort in abenteuerliche Höhen: Armselige Ansammlungen von Hütten platzten im Goldfieber aus allen Nähten. Wiluna, 1890 ein Kaff mit 75 Einwohnern, hatte 20 Jahre später zwölf Taxen, fünf Sportstadien und vierzig Absteigen. Das Weeloona Hotel warb mit "der längsten Theke der Welt".

Das einzige Problem der Rinderzüchter: Zwischen Halls Creek im Süden des Kimberleys und Wiluna lagen 1500 Kilometer unerschlossene Wüste, Niemandsland. Nur Aboriginees wagten sich hinein.

1906 wurde schließlich der Landvermesser Alfred Canning unter Vertrag genommen: der richtige Mann für einen gigantischen Job, den er ohne Rücksicht auf Verluste erledigte. Aboriginees wurden als Geisel genommen, erschossen, auch einige seiner Männer kamen ums Leben. Mehrmals waren die Arbeiter kurz vor dem Verdursten.

Doch innerhalb von vier Jahren legten Canning und seine Mannschaft einen Track durch tausend Sandünen, bizarre Felsformationen, Buschland und endlose Salzebenen und gründeten 51 Brunnen, die maximal zwei Tagesmärsche von einander entfernt Viehtreibern und Herden mit Wasser versorgen sollten. 1911 trieb der "Drover" Tom Cole den ersten "Mob" aus mehreren hundert Rindern von Halls Creek nach Wiluna.

Nach dem letzten Viehtrieb über die „Canning Stock Route" Ende der Fünfziger Jahre verfiel der Track in einen Dornröschen-Schlaf; erst im Jahr 1968 wurde er das erste Mal mit einem Jeep befahren. Inzwischen ist die Piste fast wieder mit Spinifex-Gras zugewachsen, die Brunnen sind bis auf wenige Ausnahmen versandet. Auf der Canning sind inzwischen nur noch Allrad-Abenteurer unterwegs, denn die Strecke mit fast 1000 zu querenden Sanddünen gilt als die anspruchvollste Piste im Australischen Outback - die Eigernordwand für hart gesottene 4x4-Fans.

Bilderstrecke von der Canning Stock Tour

Wir sind die Canning Stock im Mai 2007 gefahren – mit zwei Landcruisern und vier alten Yamaha-XT 600-Geländemaschinen und hätten die Strecke ohne die Hilfe von Kevin Roney nicht geschafft. Die Canning Stock ist auch heute noch eine gnadenlose Tortur – vor allem auf dem Motorrad – und die Fahrt eine logistische Herausforderung: Ohne Vorräte für zwei Wochen und Sprit für 2000 Kilometer geht gar nichts.

Und da kommt Kevin Roney ins Spiel: Der Fahrer des Capricorn Roadhouse in Newman fährt alle sechs Wochen mit einem Monster eine Tour durch das Outback West-Australien: Sein LKW, ein ausrangierter und umgebauter Sechsachser der Flughafenfeuerwehr in Perth, ist das einzige Fahrzeug, das die haushohen Dünen und Schlammlöcher der Regenzeit auch mit zwei Tonnen Zuladung schafft und regelmäßig Sprit in die abgelegenen Mining- und Aboriginee-Camps liefert.

Und für die sichere Versorgung der Canning Stock-Tourer sorgt: Wer mindestens acht Wochen im Voraus einen horrenden Preis bezahlt, findet seine 200-Liter-Fässer beim „Capricorn Fuel Dump“ in der Nähe von Brunnen 23. Exakt bei 23° 04’ 45’’ S, 123° 12’ 14’’ E.

Das Capricorn Roadhouse hat noch keinen im Stich gelassen. Diese Tankstelle ist 24/7 offen und ist leicht zu finden – vorausgesetzt, man kann mit einem GPS umgehen.

Video von der Canning Stock Tour:



Ein spezieller Dank für den Song "Spacecake" von Purepipe geht an Marc Schieferdecker von das-motorad-blog.de

06 November 2008

EICMA 2008: Heimspiel für Ducati, Guzzi & Co.

Sie lieben das Schaulaufen auf dem Mailänder Catwalk: eine halbe Million Besucher werden auf der diesjährigen Motorrad-Messe Eicma erwartet. Ducati schickt die heißesten Models ins Rennen, aber auch BMW ist für eine Überraschung gut. moto1203 stellt die wichtigsten Neuheiten vor.

Seit dem vergangenen Wochenende wird die Mailänder Innenstadt festlich illuminiert, und man mag das als Vorboten werten: Die Eicma 2008 wurde gestern mit einem Modell-Feuerwerk der italienischen Hersteller für das Publikum eröffnet.

Allen voran Ducati: Die Superbike-Bauer aus Bologna stellen mit dem neuen Streetfighter in Normal- und S-Ausführung und zwei neuen 1198ern gleich zwei komplett neue Linien vor.

Star auf dem Mailänder Laufsteg ist unbestritten der neue Streetfighter: Ein Naked-Bike mit 155 PS und 115 Nm Drehmoment, heraus gekitzelt aus einem überarbeiteten L-Twin-Motor mit 1099 Kubikzentimetern Hubraum. Allein das ist schon atemberaubend, doch das Design stellt die Fahrleistungen noch in den Schatten – einen schärferen sogenannten Cafe-Racer wird es im Modelljahr 2009 nicht geben. Der Ducati Streetfighter ist damit erster Anwärter auf den Titel "Bike of the Show".

Überrascht hat auch Moto Guzzi, trotz der Spekulationen über die Schließung des Stammwerks in Mandello. Die Traditionsmarke unter dem Piaggio-Dach hat mit der neuen Stelvio 1200 TT (1151 Kubikzentimeter Hubraum und 105 PS) eine massive und günstig avisierte Reise-Enduro aufgelegt, die den Platzhirschen von BMW durchaus Paroli bieten kann.

Dass über den Preis etwas geht, hat Guzzi erst vor wenigen Wochen in Berlin bewiesen: Dort gewannen sie mit dem billiger angebotenen Modell Norge die Ausschreibung der Berliner Polizei gegen die weiß-blaue Konkurrenz.

Aprilia, eine andere Piaggio-Tochter, glänzt ebenfalls mit guten Ideen. Nachdem bereits auf der Intermot in Köln im Oktober das neue Superbike RSV4 von der Leine gelassen wurde, wird in Mailand nun die komplette Ausstattung der Dorsurodo-, Shiver- und Mana-Familie mit ABS vorgestellt.

Und was in der Mana mit ihrem revolutionären Automatikgetriebe steckt, beweist die Konzept-Studie Mana X: In diesem Flat-Track-Racer ist der 839-Kubikzentimer-Motor der Straßenversion verbaut, aber die Maschine ist um alle unnötigen Verkleidungen erleichtert und mit dem Underseat-Auspuff und der Crosser-Sitzbank optisch eine Augenweide.

Stylistisch mithalten können da allenfalls noch die neu gestaltete Brutale von MV Agusta, die DB7 Oronero von Bimota und die neue 990 SMT von KTM, eine interessante Mischung aus Sport-Tourer und Supermoto.

Mit 115 PS aus 1000 Kubikzentimetern Hubraum wird sie wohl als agile Alternative zu den kleineren BMW-Enduros, der Ducati Multistrada und der Triumph Tiger vermarktet. Hohe Frontscheibe und Tourenkoffer für die 990 SMT sind jedenfalls im Angebot der Österreicher – ebenso wie die bisher kräftigste Maschine aus der Mattighofener Powerschmiede, die KTM RC8 R mit 180 PS Leistung.

Ganz andere Wege geht Honda. Während auf der Kölner Messe noch die absonderliche Zukunftsstudie V4 und die neue Fireblade den Stand bestimmten, kümmert sich der Branchen-Primus im Rollerland Italien um den Massenmarkt: Bezahlbare und mit Blick auf die Betriebskosten sympathische Modelle wie das High-Tech-Modell SW-T400 (Viertakt-Zweizylinder mit endlos Stauraum und kombiniertem ABS) oder der überarbeitete SH125i bestimmten die Pressekonferenz.

Das liegt im Trend – auch in Deutschland: Allein im September 2008 wurden knapp 1000 Roller, 54 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, zugelassen.

Bleibt noch BMW zu erwähnen: Die Bayern zeigen neben dem neuen Naked Bike F 800 R mit dem Lo Rider eine Konzept-Studie, die auf dem klassischen Boxer-Roadster basiert, aber top-moderne Stilmix-Elemente aus 50er-Jahre-Cruiser und aktuellem Superbike zusammen führt: Drahtspeichenfelgen und Wave-Bremsscheiben, Upside-Down-Telegabel und Scrambler-Tüten fügen sich zu einem Ensemble zusammen, das man bisher aus Bayern nicht gesehen hat.

Der Clou: Beim Lo Rider soll der Kunde vor der Auslieferung Gestalter werden. Die Maschine ist konzipiert als Baukastensystem, kombinierbar sind verschiedene Sitzbänke, Auspuffanlagen, Frontpartien und Farbgebungen für das Motorgehäuse – Pimp my Bike also serienmäßig. Wann die Studie kommen soll, ist noch unklar.

Der Messewart

05 November 2008

Verkehrsicherheit: Schneller als die E-Mail erlaubt

moto1203 hat viel Haue bekommen, als es sich vor einigen Wochen damit beschäftigte, in wie weit schlechter, verantwortungsloser Motorrad-Journalismus (auch bekannt unter dem Schlagwort "Knallpresse") zu den Unfallzahlen von Bikern beiträgt.

Eine der Folgen: Ich beschäftige mich mit der Frage, in wie weit Straßenführung und Beschilderung zur objektiven, statistisch nachvollziehbaren Sicherheit beiträgt und wie viel reale Sicherheit von der subjektiven Wahrnehmung des Fahrers abhängt.

Dabei spielt die Beschilderung eine wesentliche Rolle - und logischer Weise recherchiere ich auch die Frage der korrekten Beschilderung. Dabei ist mir dieses besonders heraus ragende Exemplar untergekommen:
Der Witz bei der Geschichte: Die Englischen Ansage ist der Stadtverwaltung von Swansea bei der Übersetzung ins Walisische etwas daneben geraten. Der angemailte Übersetzer war leider nicht im Büro, aber hatte seinen Auto-Responder eingeschaltet: "I am not in the office at the moment. Send any work to be translated." Was heißt das wohl für Walisische Biker ....

Krieg auf zwei Rädern: Superbikes töten mehr Marines als Al-Quaida

Nach einer aktuellen Studie der amerikanischen Armee sind in den vergangenen zwölf Monaten mehr Marines bei Motorradunfällen gestorben als im Einsatz im Irak. 25 Soldaten starben auf amerikanischen Straßen - 24 davon mit Sportbikes - während im gleichen Zeitraum im Irak 20 Marines bei Schusswechseln oder Selbstmordanschlägen ihr Leben verloren.

General James Amos, der stellvertretende Kommandeur des Marine Corps, sagte CNN: "Anscheinend müssen wir unseren Leuten auf diesen Motorrädern ebenso helfen zu überleben wie im Einsatz." Etwa ein Zehntel der rund 200.000 Marines besitzen Motorräder.

Um der Unfallseuche Herr zu werden, muss nun jeder Motorrad-fahrende Marine an einem Grund- und Einführungskurs - vergleichbar einem ADAC-Sicherheitstraining - teilnehmen. Für Fahrern von Sportbike ist ein zweiter Kurs obligatorisch. Wer ohne Zertifikat erwischt wird, hat mit disziplinarischen Folgen zu rechnen.

Das Marine Corps ist nicht allein von der steigenden Unfallzahl betroffen. Die Navy berichtet von 35 toten Bikern - eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 65 Prozent. Warum die Zahlen seit zwölf Monaten ansteigen, dafür gibt es keine stimmige Erklärung. die Marines hatten zunächst auf sehr junge Fahrer ab 18 Jahren getippt, doch die Statistik zeigt, dass das durchschnittliche Alter der tödlich Verunglückten bei 25 liegt.

28 Oktober 2008

Flash-Spiele: ein neuer Player

Nehmen wir doch mal die bekannten Fotos von der Intermot 2008 - und experimentieren damit mit einem kostenlosen Flash-Player, den slide.com online anbietet.

Genial einfach: Bilder hochladen, Art der Darstellung aussuchen, Skin auswählen, Fotos beschriften, Musik unterlegen - alles ratz-fatz. Hier das Resultat:

(Achtung - ich habe den Player rausgenommen - weil er einen gravierenden Nachteil hat: Erläßt sich nur mit EINGESCHALTETEM Sound einbauen. Ganz übel....

Interessant wäre natürlich zu wissen, wieviele Anschläge der Textbereich schluckt. Reichts für eine anständige Bildunterschrift - könnt ihr ja mal ausprobieren...

Der Codewart

Flash-Spiele 2: hier eine andere Variante

24 Oktober 2008

Rückblick Intermot 2008: Hersteller und Modelle

Eine Woche nach der Intermot - und nur noch zwei Wochen bis zum nächsten Messen-Showdown EICMA in Mailand - hier noch einmal die Highlight in Köln in geballter Flash-Form.





Der Bilderwart

21 Oktober 2008

KTM: Crosser mit Elektroantrieb


Seltsames Timing - aber eine überraschende Ankündigung: Verspätet nach der Intermot aber zu früh für die Mailänder EICMA haben die Österreicher von KTM Bilder ihres ersten Enduro-Sportmotorrad rausgelassen, das von einem Elektromotor angetrieben wird.

Der offensichtlich fahrbereite und komplett emissionslose Crosser wurde in Kooperation mit arsenal research entwickelt, deren Techniker sich vor allem um den Antriebssatz des Sportgeräts kümmerten. "Mit dieser Entwicklung kommen wir dem Problem von Lärm und Abgasen in dieser Sportart entgegen", sagte Harald Plöckinger, Vorstandsmitglied der KTM Power Sports AG. "Wir können nun den Enduro-Sport wieder näher in die Ballungszentren und Städte bringen."

Herzstück des Prototypen ist der Akku, der mit Lithium-Ionen-Technologie arbeitet und Energie für 40 Fahrminuten liefert. Die Batterie ist dort verbaut, wo sich bei einem Motorrad mit Verbrennungsmotor der Tank befindet und wiegt rund 17 Kilogramm. Eine volle Ladung ist innerhalb einer Stunde möglich; KTM geht von mindestens 1.000 Ladezyklen aus.

Das Gerät arbeitet mit einer intelligenten Regel- und Steuerungstechnik und soll mit Verbrennungsmaschinen vergleichbare Fahrleistungen liefern. Typische Motorrad-Komponenten wie Auspuff, Tank, Airbox oder Kupplung entfallen bei der Zero-Emission-KTM komplett. Der Motor liefert 40 Newtonmeter Drehmoment, am Hinterrad seien es schließlich 500 Newtonmeter.

Nach Angaben aus dem Werk wird der KTM-E-Crosser frühestens in etwa eineinhalb Jahren zu kaufen sein, und auch konkrete Angaben zum Preis wollen die Mattighofener vorerst nicht machen.

Vom wohl für die Verkaufszahlen entscheidenden Preis abgesehen: Die überraschende Initiative von KTM geht in die richtige Richtung. Elektrifizierte Fahrzeuge mit Null-Emissionen von Schadstoffen, Lärm und Treibhausgasen werden in Zukunft eine wichtigere Rolle einnehmen - nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch im urbanen Alltagsverkehr.

Deshalb könnte man spekulieren: Kommt auf der EICMA eine Studie der Straßenversion für den umweltbewußten Pendler? Sicher nicht, nach den Worten aus dem Werk wird selbst der Prototyp des Crossers nicht ausgestellt. Wahrscheinlich ist Honda doch schneller mit einem E-Roller.

10 Oktober 2008

Intermot 2008: Polo und Corsa auf zwei Rädern...


Ich bin kein Freund von langwierigen Debatten im Internet, darum klicke ich eingegangene Kommentare zu meinen Posting meist gleich weg.

Wegen meiner Intermot-Kommentierung wurde ich meist beschimpft - viel zu negativ, zu depressiv fandens die meisten gar.

Da freut es mich doch, dass einer der wichtigsten Branchendienste aus meiner Sicht, das autoreporter.net, in die gleiche Kerbe haut: "Wirklich Neues - und vor allem Innovatives - gibt es in Köln nicht zu sehen. Viele als Neuheiten präsentierte Maschinen sind nichts weiter als modellgepflegte Maschinen. Und die als Highlight auf dem Honda-Stand präsentierte Design-Studie hat weder Motor noch echte Räder."

Und am Ende schreibt: "Den höchsten Marktanteil haben Klein- und Kompaktwagen. Eine Yamaha Polo, Kawasaki Corsa oder Suzuki Fiesta sucht man in Köln hingegen vergebens. Und wo bleibt das Dieselmotorrad?"

Hier der ganze Kommentar.

09 Oktober 2008

Intermot 2008: Mörderische Zeiten


Übersicht: Alle Modelle - alle Hersteller

Rückfahrt von der Intermot - was für ein Resumee soll man ziehen? Im Zug zurück nach Hamburg kam mir schließlich der iPod und der große alte Mann Leonard Cohen zu Hilfe:

"Give me back the Berlin wall, give me Stalin and St Paul, I've seen the future, brother: it is murder." (Leonard Cohen, The Future)

Vor Ort scheint es, als habe sich nichts geändert auf der Nabelschau der Bikes und Biker-Branche. Die Veranstalter der Intermot 2008 prophezeien Rekorde und Business as usual: Über 200.000 Besucher sollen zwischen dem 8. Und 12. Oktober ins Kölner Messezentrum kommen, über 1100 Aussteller und 40 Ländern sind angetreten. Es wird Häppchen, Hostessen und Highlights geben. Und volle Papptaschen.

Doch wer genau hinschaut und hinhört, spürt, dass die Gemütsgelage bei den traditionell optimistischen Herstellern dieses Jahr eine andere ist. Der raue Alltag hat Einzug in die Veranstaltung gehalten, die von den Zweiradträumen lebt: „Auch wir können nicht verkennen, dass die aktuelle Finanz- und Bankenkrise spürbare Auswirkungen auf unseren Markt haben wird,“ sagt Hendrik von Kuenheim, Motorrad-Chef von BMW.

Kollegen von anderen Herstellern werden im Gespräch noch deutlicher: Die fetten Jahre sind vorbei, die Krise schlägt voll durch. Harley-Davidson hat Leute im Stammwerk entlassen müssen, Kawasaki den Rennsport-Support in Deutschland quasi dicht gemacht, weil die Umsätze im ersten Halbjahr 2008 gefallen sind.

Hinzu kommt, dass die Platzhirsche aus München, Japan und Italien die Weichenstellung für die Zukunft verschlafen haben. Technische Schmanckerl – hier eine neue Baureihe, dort ein ABS, coole Designs aller Orten. Doch alternative Antriebe zum Verbrennungsmotor, die bei wachsendem Kosten- und Umweltbewusstsein der Kunden das Gebot der Stunde wären, sind nicht in Sicht.

Die Biker werden kommen zur Schau, aber ob sie auch weiter den Geldbeutel öffnen? Angst macht die Runde in Köln – man munkelt, dass mancher Bike-Bauer und großer Japaner die nächsten Jahre nicht überstehen wird.

Der Abgesang von Vater Cohen lautet jedenfalls:

"And now the wheels of heaven stop, you feel the devil's riding crop, get ready for the future: it is murder."

(c) Jochen Vorfelder intermot2008koeln

BMW: Kampfansage aus München


Unbestrittener Star auf dem BMW-Stand ist das komplett neue entwickelte Superbike S 1000 RR (im Bild), mit dem die Bayern im kommenden Jahr in die Superbike-WM angreifen wollen.

Die Fahrer Ruben Xaus und Troy Corser sollen auf dem neuen Reihen-Vierzylinder mit 1000 Kubik, der um die 190 PS leistet, den japanischen und italienischen Platzhirschen Paroli bieten. BMW-Motorrad-Chef Hendrik von Kuenheim: "Unser mittelfristiges Ziel ist der WM-Titel." Eine Straßenversion des Renners mit elektronischer Traktionskontrolle und ABS wird wohl ab Sommer 2009 für knapp unter 20.000 Euro ausgeliefert.

Weiter im blau-weißen Schaufenster in Halle 6: drei völlig überarbeitete Modelle aus der K-Serie mit nunmehr 1300 Kubik , das Naked Bike K 1300 R, der Sportler K 1300 S sowie die verkleidete J 1300 GT.

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Honda: Ausgebremste Feuerstühle


Der Marktführer hat wieder den größten Stand, die meisten Hostessen und stellt in der breitesten Modellpalette von Mini-Roller bis Mega-Goldwing eine feine technische Raffinesse vor: das erste vollkommen elektronisch gesteuerte ABS-Bremssystem. Ausgerüstet mit dem neuen System ist der 2009er Jahrgang der Supersportler, die CBR 600 RR ABS und die 1000er Fireblade (im Bild).

Die Fireblade mit 178 PS glänzt zum 60sten Geburtstag von Honda in schillernden Farben - neben der weiß-blau-roten Variante sind Modelle in Schwarz, Blau und Repsol-Orange im Angebot.

Ansonsten: Innovation Fehlanzeige. Die Weiterentwicklung des Automatikkonzepts DN-01 wurde vergeblich erwartet. Die Benzin-Strom-Hybride mit 200 bis 1000 ccm, die japanische Fachzeitungen angekündigt hatten, stecken noch in den Kinderschuhen und sind noch nicht vorzeigbar.

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Harley-Davidson: Amerikanische Muskelspiele


Zur Pressekonferenz kam extra Michael van der Sande, der Vice-President der Bike-Bauer aus Milwaukee, eingeflogen - und stellte die aktuelle Version des Erfolgsmodells V-Rod vor: Die V-Rod VRSCF "Muscle" (im Bild) mit dem 1247 ccm-Zweizylinder-V-Motor bringt wassergekühlte 125 PS und 115 Nm Drehmoment auf den Prüfstand.

Der "Power Cruiser" sieht mit dem neuen Rahmen und flachen Design jetzt noch gemeiner aus. Der Rest der Palette von Softtail- bis Dyna-Baureihe wurde wie jedes Jahr geringfügig überarbeitet.

Erik Buell, der böse Bube in der Harley-Familie, hat mit dem von Rotax entwickelten Helicon V2-Aggregat im neuen "Cafe Racer" Buell R1225 CR endlich einen Antrieb, bei dem er aus dem Vollen schöpfen kann. 148 PS machen aus dem Buell-Konzept der konzentrierten Triebwerk-, Tank und Auspuff-Masse endlich ein stimmiges Oevre.

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Yamaha: Rückkehr des Kultbikes


Die im Jahr 1984 vorgestellte und zur Jahrtausendwende eingestellte Yamaha Vmax galt als ausgestorben - jetzt ist sie wieder da: auf völlig neue Beine gestellt, mit einem Fahrwerk, das diesmal nicht durch die schiere Leistung überfordert ist, jeder Menge Elektronik und doch optisch ziemlich nah am Original. Der neue Kraftprotz (im Bild) saugt 200 PS aus einem 4 Zylindermotor mit 1679 ccm bei einem Drehmoment von 166 Nm, leistet sich allerdings auch ein Kampfgewicht von 310 Kg.

Wie die Konkurrenz zittert auch Yamaha um die Mittelklasse mit den traditionell hohen Verkaufszahlen: Die neue XJ6 Diversion mit 16 Ventil-Einspritzmotor und ABS soll's richten.

Überschattet wird der Yamaha-Stand in Halle 6 von Gerüchten - einer der japanischen Hersteller soll von seinem Mutterkonzern verkauft werden.

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Suzuki: Ende einer Ära


Bert Poensgen, der die Geschicke von Suzuki Deutschland über Jahrzehnte bestimmt geht, zieht sich zurück vom Gut. Aber hinterlässt einen gut bestellten Hof: Die jährlich steigenden Verkaufszahlen entgegen des Trends sollen das 2009er Superbike GSX-R 1000 und die neue Gladius 650 weiter nach oben treiben.

Die neue 1000er wirft gegen die japanischen und neuerdings bayrischen Konkurrentinnen knapp 190 PS bei einem Gewicht von 203 Kg in die Waagschale und gibt die Höchstgeschwindigkeit im Prospekt verschämt mit "über 200 Km/h" an.

Die Gladius (im Bild) mit etwas unter 70 PS ist ein anderes Kaliber. Als Nachfolgerin der in die Jahre gekommenen SV 650 glänzt das Naked Bike vor allem optisch: Der exzellente Design-Entwurf könnte aus einer italienischen Feder stammen. Die Gladius mit ihrer relativ niedrigen Sitzposition soll vor allem Frauen und Anfänger ansprechen.

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