Hendrik von Kuenheim ist Chef der BMW-Motorradsparte - jenem Konzernteil in München und Berlin-Spandau, bei dem es im Mai Kurzarbeit gegeben hat.
Wer diesen für die Beschäftigten nicht unbedeutenden Anlaß als Indiz dafür nimmt, dass von Kuenheim mit offenen und weit blickenden Augen durch die Welt schreitet, sieht sich zumindest nach der Lektüre eines
von Kuenheim-Interviews in der sonntäglichen FAZ enttäuscht.
Besonders folgende Passage hat es mir angetan: "Der Stand der Technik ermöglicht es heute nicht, Fahrzeuge mit alternativem Antrieb zu einem wettbewerbsfähigen Preis zu produzieren, die der Kunde dann auch bereit ist in großen Stückzahlen zu kaufen. Die Batterie-Technik ist heute noch nicht so weit. Akzeptable Autos oder Motorräder, die auch die Kundenerwartungen erfüllen, gibt es noch nicht. Vielleicht wird es 2013 oder 2014 so weit sein, nicht vorher. Fahrzeuge, die es heute gibt, sind Insellösungen oder unausgereifte Bastellösungen."
Na super Position, vor allem vor dem Hintergrund, dass von Kuenheim wenige Zeilen davor konzidierte, dass 1) China ein Markt der Zukunft ist, 2) laut BMW-Markforschung der Kunde mit einem Elektroantrieb mindestens 100 Kilometer weit fahren möchte, und 3) die Frage der "urbanen Transportation" BMW-Motorrad sehr intensiv beschäftigt.
Zählt man 1 und 2 und 3 zusammen, kommt man auf 4 Überlegungen:
- Der durchschnittliche 45er Roller in Deutschland fährt kaum mehr über 5000 Kilometer im Jahr und in der Regel in der Stadt: vom Speckgürtel ins Büro und zurück oder mal rund ums Eiscafe.
- Hat sich die BMW-Marktforschung die falsche Zielgruppe ausgesucht?
- Sind die erfolgreichen Massenhersteller in China, wo der gemeine E-Roller ein Renner ist, und die erfolgreichen deutschen Importeure und Vertreiber allesamt Inselbewohner und unausgereifte Bastler?
- Ist der bayrische Dickschiff-Werk-Chef nicht irgendwie etwas hochnäsig, wenn er in Sachen Elektroantrieb die Angebote ignoriert und in die weite Zukunft 2014 verweist. Seine "Tausende Ingenieure, die alle nach dem Besten streben", hats vielleicht doch etwas gewurmt ...
PS: Hier die weltweiten monatlichen Verkäufe von BMW im Vergleich 2009 versus 2008 nach Zahlen der amerikanischen
Dealernews.
Januar 2009: 3,731, + 1,1 Prozent zu 3,689 in 2008
Februar 2009: 4,401, - 29,6 Prozent zu 6,254 in 2008
März 2009: 9,100, - 18 Prozent zu 11,093 in 2008
April 2009: 10,166, - 18,6 Prozent zu 12,489 in 2008
Mai 2009: 10,172, - 12,2 Prozent zu 11,580 in 2008
Juni 2009: 9,402, - 13,8 Prozent zu 10,904 in 2008
Wenn diese Zahlen stimmen - Dealernews hat sie noch nicht dementiert - dann verwundert es doch schon, wenn von Kuenheim in der FAZ wie folgt zitiert wird: "Der Auftragseingang von BMW für neue Motorräder war im Juni das erste Mal seit neun Monaten im positiven Bereich. Wir hatten einen massiven Auftragseinbruch im Januar, auch noch im Februar, aber jeden Monat hat sich das kontinuierlich verbessert. Da ist also Licht am Ende des Tunnels."
Welcher Auftragseingang, welcher Verkauf, welcher Tunnel?