27 April 2009

Branchenkrise bei Harley: Mit Vollgas in die Vergangenheit

Bei Harley-Davidson wird die komplette Führungsspitze ausgewechselt – der alte Vorstand hatte keine Antworten auf hausgemachte Kredit-Probleme und die Vergreisung der Kunden. Jetzt sollen es ein Mann knapp vor der Pensionsgrenze und ein Re-Import aus Italien richten.


Wer dieser Tage in Naples, Florida, unter der gleißenden Frühlingssonne die Gateway Lane hinunter fährt, erfasst das Problem auf den ersten Blick: Vor den schnucken Anwesen in den Seitenstrassen sind „For Sale“-Schilder in den Rasen gepflockt. Beim Motorrad-Händler ein Stückchen weiter, unter der Harley-Davidson-Reklame, parken Fat Bobs, V-Rods und 35.000 USD-Flagschiffe in Reihe. Fabrikneu, noch nicht zugelassen, liegen sie wie Blei im Regal.

Tony „Just call me Tony“, der Verkäufer, jammert: „So schlecht wie im letzten Winter ging das Geschäft noch nie.“ Die Absatzkrise hat nicht nur GM, Ford und Chrysler im Mark getroffen, sondern auch ein weitere amerikanische Ikone. Das erste Opfer: der alternde Vorstand und CEO James „Jim“ Ziemer, der nach vierzig Jahren Dienst im Stammwerk in Milwaukee Harley-Davidson verlässt. Er war in den letzten kritischen Monaten nur noch mit flammenden Durchhalte-Appellen aufgefallen.

Ersetzt wird er durch den ebenfalls 59-jährigen Keith Wandell, ein anderes Urgestein vom Mischkonzern und Autozulieferer Johnson Controls; ebenfalls aus Milwaukee, Wisconsin: „just down the road“, würde man vor Ort sagen. Wahrscheinlich kennen sich der alte Firmenlenker und der neue Mann, der den schwer angeschlagenen Motorradbauer in die Zukunft führen soll, seit Jahren aus dem Golfclub und der Kirchengemeinde; Milwaukee ist konservativ, überschaubar und eigentlich eine geschlossene Gesellschaft.

Wandell wurde erst in den Wochen vor Weihnachten 2008 einem breiteren Publikum bekannt: Da wurde der Zuliefererchef in zweiter Reihe mit den drei Bossen von GM, Ford und Chrysler vorgeladen und musste zur Frage aussagen, wie man eine Industrie so gründlich in den Schlamassel reiten und dennoch vor dem Bankenausschuss des US-Kongresses so hochmütig auftreten kann.

Unmoderne Maschinen und geriatrische Kunden


Nicht nur in der Harley-Zentrale und bei Wandell ist das Alter – bzw. ein gewisser Altersstarrsinn - ein Problem: Auch die Vertretung in Naples leidet unter mangelnder Inspiration und Vergreisung im Kundenkreis. Gekauft wie die Wahnsinnigen haben im Sunshine-State Florida bisher die angegrauten Baby-Boomer, die sich auf dem Sattel der Dickschiffe an die wilden Zeiten zurück sehnen. Deren Ersparnisse und Alterversorgung sind in den letzen zwei Jahren mit dem Debakel der amerikanischen Pensionskassen und der Immobilienkrise, in der die Grundstücks- und Condo-Preise wie in einem Maelstrom ins Bodenlose gezogen wurden, in Schall und Rauch aufgegangen. „Just call me Tony“, der Verkäufer von Luxus-Spielzeugen, bemerkt zu Recht: „Toys for Old Boys sind momentan schwer an den Mann zu bringen.“

Die Auswirkungen spürt vor allem die Konzern-Tochter Harley-Davidson Financial Services (HDFS). Vor 15 Jahren gegründet, hat das Finanzhaus in den vergangenen Jahren Subprime-Kredite wie Konfetti unter die potentiellen Käufer geworfen – mit der gleichen verheerenden „No Money Down!“-Strategie, die auch dem Immobilienmarkt vor Ort schon das Rückgrat gebrochen hat.

Nach Angaben der Ney York Times sind ein Viertel der 2008er Käuferkredite, die HDFS im Gesamtwert von etwa 2,8 Milliarden USD mit im Schritt 18 Prozent Zinsen vergeben hat, „subprime“ – also nicht mit entsprechenden Gegenwerten oder Abschlagszahlungen der Käufer abgesichert. Ein Motorrad-Blogger nannte die Situation „ein Kartenhaus im Erdbebengebiet“.

Das haben auch die Bankhäuser und Investoren gemerkt, bei denen sich HDFS die Vorfinanzierung – gebündelt als Kreditpaket oder weiter veräußert so genannte „Securities“ – zu günstigeren Zinsen besorgt hat: Sie wollen ihr Geld zurück. Schnell, bevor noch mehr Kredite platzen, und gebrauchte Harleys von säumigen Ratenzahlern in rauen Mengen auf den Hof geschoben werden.

Risikoinvestment: Über ein Zehntel der Belegschaft muß gehen

Wie eng die Lage tatsächlich ist, hat Harley bereits Anfang des Jahres erfahren müssen, nachdem der Finanzchef Saiyid Naqvi nach nicht ein mal zwei Jahre im Amt zurück getreten war, Ziemer seinen Abschied angekündigt hatte, und das Unternehmen eine erste dringende Finanzspritze brauchte. Das anerkannte Unternehmens-Barometer, die Rating-Agentur Standard & Poor's, stufte die aktuelle Bewertung von A auf BBB+ zurück - ein Verlust von zwei Punkten und ein klares Signal: „Risko-Investment!“.

Entsprechend sahen die Konditionen aus, mit dem Berkshire Hathaway, Warren E. Buffett’s Investment-Firma, und Harleys Großanteilseigner Davis Selected Advisers zu Hilfe eilten: Sie pumpten jeweils 300 Mio. USD in die leeren Kassen von Milwaukee – zu leckeren 15 Prozent Zinsen. Doch die 600 Millionen werden nicht lange reichen. Tom Bergmann, Harley-Davidson’s aktueller Finanzchef, hat bereits einen Finanzierungsbedarf von rund 1 Milliarde USD allein für 2009 in den Raum gestellt.

Harley reagiert natürlich auf die angespannte Finanzlage und den schwindsüchtigen Aktienkurs, denn seit letzten September hat ein Anteilschein über 60 Prozent verloren und dümpelt nun bei 18 USD – das Unternehmen will unter den Rettungsschirm der Obama-Administration und hat harte Einschnitte angekündigt: Werkschließungen, Kurzarbeit. 1100 der knapp 10.000 festen Mitarbeiter und 300 bis 400 Teilzeitkräfte müssen bis 2010 gehen. Auch die Stückzahl, die dieses Jahr vom Band läuft, wird drastisch zurückgefahren, statt der projektierten 305.000 Einheiten auf derzeit 264.000. (Im Jahr 2006 lag die Zahl der weltweit ausgelieferten Maschinen noch über 350.000.)

Auch die anderen Hersteller, die Japaner und BMW, haben ihre Jahresprognosen für den amerikanischen Markt inzwischen angepasst, doch Harley hat ein spezielles Manko: Es verkauft alte Technik für ein noch älteres Publikum. Der durchschnittliche „Captain America“ – Rentner auf Harleys sehen sich gerne in der Tradition von „Easy Rider“ - ist inzwischen über 50 Jahre alt und mit der Modellpalette werden die lukrativen Sport- und Supersportler-Segmente, auf die gutbetuchte Mittdreißiger abfahren, quasi nicht bedient.

Kein Sinn für scharfe Italienerinnen

In Milwaukee kennt man das Problem schon seit Jahren und hat die V-Rod-Motoren und neuerdings die XR 1200 aus diesem Grund entwickelt. Auch die sportliche Buell-Linie und vor zwei Jahren die Edelmarke MV Agusta in Italien hat man sich einverleibt: Die Idee war ein Mega-Anbieter für alle Zielgruppen unter einem H-D-Dach. Doch der quicke Jungborn durch die Heirat mit den scharfen Modellen aus Italien und die Infusion von neuen Ideen über den genialen Tüftler Erik Buell funktionieren nicht.

Im Gegenteil: Der trockene Harley-Mann Matt Levatich, bei MV Agusta ans Ruder geschickt, hat versucht, im Pasta e Vino-Milieu Kostenkontrolle üben zu lassen und die Fertigungseffizienz erhöht. Dabei hat der 44jährige viel kreatives Porzellan zerschlagen.

Im Januar reichte schließlich der Mentor der Marke und Taktgeber der MV-Agusta-Design-Abteilung, Massimo Tamburini, seine Demission ein. Wie man hört, im bösen Streit. Jetzt ist Matt Levatich zurück in Wisconsin und wird beim Stühlerücken bei Harley-Davidson nach oben weg befördert, zum Chief Operation Officer, ab 1. Mai verantwortlich fürs Tagesgeschäft bei einer der weltweit immer noch bekanntesten Brands.

Die Stärke der Marke ist inzwischen auch ihr Nachteil: Im Gegensatz zu den Achtziger Jahren, als man noch bis zu einem Jahr auf seine Harley warten musste, ist die Mitgliedschaft in der weltweiten „HOG-Family“ inzwischen mit einem Scheck und dem Anbringen des Nummernschilds besiegelt. Echte Fans wenden sich mit Grausen ab, neue wachsen nicht nach.

Der Abgang der Amis ist eine gute Nachricht für MV Agusta, wo an Stelle von Levatich nun Enrico D'Onofrio, früher Finanzchef bei Ducati, einsteigt. Man spricht wieder Italienisch, Gott sei Dank. Ob die mit dem Eigengewächs Levatich – auch schon fünfzehn Jahre dabei - erhofften Change- und Synergie-Effekten jemals in Milwaukee Wirkung zeigen?

In Naples, Florida, sind sie bisher noch nicht angekommen. Die spärlichen Besucher, die sich in den Harley-Show Room verirrt haben, brauchen kein Customizing oder Powersports-Zubehör, sondern eher Sehhilfe und Hörgerät. Auch „Just call me Tony“ ist nicht ganz auf Höhe der Krise. Auf die Möglichkeit angesprochen, mit ein paar schnellen MV-Agusta-Italienerinnen ein anderes Klientel in den Laden zu locken, fühlt er sich eher brüskiert: „Was soll das sein, MV Agusta?“

(c) Jochen Vorfelder

16 April 2009

Harleys: Auspufftüten im Libanon-Style

Weil moto1203 in zehn Tagen auf Moppet-Tour in den Libanon geht, und dort die Bikerszene etwas anders aussieht als an den hier handelsüblichen Treffpunkten wie der Spinnerbrücke in Berlin oder am Zollenspieker in Hamburg, wollen wir zur Definition der Unterschiede heute mal den guten alten Hausphilosophen Karl Marx bemühen.

Marxens berühmter Satz - "Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein" - (im Gegensatz zu Hegelschem Denken, demzufolge das Bewusstsein das Sein bestimmen würde) erklärt nämlich, warum die Customizer-Szene in der Levante auf so absonderliche Ideen wie den im unteren YouTube-Video vorgestellte Harley-Auspuff kommt.

Wer schon mehrere Bürgerkriege überlebt hat, vor dessen Haustür die eine oder andere Autobombe hochgegangen ist, und nicht zuletzt bei der Tor durchs Land den einen oder anderen schwer bewaffneten Milizionäre am Checkpoint passiert, muss wahrscheinlich beim Design das Erlebte verarbeiten... Voila, der Maschinengewehr-Auspuff.


Der Videowart

PS: Je länger ich das Video anschaue, desto stärker zweifle ich, dass es sich um eine Harly handelt. Best Bets gefragt - was meint die geneigte Leserschaft, was ist das für eine Maschine ????

15 April 2009

Branchenkrise: Vectrix geht die Luft aus

Wie es scheint, steckt der Hersteller von Elektro-Scootern Vectrix in tiefen finanziellen Schwierigkeiten: Einer aktuellen Meldung aus dem Hauptquartier des amerikanischen Elektroantriebspionier in Middletown, Rhode Island, ist zu entnehmen, dass man dringend einen Investor sucht und an das Zusammengehen mit einem anderen Zweiradhersteller denkt.

Zusätzlich will Vectrix 60 Stellen streichen, wobei unklar bleibt, ob diese Stellen in den USA oder am Produktionsstandort Polen entfallen sollen.Wie weiter gemeldet wurde, bemüht man sich bei Vectrix auch um einen Regierungs-Kredit zur Überbrückung des aktuellen finanziellen Engpasses. Nach der Warnmeldung wurde der Handel mit Vectrix-Anteilen an der New Yorker Börse bis auf unbestimmte Zeit au sgesetzt.

Vectrix baut seit nunmehr fast drei Jahren Elektro-Roller für ein High-End-Klientel in den Staaten; das Flagschiff der Marke ist auch in Deutschland zu einem stolzen Preis knapp unter 10.000 Euro zu haben. Um aus diesem schmalen Nischen-Segment heraus zu kommen, hatte Vectrix in letzter Zeit auch bei der Entwicklung eines billigeren Massen-E-Rollers mit einem deutschen Hersteller kooperiert.

Noch vor einem Jahr hatte die Zukunft rosiger ausgesehen: Auf der Mailänder
Mailänder Motorradshow EICMA hatte Vectrix die Studie für eine E-Rennmaschine (siehe Foto) vorgestellt, die über 200 Stundenkilometer schnell werden und diese Leistung über 70 Kilometer Reichweite bringen sollte.

Dass das E-Geschoss in Produktion gehen würde, stand bereits damals in den Sternen, denn 500 Bestellungen wollte Vectrix vorab verbuchen. Eine offenbar illusorische Stückzahl – bei einem Festpreis von 55.000 Euro.

07 April 2009

Branchenkrise: Suzuki geht auf Kurzarbeit

Suzuki Motor Corp. (SMC) in Japan reagiert auf die Krise: Der Konzern hat bekannt gegeben, dass zwei einheimische Werke im April für fünf respektive acht Tage geschlossen werden.

Während im Sagara-Autowerk in Makinohara, wo Motoren und fertige Fahrzeuge zusammen gebaut werden, die Bänder für fünf Tage still gelegt werden sollen, gehen die Angestellten im Toyokawa-Werk in der Aichi-Präfektur für mindestens acht Tage auf Kurzarbeit. Dort werden Suzuki-Motorräder und Außenborder für den Export gefertigt.

Suzuki hat nach Angaben der amerikanischen Dealernews die Kurzarbeit als direkte Folge auf die schlechten Exportzahlen in den beiden ersten Monaten 2009 beschlossen. Nach dem Fachblatt hat Suzuki im Februar 2009 insgesamt 17.519 Zweiräder produziert - im Vergleichmonat 2008 waren es noch 44.202 gewesen.

06 April 2009

Branchenkrise: Nichts zu lachen für die japanischen Hersteller

Genaue Zahlen von der Insel (Nein, nicht die überm Kanal, sondern die in Fernost) waren bisher nicht zu kriegen - jetzt hat die JAMA, die Vereinigung der japanischen Automobilhersteller, die ersten präzisen Angaben zur Lage und Exportleistung der großen Motorradhersteller veröffentlicht.

Fazit der Zahlen über den Februar 2009: Nicht nur Harley und KTM sind in Kredit- und Absatznot. (Wie geht es eigentlich BMW? Aber das ist eine andere Geschichte, zurück zu den Japanern.)

Bei den Maschinen über 125 ccm haben die vier Größen Honda, Suzuki, Kawasaki und Yamaha in 2/2009 einen Rückgang der Exportzahlen von 40,6 % im Vergleich zum Februar 2008 zu verzeichnen. In nackten Einnahmen - der Wert aller exportierten Maschinen und Ersatzteile liegt bei 540 Mio. USD - schlägt der Rückgang mit 339,23 USD im Vergleich zum Vorjahresmonat zu Buche.

Von den insgesamt 74.439 noch exportierten Motorrädern gingen 26.813 nach Europa - ein Minus von 53,3 Prozent. In amerikanischen Häfen gingen noch 28.455 Stück an Land - minus 63 Prozent im Vergleich zu Februar 2008.

Den größten Anteil an den schwindenden Export-Stückzahlen hat Honda zu tragen - schwindelerregende 88,3 Prozent. (Yamaha 50,6, Suzuki 53,3, Kawasaki 69,1 Prozent)

Auch auf dem heimischen Markt greift die Krise inzwischen Platz: Die Ertrag stärkste Klasse über 250 ccm hat in Japan ein Verkaufsrückgang von 56,7 Prozent erlitten.

Armes Nippon. Wetten werden angenommen: Welcher der vier Hersteller wirft in den nächsten 24 Monaten als erstes das Handtuch?

Der Statistikwart

03 April 2009

Neuzulassungen: März 2009 ganz akzeptabel


Wir Kraftradfahrer sind Helden.

Vergessen beim Aushandeln der Abwrackprämie, verlassen vom Industrieverband der Motorradhersteller, der weitab von der Lobbyschaltzentrale Berlin im ruhigen Bonn seinem gemächlichen Büroalltag frönt, haben wir uns im März 2009 aufgemacht, auf eigene Faust die Branche anzukurbeln.

Hier die aktuellen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamts Flensburg fürs erste Quartal 2009:

Krafträder Neuzulassungen
März 2009 - 23.767 +125,9 % gegenüber Vormonat
Feb. 2009 - 10.521 +116,0 % gegenüber Vormonat
Jan. 2009 - 4.850

Krafträder Umschreibungen
März 2009 - 52.363 + 163,3 % gegenüber Vormonat
Feb. 2009 - 31.489
Jan. 2009 - 17.348

Und hier der wichtige Vergleich zum Vorjahr:
Das erste Quartal 2009 liegt damit um -12,4 % unter dem Vorjahr, im Januar waren es noch alarmierende -43,5 %.

Wie soll man das interpretieren? Deutungsmuster gibt es diverse: Man könnte sagen, die Branche konsolidiert sich auf dem Niveau von 2005, es wird eine Ausdünnung und Gesundschrumpfung in der Branche geben, einzelne Hersteller und Händler werden die Tore schließen oder geschluckt.

Oder man lobt die zweirädrigen Mobilisten: Trotz widriger Umstände, drohendem Wirtschaftsstillstand, unklarer Zukunft und Nischendasein in Sachen Lobby lassen sie sich die Freude am Hobby nicht nehmen. Hiermit getan.

Der Statistikwart

01 April 2009

Branchenkrise: BMW und IKEA kooperieren bei Motorradbausatz


Der deutsche Branchenprimus BMW reagiert auf die Absatzkrise bei den Zweiradhändlern: Die Bayern haben heute überraschend bekannt gegeben, dass im Frühjahr 2010 eine weltweite Vertriebskooperation mit dem Möbel- und Selbstbauriesen IKEA gestartet werden soll.

Wie BMW-Motorradchef Hendrik von Kuenheim und IKEA-Gründer Ingvar Kamprad gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Frankfurt mitteilten, wurde vereinbart, dass ab März des kommenden Jahres testweise zunächst über 20 ausgewählte deutsche Filialen des Einrichtungs-Discounters ein modifiziertes, für den Selbstbau radikal vereinfachtes Boxer-Modell als Bausatz ausgeliefert werden soll.

Das Motorrad soll sich in Form und Technik am Modelljahr 2002 orientieren, 750 Kubik haben und in rund 300 Einzelteilen zum Verkauf kommen. Der Prototyp sei bereits im Fahr- und Testbetrieb; er soll im Herbst vorgestellt werden.

BMW will nach den Wort von Kuenheims mit der überraschenden Zusammenarbeit neue Käuferschichten erschließen: "Wir wissen, dass unser Hausmarkt der besser verdienenden GS- und Tourer-Käufer irgendwann erschöpft sein wird. Mit dem Einsteiger-Modell bei IKEA zielen wir direkt auf die Mittdreißiger und Familienväter mit schmalerem Budget, die ohnehin Spaß am Basteln und Zusammenbauen haben."

Wegen dieser Zielgruppe und dem weltweiten Netzwerk von Filialen sei IKEA der richtige Partner; dadurch habe man sich gegen einen deutschen Partner entschieden: "Auch mit Aldi und Lidl waren wir zunächst im Gespräch."

Hergestellt und verpackt werden sollen die Einzelteile des Billigboxers in China, wo BMW seit September 2007 bereits den Motor der G 650 Xcountry vom chinesischen Hersteller Loncin bauen läßt. Weil die aufwendige und arbeitsintensive Endfertigung bei dem neuen Modell, das unter dem Codename "Billy Road" läuft, entfallen wird, soll der Preis unter 4000 Euro liegen.

Der Käufer kann sich das Motorrad wie bei IKEA üblich über hauseigene Spediteure nach Hause bringen lassen; das Bike soll wie bei allen Produkten, die bei dem Möbelvermarkter im Angebot sind, mit einer ausführlichen und leicht verständlichen Bauanleitung und entsprechend hochwertigem Werkzeug ausgeliefert werden.

Garantieansprüche entfallen beim Selbstbau; allerdings bietet IKEA an, die Maschine bei Nichtgefallen zurück zu nehmen. Ingvar Kamprad in Frankfurt: "Alles was bei IKEA rausgeht, kann innerhalb von drei Monaten auch zurück gebracht werden."

Falls sich das neue Vertriebsmodell bewährt, ist eine Ausweitung zunächst auf die europäischen und asiatischen IKEA-Filialen angedacht. Den amerikanischen Markt, so von Kuenheim, wolle man zunächst nur beobachten, da er durch die spezielle US-Gesetzgebung mit hohen Regressansprüchen ein "tückisches Pflaster" sei.

30 März 2009

MotoGP 2009: Start unter der Flagge des Diktators

Noch rund zwei Wochen, bis in Qatar die Startflagge für den ersten Lauf der 2009er MotoGP-Saison geschwenkt wird - am Start ist auch das Grupo Francisco Hernando-Team mit dem Fahrer Sete Gibernau. Der gleichnamige Sponsor Francisco Hernando kommt aus Spanien - und ist eine bekannte Schweinebacke:

Hernando, der in den vergangen Jahren bereits die Onde 2000-Teams in der 125er und 250er-Klassen gezahlt hat, ist ein Immobilien-Tycoon mit zweifelhafter Vergangenheit. Nach einem Bericht der spanischen El Pais wurde er 2007 wegen Steuerhinterziehung zu vier Jahren Haft verurteilt, aber verhinderte den Gang in die Zelle, indem er drei Millionen Euro nachzahlte. Bekannt wurde er in letzter Zeit auch durch einen Report der britischen BBC über die von ihm initierte Geisterstadt Seseña rund 40 Kilometer südlich von Madrid. Hernando ließ dort 13500 Eigentumswohnungen in den Staub stellen - nur 2500 sind verkauft, 750 bewohnt.

Die berechtigte Frage, wie der Mann inzwischen sein Geld verdient, spiegelt sich in den Farben der MotoGP-Ducati, die Sete Gibernau in Quatar an den Start pilotiert - die Farben von Äquatorialguinea, ein zentralafrikanische Diktatur unter der Knute von Teodoro Obiang Nguema Mbasogo. Nguema steht auf der aktuellen Liste der "World's Worst Dictators" auf Platz 14; Amnesty Internationals Bericht über das Land verschlägt einem die Sprache.

Sei's drum, Hernando kommt jedenfalls gut mit dem Diktator aus, baut dort lustig unter der schützenden Hand der Soldateska exklusive Anlagen für spanische Urlauber, und hat sein MotoGP-Team ursprünglich auch unter dem Label "Equatorial Guinea" an den Start gebracht.

Mit welchem Geld? Das zusammengeraffte und auf Auslandskonten geparkte Privatvermögen von Diktator Nguema wird jedenfalls auf über 650 Mio. US-Dollar geschätzt.

Die direkte Verbindung zu dem Schurkenstaat war Hernando nun doch zu heiß; seit zehn Tagen ist das Gibernau-Team nun offiziell in Grupo Francisco Hernando umbenannt - doch die speckige Verbindung bleibt wie die Farbe der Ducati.

Es soll ja Leute geben, die das MotoGP-Sponsoring durch die Zigaretten-Industrie schon kritisch sehen - aber Schaulaufen für Diktatoren mit Blut an den Händen ist echt starker Tobak.

Mehr dazu bei motogpmatters.com

23 März 2009

E-Scooter: Vision für den Stadtverkehr


Vor ein paar Tagen hatten wir über die Subventionen der Pariser Stadtverwaltung beim Kauf eines E-Scooters berichtet, hier nun ein Bericht aus der amerikanischen Wired über ein weitergehendes Model zu Beruhigung des urbanen Verkehrs: Mitnahmestationen für elektro-getriebene Roller. Gefällt mir fast noch besser als der eigene E-Scooter für den Pendler, auch so etwas würde deutschen Großstädten mit verkehrsberuhigtem innerstädtischem Raum gut anstehen.

20 März 2009

Branchenkrise: Chinesische Qianjiang-Gruppe stützt Benelli


Nach Recherchen von Motociclismo sind die chinesischen Investoren beim italienischen Hersteller Benelli weiter gewillt, Geld in die ungewisse Zukunft der Marke zu versenken.

Seit Benelli im Oktober 2005 von der chinesischen Qianjiang-Gruppe übernommen wurde, die pro Jahr rund eine Million Motorräder bis 150 cm³ baut, haben die Chinesen nach Marktkennern ungefähr 10 Mio. Euro in die Modernisierung der Benelli-Fertigung und die Entwicklung neuer Modell investiert.

Jetzt ist Qianjiang offensichtlich bereit, für neue Modelle noch einmal 20 Mio. Euro nachzuschiessen. Der Vorstandsvorsitzende von Quanjiang, Haimei Yan, hat dies am Rande einer Konferenz in Mailand verlauten lassen und gleichzeitig angemerkt: "Benelli ist nicht profitabel, aber wir glauben an die Marke." Als größten derzeitigen Probleme bezeichnete Yan nicht die aktuelle Absatzkrise, sondern unverblümt die italienische Bürokratie: "Es ist die Art, wie hier business gemacht wird. Ausufernde Bürokratie, Papierkrieg bei Importen aus China und unklare Geschäftsabläufe behindern die schnelle Entwicklung."

Der Einstieg der Chinesen bei Benelli war 2005 mit gemischten Reaktionen aufgenommen worden. Während Finanzinvestoren den neuen Cashflows begrüßten, hatte die Branche selbst abwartend reagiert und höchste Heuschreckengefahr vermutet: Der Abfluss des technischen Know-hows nach China könne auf Dauer auch dazu führen, dass die Marke ausblute.

Benelli hat angekündigt, zu Jahresende wohl auf der EICMA in Mailand die neue DUE 756 zu präsentieren, einen wohl 90 PS starken Parallel-Twin. Kommen soll auch eine völlig neue Linie mit einem 600er Vierzylinder, der angeblich um die 130 PS leisten soll.

19 März 2009

Waldmann und Wimmer kaufen sich bei MZ ein

Hoffnung für den abgewirtschafteten sächsischen Motorradhersteller MZ: Ralf Waldmann, zweimaliger Vizeweltmeister in der Viertelliter-Klasse 19996 und 1997, hat zusammen mit seinem ehemaligen Rennkollegen Martin Wimmer die Marke MZ gekauft.

Wimmer hat den Kauf am Mittwoch Abend bestätigt. Laut einem Bericht der Freien Presse in Chemnitz ist eine erste Rate des Kaufpreises bereits geflossen; über den Gesamtpreis von angeblich 4,5 bis 5 Millionen Euro wird fleißig spekuliert. Wimmer ist seit November vergangenen Jahres im Hintergrund mit dem sächsischen Wirtschaftsministerium und einem Bankenverbund dabei, eine Finanzierung zu zimmern.

Zschopaus Oberbürgermeister Klaus Baumann (CDU) zeigte sich erleichtert: "Für unsere Region zählt jeder Arbeitsplatz", sagte er. Seit Anfang des Jahres hatten nur noch eine Handvoll ehemaliger Mitarbeiter die stillgelegten Produktionshallen in Schuss gehalten.

Wimmer und Waldmann wollen am alten Standort 125er und 250er Viertakt-Maschinen und Roller montieren lassen; die Teile sollen wie in der Branche üblich aus Fernost und China bezogen werden. Auch über einen Einsatz einer MZ-KTM in der 125er IDM wird spekuliert - das Reglement lässt zu, mit einem 250ccm-Viertakter gegen die 125er-Zweitakter anzutreten. Dafür sei das MZ-Knowhow in Verbindung mit einem KTM-Viertaktmotor exzellent geeignet.

16 März 2009

Audi-Bike Z02: Wir sind doch keine Fahrradhersteller


1976 liefen beim Premium-Klasse-Hersteller Audi noch biedere Kleinwagen wie der Audi 50 vom Band – aber heimlich wurden schwere Motorräder geplant. Roland Gumpert, der Erfinder der Z02, erinnert sich, wie ein humorloser Jurist aus Wolfsburg dem Projekt ein jähes Ende setzte.

Auf so einen Verbündeten hatte der Ingenieur Roland Gumpert gerade gewartet. Mitte 1972 heuerte bei seinem Arbeitgeber Audi ein forscher Hauptabteilungsleiter für Sonderaufgaben an: Ferdinand Piëch. Der neue Mann, er kam von Porsche, sorgte für frischen Wind bei den biederen Autobauern in Ingolstadt. Als einer seiner ersten Maßnahmen peitschte Piëch durch, dass kein neues Modell mehr ohne ausführliche Sommer- und Wintertests in die Produktion gehen solle.

„Das war die Geburtsstunde der Sommer- und Winter-Erprobungsfahrten. Es gab zwar einen Dauerlauf, aber natürlich nur mit den in Deutschland herrschenden Klimabedingungen. Damals war das eine große Werkstatt, in der die Fahrzeuge für die Testfahrer gewartet wurden. Die fuhren im Schichtbetrieb raus und haben ihre Erkenntnisse abgeliefert, bevor die Autos auf den Prüfstand gingen und modifiziert wurden. Für die Organisation der nun eingeführten Erprobungsfahrten war ich Ferdinand Piëch direkt verantwortlich.“

Roland Gumpert hatte Maschinenbau in Graz studiert und 1969 gleich nach dem Examen bei AUDI in Ingolstadt angeheuert. Zunächst als Versuchsingenieur und dann als Typenbegleiter beim Kleinwagen Audi 50 hatte er sich hochgearbeitet, bis zum Abteilungsleiter in der Versuchsabteilung – die damals noch ein Abenteuerspielplatz war. Hier konnte Gumpert auch seiner Leidenschaft frönen: Motorrädern.

„Ich hatte schon immer an Motorradln rumgeschraubt, meine erste Maschine noch in Österreich war eine alte Zweitakter-Puch. Und bei Audi, da gab es ja die alten Neckarsulmer NSU- und DKW-Leute, die nach Ingolstadt gekommen waren. Zweirad-Tradition und Know-How gab es also noch, und Ferdinand Piëch war ja auf seine Art auch ein Motorrad-Verrückter. Als wir mit der Idee rausgerückt sind, in unserer Versuchsabteilung ein Audi-Motorrad zu bauen, war Piëch sofort begeistert, aber hat gesagt: Machen Sie das heimlich. Bevor das rauskommt, müssen wir was Brauchbares vorweisen können.“

Im Sommer 1975 bauten Gumpert, sein Werkstattmeister Bernd Jäger und zwei Mechaniker in einer Ecke ihrer Versuchsabteilung einen kleinen, abgeschlossenen Holzverschlag für ihr klandestines Projekt. Gumpert kaufte für kleines Geld bei BMW in Ingolstadt eine gebrauchte R 90S, ließ das Gefährt völlig auseinander nehmen, und pflanzte an Stelle des bayrischen Boxer-Motors ein Audi-Aggregat ein: den damals hochmodernen, 60 PS-starken Vierzylinder des Audi 50 mit knapp 1100 Kubik. Um den wassergekühlten Trumm mit dem außen liegenden Zahnriemen einzupassen, wurde der BMW-Rahmen flugs passend geschweißt; statt des Kardans wurde eine hand gefertige Schwinge verbaut. Für die Kraftübertragung griffen Gumpert und seine Crew auf eine Kette und englische Bauteile zurück – das Getriebe und die Kupplung der Versuchsmaschine stammten aus einer ausgeschlachteten Norton Commando.

„Wir hatten wirklich Spaß bei dem Projekt, das wir quasi nebenbei und nach Feierabend voran getrieben haben, das sieht man an den Details. Statt den Audi-Vergasern haben wir uns welche von Bing ausgesucht, die Auspuffkrümmer haben wir selber gebaut, genauso die Alu-Deckel, mit denen der Zahnriemen und die Kupplung verkleidet sind. Und Design-technisch waren wir auch auf der Höhe des damaligen Geschmacks – teilweise natürlich mit den BMW-Parts, aber auch mit den Gussrädern von Ronal und dem kleinen Handschuhfach im Tank. Ein Klasse Motorradl, sag ich Ihnen.“

Anfang 1977 war die Z02 – eine Z01 gab es nie – fahrbereit und Gumpert spulte die ersten Tausend Testkilometer ab. Bevorzugt am Wochenende und nächtens auf den Autobahnen im Süden der Republik testete er den geheimen Prototypen im Dauerlauf und mit Full Speed.

„Der Motor hatte ein irres Drehmoment und lief wie eine Eins, aber das Norton-Getriebe war nicht auf diese Kräfte ausgelegt. Auf Dauer hätte es durch eine Eigenentwicklung ersetzt werden müssen, aber wie gesagt, wir waren ja noch nicht im Stadium der eigentlichen Konstruktion oder gar Produktion. Bei den Testfahrten war das oft schon sehr kritisch. Bei Geschwindigkeit Zweihundert ist mir oft der Gedanke durch den Kopf geschossen, was machst Du eigentlich, wenn jetzt das Getriebe versagt oder die Kette reißt? Da war mir oft nicht ganz wohl.“

Die Volkswagen AG hatte 1964 das Ingolstädter Werk der alten Auto Union – der Marke mit den vier Ringen – gekauft und bestimmte damit die Geschicke von Audi, das 1977 noch Audi NSU Auto Union AG hieß. Ferdinand Piëch hatte noch nicht das Sagen, alle strategischen Entscheidungen in der Konzernzentrale in Wolfsburg wurden noch ohne sein Votum gefällt. Für die Ingolstädter war das bitter: 1978 etwa wurde die Produktion des erfolgreichen Audi 50 zugunsten des baugleichen Polo der Wolfsburger Mutter eingestellt.

Auch über die Zukunft der Z02 musste weit weg von Ingolstadt entschieden werden. War man bereit, Audi an der langen Leine laufen zu lassen, bereit zur radikalen Diversifizierung der Produkt-Palette? Piëch und Gumpert hatten nicht nur eine Klasse Maschine, sondern auch eine Vision: Auf der Basis der Z02 sollte sich neben BMW ein zweiter deutscher Konzern als Motorrad-Hersteller etablieren; gebaut werden sollten die Audi-Maschinen mit 1100 und 1300 Kubik im neuen VW-Werk in Brasilien.

„Ende der Siebziger Jahre, da gab es ja noch nicht diese ausgefuchste Marktforschung von heute, da wurden viele wegweisende Entscheidungen noch aus dem Bauch heraus getroffen. Als wir damals 1977 nach Wolfsburg gefahren sind, um die Z02 vorzustellen, hatten wir deshalb schon Bedenken: Wenn der Entscheidungsträger nicht aus dem Fahrzeugbau kommt, sondern mit zwei linken Hände versehen ist und Juristerei studiert hat, dann kann es schwierig werden, hab ich mir gesagt. Und prompt ist es auch so gekommen – der damalige Vertriebschef Dr. Schmidt, der zweitwichtigste Mann nach dem Vorstandsvorsitzenden, hat sich die Z02 kurz angeschaut, und dann kam die ernüchternde Antwort, die ich nie im Leben vergessen werde: ‚Wir sind doch keine Fahrradhändler.’ Damit war die Z02 mausetot.“

Roland Gumpert ist überzeugt, dass es heute Audi-Motorräder geben würde, wenn Dr. Schmidt selbst einmal auf einer Maschine gesessen hätte. Er tröstet sich damit, dass der Verwurf von Prototypen das täglich Brot von Entwicklungsingenieuren ist, und zumindest sein Folgeprojekt überaus erfolgreich war – der permanente Vierradantrieb des VW Iltis und in der Folge des Audi Quattro. Auch für ihn hat er kämpfen müssen; VW traute dem Segment am Anfang keine zweihundert Stück zu. Gumpert wurde mit der Innovation Rennleiter von Audi Sport und holte vier Rallye-Weltmeister-Titel.

Die Z02 steht heute fahrbereit im Audi Forum in Ingolstadt nicht weit vom Ur-Quattro. Ihr Erfinder baut die radikalen und super schnellen Apollos in der eigenen Gumpert Sportwagenmanufaktur. Mit Audi-Motoren.

15 März 2009

Kids-Bikes: Amerikanischer Veteran plant Protest gegen geltendes Verbot

In der zweiten Februar-Woche hatten wir über eine besondere Variante des amerikanischen Heimatschutzes berichtet - den Verbot von Kids-Crossern im Rahmen des in den USA in Kraft getretenen Consumer Product Safety Improvement Act (CPSIA).

Die Geschichte um den angeblich Kinder- und Jugendlichen-schädlichen Bleigehalt in Motorrädern wächst sich inzwischen aus: Malcolm Smith, ein kalifornische Biker-Legende, 68-jähriger Händler von Outdoor-Motorräder, und Protagonist im 1963er-Epos "On any Sunday" von Steve McQueen, will das Verbot aus Protest missachten: "California motorcycle dealer and industry icon Malcolm Smith says he plans to sell kid’s ATVs and motorcycles to consumers next Thursday (6 am PST, March 19, 2009) in protest against a federal law that limits the amount of lead that can be contained in products made for children 12 and younger.

The sales could be expensive. The law calls for fines up to $100,000 per violation and a maximum of $15 million for a series of related violations.

And, according to one attorney who is very familiar with the law, there are also criminal penalties of up to five years in jail for a willful violation of the law."

Smith's Protest hat einen wirtschaftlich nicht unbedeutenden Hintergrund. Nach Schätzungen des amerikanischen Motorcycle Industry Council (MIC) könnte das geltende Verbot die Branche etwa eine Mrd. USD in diesem Jahr kosten. Das Branchen-Blatt Dealership Magazine beziffert allein den Wert der derzeit nach dem Verbot sinnlos auf Halde liegenden Maschinen, Ersatz- und Zubehörteile auf über 100 Millionen USD.

Mal sehen, ob Smith in den Knast geht... Mehr dazu bei Dealership Magazine und hell for leather

Hier Malcolm Smith und Steve McQueen in einem Ausschnitt von "On any Sunday", beim gemeinsamen Rennen in Elsinore, Kalifornien:

13 März 2009

Remake: Steve McQueens Motorrad-Sprung aus The Great Escape

So schlecht wie den deutschen Verlagen scheint es den englischen Häusern noch nicht zu gehen.

Jedenfalls hat die Verlagsgruppe TIMES noch ein paar Pfund aus den Tiefen der Krisen-Rücklagen zu Tage befördert, um auf einem britischen Golfplatz einen aufwendigen Remake des Motorrad-Sprungs zu inszenieren, mit dem Steve McQueen und der Kriegsgefangenenlager-Film "The Great Escape" berühmt wurden.

Hier der Link zum dazu gehörigen Artikel.

Der Videowart

PS: Steve McQueen ist bei den Filmaufnahmen die umgebaute Triumph nicht gefahren, sondern sein Stuntman und Kumpel Bud Ekins, bei dessem Tod ich einen Nachruf bei Spiegel Online geschrieben habe.

Der Remake nun ist offensichtlich darauf zurück zu führen, dass die Times gute Kontakte zu Metisse Motorcycles hat, die neuerdings einen Nachbau von Mcqueens Crossmmaschinen auf Basis der alten Triumph anbieten.

One week: Ein Film über Tod, Glück und ein Motorrad

Das Jahr 2009 hat mir bisher fast nur Glück gebracht, Bekannten und Freunden von mir viel Pech. Daran musste ich denken, als ich mir den Trailer von "ONE WEEK - what would you do?" angeschaut habe, einem Film, der in Kanada gerade sehr erfolgreich in den Kinos läuft.

Eigentlich eine tot traurige Geschichte - ein junger Mann wird mit einer fatalen Diagnose konfrontiert - vielleicht hat er nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben...und bricht auf, auf einem alten Motorrad durch Kanada zu fahren. Erst einmal ohne Ziel, aber das Land und seine Menschen kommen ihm so nahe, dass er sich daran aufrichtet.

Das Medium ist seine Maschine, sein Gesprächsstoff für den Kontakt zu seinen Mitmenschen und Labsal für seine Seele. Ob der Film jemals nach Deutschland kommt, steht noch nicht fest.

Die fiktive Geschichte erinnert mich jedenfalls an die reale von Neil Peart, dem Songschreiber und Drummer von RUSH. Er hat sich über den Verlust seiner Frau mit einer sechsmonatigen Motorrad-Fahrt durch Nord- und Mittelamerika hinweg gerettet und das Buch Ghost Rider über seinen "Healing Process" geschrieben.